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Caravan Salon in Düsseldorf : Geht das denn ewig so weiter?

  • -Aktualisiert am

VW will jetzt mit dem Grand California im Markt mitmischen. Bild: VW Volkswagen Nutzfahrzeuge AG

Die Caravaning-Branche boomt und boomt. Bis nächsten Sonntag treffen in Düsseldorf Visionen und Realitäten aufeinander.

          Ein Wohnwagen mit elektrischem Antrieb? Ein Reisemobil mit Brennstoffzelle? Beides ist auf dem Caravan Salon in Düsseldorf zu sehen. Wenn auch nur in Konzeptfahrzeugen. Zwar wird der Dieselmotor noch eine lange Weile die Mobilität der Camper sicherstellen, werden Zugwagen mit konventionellen Verbrennungsmotoren vor die Deichseln der Caravans gespannt. Doch wagen einzelne Hersteller den Blick in die ferne Zukunft und präsentieren praktikable Lösungen für emissionsfreie Fahrten in den Urlaub. Freilich sind es nur wenige Leuchttürme, die den Weg in die Zukunft weisen wollen. Das Gros der präsentierten Neuheiten setzt auf bekannte und bewährte Technik, die Neuheiten beziehen sich hauptsächlich auf Form und Farbe, nicht zuletzt auf günstige Preise.

          Solche werden für die beiden herausragenden Entwicklungen auf dem Salon noch lange nicht genannt. Dethleffs zeigt einen Caravan mit eigenem elektrischen Antrieb und eigener Batterie, der die Kombination mit ebenfalls elektrisch angetriebenen Zugfahrzeugen und deren eingeschränkte Anhängelasten möglich machen soll. Die Achse des Wohnanhängers, er basiert auf dem Leichtbaucaravan Coco (Bild), stammt vom Zulieferer ZF und ist mit zwei jeweils 40 kW leistenden Elektromotoren bestückt. Dies und die 80 kWh speichernde Batterie steigern das Gewicht des serienmäßig 700 Kilogramm wiegenden Coco auf rund eine Tonne. Rangieren auf dem Campingplatz fällt trotzdem leicht, können die Räder doch einzeln bewegt werden, sich der Wohnwagen elektrisch in die gewünschte Position fahren. Außerdem taugt der Akku als Stromspeicher zu Hause, wenn das Eigenheim mit einer photovoltaischen Anlage ausgerüstet ist.

          Das zweite Exponat für emissionsfreie Fortbewegung kommt von Daimler und basiert auf dem Sprinter. Das sieben Meter lange Wohnmobil mit einem Aufbau von Hymer hat insgesamt vier Tanks, drei unter dem Wagenboden, einen im Heckstauraum, die zusammen 7,4 Kilogramm Wasserstoff speichern können. Eine Brennstoffzelle mit 75 kW (102 PS) Leistung verarbeitet den Wasserstoff zu elektrischer Energie, die an den 147 kW (200 PS) starken Antriebsmotor an der Hinterachse weitergegeben wird. Noch mindestens fünf Jahre werden vergehen, bis der Fuell-Cell-Sprinter auf die Reise gehen könnte. Wo dann getankt wird, ist noch ungewiss.

          In dieses Wohnmobil von Citroen passen zwei Motorräder. Bilderstrecke

          Schneller an den Start geht ein weiteres Glanzlicht des Salons: Schon im kommenden Frühjahr kommt der Grand California von VW Nutzfahrzeuge auf Basis des Crafter zu den Händlern (Bild). Wie schon der vor 30 Jahren – damals beim noch in Essen gehaltenen Caravan Salon – vorgestellten California auf T3-Basis baut und vertreibt Volkswagen den ausgebauten Transporter in eigener Regie, wie damals ist der in Aussicht gestellte Preis beeindruckend. Schlanke 55 000 Euro soll der Grand California mit einem quer im Heck eingebauten Doppelbett kosten, der sechs Meter lange Camping-Van ist mit einem 130 kW (177 PS) starken Vierzylinder-Diesel und Automatikgetriebe ausgestattet. Für nur 2000 Euro Aufschlag gibt es eine auf 6,80 Meter verlängerte Version, die dann zwei Einzelbetten im hinteren Wohnbereich hat. Eine Nasszelle mit Klappwaschbecken, Dusche und Kassettentoilette ist grundsätzlich an Bord, allein die eher klinisch-steril wirkende Inneneinrichtung in strahlendem Weiß wird nicht jedermanns Geschmack treffen.

          In die Zukunft der Kastenwagen blickt Knaus-Tabbert mit zwei Studien, die den Fiat Ducato und den MAN TGE nutzen. Dachspoiler, Frontschürzen und 22-Zoll-Leichtmetallräder machen den Vision-Van zum Blickfang, der Hersteller bemüht sich nach Kräften, die Transporter vom Nutzfahrzeug-Image zu befreien. Hymer bleibt bei klassischen Formen und zeigt mit der Baureihe Modern Comfort, dass auch diese schick und dynamisch sein können. Die beiden teil- oder vollintegriert vorfahrenden Mobile rollen auf einem eigenen Chassis, vorn ist es mit dem Triebkopf des neuen Sprinter verbunden. An Bord gibt es ein 1,5 mal 2,0 Meter großes, höhenverstellbares Queensbett im Heck, der Hymer BMCT bleibt unter der 3,5-Tonnen-Grenze, die Preisliste beginnt bei rund 70 000 Euro. Auf den Mercedes-Benz Sprinter setzt auch La Strada und macht ihn zum Camping-Van Regent S (Bild), der auch mit Allradantrieb ausgestattet werden kann. Dann allerdings nimmt das schicke Mobil lässig die 100 000-Euro-Hürde.

          Für weniger gibt es bei der Eura-Mobil-Tochtermarke die konventionell und doch für die Marke ungewöhnlich eingerichteten 4Fans-Mobile. Helle Furniere in weichen, warmen Farben machen die beiden Teilintegrierten auf Ducato-Basis wohnlich, die Preise liegen bei 51 700 und 53 500 Euro.

          Die anhaltenden Volumenzuwächse des Reisemobilmarktes – im ersten Halbjahr 2018 hat er wiederum um 15 Prozent auf rund 35 600 Fahrzeuge zugelegt – wecken auch bei anderen Basisfahrzeug-Herstellern Begehrlichkeiten. Renault kooperiert mit der Reisemobilmarke Ahorn, Peugeot setzt hingegen auf OrangeCamp, deren teilintegrierte Exclusive-Serie von 52 000 Euro an zu haben ist. Citroën bietet einen Umbausatz mit Retro-Optik für den Jumper an, dessen Blechaufbau mit Kunststoffteilen umgestaltet wird und unter dem Namen Wildcamp Typ H an die französischen Wellblech-Transporter aus den 1950er-Jahren erinnern will. Außerdem wird der Jumper fit für den Motorrad-Transport gemacht (Bild).

          Bleibt zu hoffen, dass der Markt stabil bleibt, denn viele Hersteller haben ihre Fertigungskapazitäten kräftig ausgebaut. Sollte die Nachfrage stocken, ist der nächste Katzenjammer und die nunmehr vierte Krise der Branche zu befürchten. Zumindest für die Fahrzeuge gibt es eine Hilfe, die vor Schieflage schützt. Alko bietet für den Marktführer Fiat Ducato ein hydraulisches Stützensystem an, das den Wagen auf unebenem Untergrund für rund 7000 Euro automatisch in die Waage stellt. So ein Fallschirm wäre den Anbietern bei einem Markteinbruch unbedingt zu wünschen.

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