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Concorso d'Eleganza : Alter schützt vor Schönheit nicht

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Entstanden im Jahr 1964: Der Prince Skyline Sport aus Japan Bild: Gudrun Muschalla/BMW

Beim Concorso d'Eleganza der Villa d'Este am Comer See geht es ums Prestige der Auto-Eigner und im dichten Kern um die Schönheit der Fahrzeuge. Und darum, den Wind zum Freund zu haben. Wir haben uns unter die Autos gemischt.

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          Das schöne Auto ist von gestern. Es entspringt den Träumen von Reichtum, Schönheit und ewiger Jugend. Vielleicht werden deshalb die alten Autos mehr geliebt als die neuen Fahrzeuge. Und das alte Auto trennt die Buben von den Männern, und es führt hin zu Frauen, deren Anmut nur noch von ihrem Wagemut übertroffen wird: Solchen Autos kann man mit schöner Regelmäßigkeit in jedem Jahr für ein Wochenende zum Ende des April oder zum Beginn des Mai am Comer See begegnen. Beim Concorso d’Eleganza der Villa d’Este in Cernobbio geht es nur ein bisschen ums Prestige der Auto-Eigner, ein wenig mehr um den besonderen Auftritt der Vehikel und eigentlich im dichten Kern um die Schönheit des Autos. Dabei wird deutlich, dass die Autos den Menschen in dieser Eigenschaft überlegen sind: Ihr Alter schützt vor Schönheit nicht.

          Vielleicht gibt es in ganz Europa keinen Park, der sich besser für die automobile Elite der Eleganz eignete als dieses nicht zu groß und nicht zu knapp bemessene Gelände hinter den Mauern rund um das mondäne Hotel: Es atmet die Atmosphäre einer vergangenen (aber nicht vergessenen) Zeit, der Comer See mit seinen milden Wellen und dem dunklen Ufer der Villen und Paläste, und nirgendwo knirscht der Kies heller, und an keinem Ort gibt es in den Blättern einer siebenhundert Jahre alten Platane mehr Geschichten zu erzählen. An diesem Tag sind es die Ereignisse rund um etwa fünfzig klassische Concorso-Kaleschen sowie um gut zwei Dutzend Fahrzeuge, die aus besonderen Anlässen angereist sind.

          Prachtvolle Automobile aus den Jahren vor 1929

          Die deutsche Premiummarke BMW hat sich vor zehn Jahren entschlossen, diesen Concorso in Zusammenarbeit mit dem Hotel Villa d’Este auszurichten. Dabei geht es – wie schon vor achtzig Jahren – um die Schönheiten unter den Autos. Doch damals waren es natürlich keine alten Autos, keine Oldtimer und keine mit Millionenaufwand restaurierten Einzelstücke. Es waren prachtvolle Automobile aus den Jahren vor 1929, die dort womöglich Käufer finden sollten.

          Lancia Astura Cabriolet, schnittig gekleidet von Boneschi, entstanden im Jahr 1938
          Lancia Astura Cabriolet, schnittig gekleidet von Boneschi, entstanden im Jahr 1938 : Bild: Gudrun Muschalla/BMW

          Für die Sonderschau fanden sich 2009 BMW-Mobile ein, die in der achtzigjährigen Tradition des bayerischen Werkes entstanden waren. „Diese Jahre haben gezeigt, welch hohen Stellenwert Design und Formgebung für BMW eingenommen haben“, sagt Karl Baumer, Leiter von BMW Group Classic. Der beste Beleg sind der einstige Typ 507 und der neue Z4: Sie eint mehr als nur die Freude des Fahrers an der langen Haube.

          Autos aus dem Traum des Menschen

          Die dank VW wiederbelebte Marke Bugatti legte vier Sondermodelle für den Concorso auf (Bugatti wird hundert Jahre alt), sie basieren sämtlich auf dem Bugatti Veyron und sind in den traditionellen Rennfarben von Frankreich, Italien, England und Deutschland gehalten. Neben den Herzschlag-Veyrons parkte jeweils ein entsprechend lackierter Typ 35 Bugatti: fragile und dennoch im Renneinsatz solide-tüchtige Fahrzeuge mit Details, die eher an Kunstwerke eines vor Schönheit trunkenen Modelleurs als an Renn-Modelle erinnern. Und die skurrile Britenmarke Morgan (auch sie hat schon hundert Jahre hinter sich) führte sieben Exemplare aus ihrer Geschichte und ihrer Fahrt in die nächsten hundert Jahre heran.

          Am Rande des Concorso präsentierte das Museum Prototyp aus Hamburg in einer Sonderausstellung Fahrzeuge zum Thema „Stromlinie“: Autos aus dem Traum des Menschen, den Wind zum Freund zu haben und beim Fliegen den Boden nicht unter den Rädern zu verlieren. Als knappe Verbeugung vor einer nicht ganz auszuschließenden Zukunft des Automobils agierten Concept Cars und Prototypen, die zwar bekannt sind, aber auf seltsame Weise in diesem historischen Umfeld deplaziert wirkten. Für die Schönheit auf Rädern waren alte Autos zuständig.

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