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Motorradreifen : Mit mehr Profil die Null als Ziel

Contis neuer Sporttourreifen Road Attack 3 Bild: Hersteller

Continental hat neue Reifen und Pläne für mehr Sicherheit beim Motorradfahren. Der Konzern setzt auf eine zunehmende Vernetzung im Zweiradsektor sowie die Nutzung von Assistenzsystemen aus der Autowelt.

          „Vision Zero“ klingt gut. Keine Motorradunfälle mehr, keine Toten und Verletzten. Auch bei Continental weiß man natürlich, dass das aus heutiger Sicht illusionär ist. Aber der griffige Slogan soll die Richtung weisen. Außer auf Fortschritte in der Reifentechnik setzt der Konzern auf eine zunehmende Vernetzung im Zweiradsektor sowie die Nutzung von Assistenzsystemen aus der Autowelt. Notbrems-Assistenten, adaptive Tempomaten mit Abstandsregelung, Verkehrsschilderkennung mit Hilfe von am Motorrad montierten Kameras und Totwinkelwarner werden zum Repertoire zählen. „Alles Dinge, die in der Entwicklung sind“, heißt es.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Die Elektronisierung des Motorrads schreitet mit großen Schritten voran. Traktions- und Stabilitätskontrollen, Schräglagensensorik, elektronisch regelnde Fahrwerke, Überschlag-Verhinderer und unterschiedliche Motorprogramme auf Knopfdruck verbreiten sich zurzeit schon rasant. Eine Reduzierung von Gefahren lässt sich nach Darstellung von Continental jedoch auch auf ganz analoge Art und Weise erreichen: durch regelmäßige Kontrolle des Luftdrucks sowie das Ausmustern abgefahrener Reifen. Klingt banal, ist aber sicher nicht nur zu Saisonbeginn einen Hinweis wert.

          Conti appelliert im Zuge seiner Zero-Kampagne an Motorrad- und Rollerfahrer, das Profil nicht unter zwei Millimeter wegrubbeln zu lassen. Vorschrift in Deutschland und weiteren Ländern wie Frankreich, Spanien und der Schweiz sind 1,6 Millimeter. Woanders, in Italien, Norwegen und Finnland beispielsweise, begnügt man sich laut Conti mit 1,0, in Großbritannien und den Vereinigten Staaten gar mit 0,8 Millimeter. Rät ein Reifenhersteller zur rechtzeitigen Neuanschaffung von Reifen, erscheint das nicht ganz uneigennützig. Doch kann Continental gute Gründe nennen. Mit geringer werdender Profiltiefe baue ein Reifen weniger Temperatur auf, heißt es. Tiefes Profil arbeite mehr, erzeuge durch mehr Reibung mehr Wärme und somit mehr Grip.

          Mit vollem Profil ist nach Angaben des Herstellers zudem die Gefahr geringer, eine Panne zu erleiden. Vor allem aber steige im Regen die Fähigkeit, Wasser aufzunehmen. Für den neuen Sporttourenreifen Road Attack 3 nennen die Gummiexperten der Conti-Zweiradsparte aus Korbach eine Wasseraufnahme von einem halben Liter je Sekunde bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h – sofern die volle Profiltiefe von 7 mm vorhanden ist. Mit nur noch 2 mm sinke der Wert auf 200 Milliliter in der Sekunde und mit 0,8 mm Profil auf 125 Milliliter.

          Der neue Road Attack 3 bringt mit seinen 7 Millimetern ab Werk mehr Profiltiefe mit als sein Vorgänger Road Attack 2 Evo. Vor allem aber hat sich Conti vom gepfeilten, „schönen“ Profildesign des Evo verabschiedet und setzt nun auf eine rein funktionelle Profilgestaltung. Der Road Attack 3 hat breite Rillen, die sich bis an die Flanken ziehen, und hinten ein durchgehendes Mittelband. Ziele der Entwickler waren ein schnelleres Aufwärmen der Reifen, höhere Laufleistung und vor allem eine Verbesserung von Drainage und Nassgrip. Darin hatte Conti nach eigenem Eindruck Nachholbedarf gegenüber Konkurrenten. Die Mischrezeptur wurde ebenfalls im Sinne verbesserter Haftung geändert. Nach Darstellung der Entwickler wurde dabei von der vielgerühmten Sportlichkeit im Trockenen nichts geopfert. Dass dies gelungen zu sein scheint, zeigte der Allround-Pneu während einer erste Probefahrt, bei der er unter anderem einer Ducati Multistrada 1200 zu wunderbar agilem, neutralem Verhalten mit transparentem Grenzbereich verhalf. Der Nassgrip ließ sich mangels schlechten Wetters an dem Tag nicht beurteilen.

          Mit dem Tour und dem Legend hat Conti zudem zwei neue Reifenpaare im Programm, die sich dem ersten Eindruck nach wohltuend auf die Handlichkeit schwerer Tourer und Cruiser à la Harley-Davidson auswirken. Mischung und Konstruktion sind identisch. Während aber der Tour mit neuer Profilgestaltung auf verbesserte Drainage und Laufleistung getrimmt ist, bietet der Legend als Weißwandreifen mit dem vom Vorgänger Milestone übernommenen Profil den schöneren, klassischeren Anblick. Viele Cruiser-Kapitäne bleiben bei Regen ohnehin zu Hause.

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