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Concorde Carver 844L CL-Lounge : Gemütlicher Lulatsch

Reise und Stellplätze für dieses Trum wollen gut geplant sein Bild: Schmidt

Endlich mal im Wohnmobil wirklich Platz haben: Der Concorde Carver 844 L CL-Lounge bietet Luxus für knapp eine Viertelmillion Euro.

          5 Min.

          Selbst sieben Meter lange Wohnmobile kommen heute auf ein zulässiges Gesamtgewicht von nur 3,5 Tonnen - vor allem wegen der Führerscheinregelung, denn mehr ist für Autofahrer nicht drin. Aber wer vor 1999 den „Dreier“ gemacht hat (damals hieß er noch so), darf Fahrzeuge bis zu 7,5 Tonnen bewegen. Immerhin knapp 18 Prozent aller Wohnmobile im deutschen Bestand (Stichtag 1. Januar 2014, insgesamt sind es rund 370 000 Fahrzeuge) gehören in diese Kategorie. Wer jünger als 35 Jahre ist, muss über einen „Liner“- dieser Begriff hat sich für die Luxusklasse eingebürgert - gar nicht nachdenken, es sei denn, er macht für gut 1500 Euro den Führerschein C1 (bis 7,5 Tonnen).

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Dann darf er an den Lenker des Concorde Carver, den wir uns näher angesehen haben. Ein gewöhnliches Wohnmobil wirkt gegen den Carver wie ein Smart gegen eine S-Klasse. Der Concorde ist 8,66 Meter lang und 2,38 Meter breit, aber vor allem seine immense Höhe von 3,46 Meter macht ihn zu einer imposanten Erscheinung.

          „Da hat jemand einen Bus umgebaut“, hörten wir einen kleinen Jungen sagen. Stimmt natürlich nicht. Es sieht nur ein wenig so aus. Der Carver ruht auf dem Fahrgestell des Iveco Daily 65C17, das Leergewicht beträgt 5,1 Tonnen, das zulässige Gesamtgewicht 6,5. Die starre Hinterachse ist zwillingsbereift.

          Trotz des relativ hohen Gewichts müssen drei Liter Hubraum aus vier Zylindern genügen, 170 PS und 400 Newtonmeter Drehmoment haben mit dem 844 L schon gehörig zu tun. Die in Deutschland erlaubten 100 km/h (bei rund 2700/min) werden aber erreicht. Sobald es bergauf geht, lässt die Geschwindigkeit aber sehr schnell nach. Beachten muss man, dass in dieser Gewichtsklasse die Überholverbote für Lastwagen gelten (sofern sie nicht explizit ab 7,5 Tonnen ausgewiesen sind). Die rechte Spur in Baustellen hat man auch mit kleineren Wohnmobilen gepachtet. Das Marschtempo auf längeren Autobahnstrecken liegt nicht wesentlich über dem eines Sattelzugs. Und Seitenwind mag der Carver auch nicht.

          Unser Fahrzeug war für 2350 Euro Aufgeld mit einem automatisierten Sechsganggetriebe ausgerüstet, das vor allem auf der Landstraße manchmal etwas hektisch wurde. Prima: So gut wie nichts klappert im Carver während der Fahrt. Gewöhnungsbedürftig für den Neuling sind die Bus-Spiegel. Es gilt, nach links und rechts oben zu schauen, das dauert eine Weile, bis es sitzt. Sehen kann man in den Spiegeln aber sehr gut, auch das, was unmittelbar neben dem Fahrzeug passiert.

          Der Concorde ist 8,66 Meter lang und 2,38 Meter breit
          Der Concorde ist 8,66 Meter lang und 2,38 Meter breit : Bild: Schmidt

          Man lernt schnell, mit der Größe zurechtzukommen, Spritztouren in Innenstädte sind aber tabu. Wegen des Parkplatzproblems, weniger wegen des Fahrzeugs. Denn nicht jedes berühmte Museum hat einen Bus-Parkplatz. Fahrten (und Campingplätze) müssen daher gut geplant sein. Auch darf man nicht mit zehn oder zwölf Liter Verbrauch auf 100 Kilometer rechnen. Wir bewegten den Carver insgesamt 2780 Kilometer, im Schnitt auf 100 Kilometer ergaben sich 16,3 Liter. In Dänemark, wo Fahrzeuge über 3,5 Tonnen nur 80 km/h und auf der Landstraße nur 70 km/h fahren dürfen, waren es um 15, maximal kamen wir auf 18,3 Liter bei einer Tanketappe.

          Weil Tagesausflüge am Zielort eher beschwerlich sind, führt man den Carver öfter als handlichere Mobile seiner Bestimmung, dem Wohnen, zu. Ist eine ausreichend große Abstellfläche gefunden, nutzt man die Luftfederung (im Paket mit einer Hinterachs-Differentialsperre für 6050 Euro), um einen möglichst waagerechten Stand zu erhalten. Die Achsen können einzeln angehoben oder gesenkt werden, um jeweils sechs Zentimeter. Beim Wohnen bleiben eigentlich kaum Wünsche offen. Wobei anzumerken ist, dass beim Testwagen-Grundpreis von 166 100 Euro noch ordentlich draufgesattelt wurde. Unterm Strich standen 223 800 Euro auf dem Zettel. Viel wurde in eine noch aufwendigere und noblere Gestaltung des Innenraums investiert, in die Lederpolsterung Perlmutt zum Beispiel, 3550 Euro. Oder die „High-Gloss-Möbelfronten in Cremeweiß“ für 3990 Euro. In die Technik floss auch einiges: 4890 Euro in die Satelliten-TV-Anlage mit zwei Flachbildschirmen (einer im Wohn-, einer im Schlafraum), 2890 Euro in eine Solaranlage, 4690 Euro in eine leistungsstärkere Elektrik, 2800 Euro in ein Navi-System mit Lastwagen-Software, 1350 Euro für einen größeren Kühlschrank (190 statt 160 Liter) und einen kleinen Backofen, 1990 Euro in eine Porzellan-Toilette mit 320-Liter-Festtank. Die Liste ließe sich fortsetzen, etwa mit einem elektrischen Hubbett für 2250 Euro.

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