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Cigarette 41’SD GT3 : Wolle mer’n auf’n Rhoi losse?

  • -Aktualisiert am

Die Kommandozentrale des Flitzers befindet sich unter der markanten Überdachung. Hier ist sofort sichtbar, dass unter dem harmlosen Gewand feinste Technik schlummert. Der Steuerstand mit drei Garmin-Multifunktionsdisplays und zahlreichen Kippschaltern zur Kontrolle aller Funktionen wirkt eher wie das Cockpit eines Düsenjets. Anders als im Jet dürfen auf den drei Einzelsitzen mit durchgehender Sitzfläche neben dem Piloten noch zwei Beifahrer Platz nehmen. Eine Überraschung gibt es hinter einer Tür in der Konsole an Backbord. Dahinter verbirgt sich eine Kabine. Zwar mit bescheidenen Abmessungen, aber es gibt eine Doppelkoje, eine elektrische Toilette und ein Waschbecken. Genug für eine spontane Übernachtung. Im Bug folgen eine weitere Liegefläche und eine Sitzgruppe. Erstaunlich viel Komfort bei bester Verarbeitungsqualität also.

Zeit für einen Blick in den Motorraum. Das Auge fällt auf edle Technik aus dem Sortiment von Mercury Racing. Montiert sind zwei 90-Grad-V8-Alumotoren mit je 9 Liter Hubraum. Die Zylinderköpfe sind mit zwei obenliegenden Nockenwellen samt Vierventiltechnik ausgestattet und werden über wassergekühlte Doppelturbolader zwangsbeatmet. Die 2200 PS gelangen über zwei M6-Z-Antriebe mittels Oberflächenpropellern ins Wasser.

Die Betätigung der Anlasser wird mit kräftigem Geblubber quittiert. Mit dem ersten Hebel der Schaltung werden nur die Gänge eingelegt. Im Standgas bewegen wir uns – abgesehen von der Geräuschkulisse – dezent zur Hafenausfahrt. Im Rhein angekommen, kann’s dann los gehen. Der Spaß beginnt aber erst, nachdem die Gleitfahrt erreicht ist, und das geht nur durch sehr vorsichtiges Gasgeben bei gleichzeitigem Nachtrimmen. Ohne entsprechendes Fingerspitzengefühl passiert nicht viel. Wer vermeidet, dass die Propeller Luft ziehen, erreicht bei 2300 Umdrehungen und flotten 26,2 Knoten die stabile Gleitfahrt.

Erst jetzt können die Hebel hemmungslos auf den Tisch gelegt werden. Das resultiert nicht nur in vehementer Beschleunigung. Die Geräuschkulisse entwickelt sich zu einem Inferno, das einem startenden Düsenjet nahekommt. Das Beschleunigungsverhalten unterstützt den Eindruck. Der Rhein wird mit seinen Frachtern schnell zu einem engen Slalomkurs. Bald stehen die Drehzahlmesser auf 6200 Umdrehungen. Damit schaffen wir 165,4 km/h, was 89,3 Knoten entspricht, und verpassen nur knapp den Rekordwert von 167 km/h, den die Cigarette 41’SD GT3 bereits geknackt hat. Obwohl der breite Strom dabei wie ein schmales Rinnsal erscheint, liegt das Boot ruhig im Wasser. Der tiefe V-Rumpf gräbt sich wie auf Schienen durch sein Element. Ein Fahrgefühl fast wie auf der Betonoberfläche einer Autobahn. Die Heckwellen der Frachter, die wir wie eine Perlenkette umschiffen, verursachen nur ein leichtes Rütteln.

Wer sich den Spaß selbst gönnen will, der sollte über ein prall gefülltes Sparschwein verfügen. Rund 1,5 Millionen Euro sind für den Flitzer anzusparen. Auch der Betrieb ist nicht billig, denn der 1325-Liter-Tank will regelmäßig gefüllt werden. Wem das Boot gefällt, aber die gemächliche Gangart ausreicht, der kann zwischen drei weiteren Mercury-Racing-Benzinern oder zwei Mercury-TDI-370-Dieseln wählen. Damit stehen dann immer noch 544 kW (740 PS) zur Verfügung, die wohl für die meisten Ansprüche genügen werden.

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