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China im Autofieber : Das Reich der Mitte ist ein wichtiger Markt für Luxuswagen

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Fahrrad oder Luxusklasse Bild:

China ist weltweit zum wichtigsten Markt für prestigeträchtige Limousinen der Königsklasse geworden. Nicht nur die deutschen Hersteller BMW und Audi engagieren sich in Fernost.

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          "Wir erwarten, daß China der größte Markt für diesen neuen A8 mit 12 Zylindern werden wird", sagt Audi-Chef Martin Winterkorn und strahlt mit den Scheinwerfern um die Wette, die den dicken Audi ins rechte Licht rücken. Ort des Geschehens ist das Audi-Forum in der chinesischen Hauptstadt, rund hundert von den 13 Millionen Einwohnern der Metropole erleben die China-Premiere des größten und teuersten Audi. Die Präsentation in der vergangenen Woche ist für Audi wichtig, denn die VW-Tochter sieht sich im Zugzwang. Die Konkurrenz hat einen Vorsprung. Mercedes-Benz verkauft seine S-Klasse sehr gut, und gut 1000 der insgesamt 7000 in den vergangenen 12 Monaten ausgelieferten Autos trugen das V12-Emblem. BMW hat 962 Einheiten des 760iL mit gleicher Zylinderzahl ausgeliefert. Dagegen wurden vom Vorgängermodell des A8 in China im gleichen Zeitraum insgesamt nur rund 1200 verkauft, mit dem neuen Modell soll sich das ändern. In China kostet der Über-Audi umgerechnet 240 000 Euro.

          In der Tat ist China zum wichtigen Markt für die prestigeträchtigen Limousinen der Königsklasse geworden, gleich hinter den Vereinigten Staaten und Deutschland. Der Treibstoffpreis kann das Kaufargument nicht sein, ein Liter Super Plus kostet in Peking zur Zeit umgerechnet 0,45 Euro. Aber Importzölle und Transportkosten treiben die Preise. Fast hundert Prozent mehr als in Europa muß der Kunde in China für einen Oberklassewagen zahlen, Wartung und Reparaturen sind kaum günstiger. Aber ähnlich wie in Rußland zeigen die jungen Unternehmer des Mittelstands mit größtem Vergnügen, wenn sie Erfolg mit ihren Geschäften hatten. Das Auto gilt im postkommunistischen China mehr als in den wirtschaftlich weiter entwickelten Ländern der Erde als Repräsentationsinstrument. Den Markt läßt kein Unternehmen einfach liegen: Rolls-Royce hat an der feinsten Adresse Pekings einen Schauraum, ganz vorn im mondänen Oriental Center, gleich neben dem etwas versteckter liegenden Audi-Forum. In der Nachbarschaft wird in den nächsten Monaten eine Dependance der ebenfalls zum VW-Konzern gehörenden Marke Lamborghini eröffnen, Geschäfte von Prada, Gucci oder Zegna formen den würdigen Rahmen für die Sportwagenausstellung.

          Die Vertriebswege sind freilich nicht immer so sorgsam gekehrt wie im Oriental Center. Einige Kilometer vom Stadtzentrum entfernt finden sich die Händler der zweiten Riege. Sie arbeiten weniger im strahlenden Glanz des neuen modernen Pekings, aber keineswegs erfolgslos. Auf dem Gelände, wo in den nächsten Jahren das Tennisstadion für die Olympischen Spiele 2008 entstehen soll, findet sich der "Olympic Games Village Auto Exchange Market". Um einen Asphaltplatz einer Größe von gut vier Fußballfeldern sammeln sich insgesamt 120 Händler, die wiederum von den Haupthändlern beliefert werden, aber für den eigentlichen Umsatz der Marken sorgen. Völlig Gängiges wie ein Honda Accord oder ein VW Bora stehen in einmütiger Allianz neben einem Porsche Cayenne Turbo, daneben wartet ein Hummer-Geländewagen auf seinen Kunden. Der Asphalt ist aufgebrochen, große Pfützen spiegeln das Autoblech, und viele der feilgebotenen Fahrzeuge sind alles, nur keine Zier. Ein weißer 7er-BMW etwa steht wie nachlässig geparkt an einem der Zufahrtswege, der Lack noch teils mit Folien vor Beschädigung geschützt, der Staub und Ruß der Großstadt liegt millimeterdick auf Dach und Haube. Aber das Geschäft läuft wie geschmiert. Allein in diesem "Exchange Market" verkaufen die Händler 60 000 Autos im Jahr, 30 000 davon bleiben in der Hauptstadt.

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