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Caravan Dethleffs Coco : Leicht sein kann ganz schön schwer sein

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Dethleffs präsentiert den Coco, der mit Pastellfarben, viel Weiß und strengen Formen durchaus aus Dessau oder Weimar stammen könnte. Bild: Kirchberger

Der Caravan Dethleffs Coco ist nur als komfortfreies Grundmodell ein Federgewicht. Der Audi Q5 erweist sich jedoch als überaus tauglicher Zugwagen.

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          Arist Dethleffs, der inoffizielle Erfinder des deutschen Wohnwagens, ersann einen Reiseanhänger für sich und seine Frau schon Anfang der dreißiger Jahre. Doch die ersten Schritte des Caravanings waren holprig. Der Innenraum hatte den Charme einer Zuflucht für Waldarbeiter, und die Form schwankte zwischen Jugendstil und Neoklassizismus. Abgesehen davon war die Zugkraft der Automobile vor der Deichsel ein Hemmnis, das die meisten aller Alpenpässe zu schier unüberwindlichen Hindernissen machten.

          Vielleicht deshalb und weil die Anhängelasten heutiger Autos stagnieren oder gar auf dem Rückmarsch sind, haben die Wohnwagenhersteller den Leichtbau neu entdeckt. Knaus hat den Travelino im Programm, dessen Inneneinrichtung aus geschäumten Materialien irgendwie an Baukästen von Fischer-Technik erinnert, Dethleffs präsentiert den Coco, der mit Pastellfarben, viel Weiß und strengen Formen durchaus aus Dessau oder Weimar stammen könnte. 733 Kilogramm wiegt das 19.049 Euro teure und damit wirklich nicht billige Wägelchen unbeladen, gibt dann aber den Schmalhans an allen Ecken und Kanten. Wer auf sich hält und das Wort Komfort im Urlaub nicht ausblenden will, investiert 3499 Euro in zusätzliche Ausstattung, die aus dem Coco einen richtigen Wohnwagen macht.

          Die aber kostet nicht nur Geld, sondern bringt zusätzliches Gewicht an Bord. Stramme 96 Kilogramm wiegt das Lounge-Up-Paket, zu dem Dinge zählen, auf die ein Camper heute einfach nicht verzichten will. Die Vorbereitung zur Anhebung des Gespann-Tempolimits auf 100 km/h zählt dazu. Leichtmetallräder, Deichselabdeckung und ein Fliegengitter für die Eingangstür sind weitere Positionen des Komfortpakets, ferner aufstellbare Bugfenster, zwei Dachluken, Frisch- und Abwassertank, dimmbare Ambiente-Beleuchtung, Warmwasserversorgung, ein Badezimmerfenster und ein Kühlschrank mit 142 Liter Volumen samt Frosterfach. Die erlaubte Zuladung sinkt durch all die feinen Dinge auf nur noch etwa 60 Kilogramm, eine Auflastung von 900 auf 1100 Kilogramm Gesamtgewicht ist daher unabdingbar. Und wir verabschieden uns vom Leichtbau-Caravan.

          Bilderstrecke

          Die Innenarchitektur des Coco birgt dank der Bugküche einen gewissen Charme. Die Pantry, oft lästiges Einrichtungselement, wandert an die vordere Wand und stört nicht weiter bei der freien Gestaltung des Innenraums. Beim Coco teilt sie sich das vordere Viertel mit einem Waschraum, der dank des Klappwaschbeckens den Einbau einer Kassettentoilette auf kleinem, aber nicht zu kleinem Raum erlaubt. Es thront sich bequem, die Körperpflege an Bord findet ebenfalls einen nicht zu knappen Rahmen. Zwar gibt es eine Heißwasserbereitung, eine Option zum Duschen aber nicht. Hierfür wären die fünf Liter temperierten Wassers wohl auch zu dürftig – der Campingplatz mit Sanitäranlagen ist die präferierte Anlaufadresse des Coco- Campers. Zumal auch die Option auf eine Außendusche nicht angeboten wird.

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