https://www.faz.net/-gy9-12jzb

„car2go“ : In Ulm und um Ulm

  • -Aktualisiert am

In Ulm warten 200 weißblaue Smart auf Fahrer Bild: picture-alliance/ dpa

In Ulm wird unter Regie von Daimler ein Konzept getestet, bei dem jedermann Zugriff hat: 200 weißblaue Smart warten auf Fahrer. Im Gegensatz zum Carsharing werden hier die Fahrten nach Zeit und nicht nach Strecke abgerechnet.

          Carsharing ist nichts Neues: Mitglieder eines Vereins haben Zugriff auf verschiedene Fahrzeuge. In Ulm wird seit diesem Frühjahr unter Regie von Daimler ein verwandtes Konzept getestet, bei dem jedermann Zugriff hat: 200 weißblaue Smart warten auf Fahrer. Jeder, auch Besucher der Stadt, kann sich für „car2go“ auf dem Bürgerbüro anmelden und sich fortan einen Smart greifen. „Wir wollen etwas anbieten, das extremst flexibel, einfach zu bedienen und benutzerfreundlich ist. Unsere Kunden sollen immer und überall im Stadtgebiet ein Fahrzeug zur Verfügung haben und dieses spontan so lange sie möchten nutzen können,“ beschreibt der Projektverantwortliche Robert Henrich den Anspruch.

          Im Gegensatz zum Carsharing gibt es keine Kaution oder sonstige Grundgebühren. Die Fahrten werden nach Zeit und nicht nach Strecke abgerechnet, alle Kosten sind im Minutenpreis enthalten. Das Wichtigste ist jedoch die Flexibilität: Der Smart (alle mit Diesel) kann an einem beliebigen Ort spontan oder mit Vorbuchung über Handy sowie Internet gemietet und irgendwo innerhalb des Geschäftsgebiets (Stadtgebiet Ulm) „zurückgegeben“ werden. Er bleibt dort, bis ein Kunde kommt. Der muss sich auch nicht vorher festlegen, wie lange er den Wagen nutzen möchte.

          Warum ausgerechnet Ulm?

          Ausgestattet mit dem nötigen Chip auf dem Führerschein (vom Bürgerbüro), kann jedermann freie Smarts nutzen. Die Fahrzeuge haben an der Windschutzscheibe ein Kartenlesegerät, das über ein Lichtsignal anzeigt, ob das Fahrzeug frei oder reserviert ist. Ist es frei, erkennt der Wagen den Chip, die Tür öffnet sich, man gibt dann noch eine persönliche PIN ein und kann losfahren. Selbst das Tanken muss nicht bezahlt werden. Sollte es nötig werden, liegt eine entsprechende Karte im Wagen.

          Nun ist Ulm keine Millionenmetropole, sondern eine mittelgroße Stadt mit vorbildlichem Nahverkehrsnetz. Dass Daimler ausgerechnet Ulm für den Großversuch ausgewählt hat, liegt am konzerneigenen Forschungszentrum am Ort. In einer ersten Pilotphase hat man Ende 2008 geprüft, ob und wie diese Form der alternativen Mobilität im Realtest funktioniert. Schnell wurde klar, dass aus dem Pilotprojekt, an dem sich zunächst nur Daimler-Mitarbeiter beteiligen konnten, mehr werden muss. Die Stadt Ulm unterstützt von Beginn an „car2go“, die Gebühr für bestimmte Parkplätze ist im Minutenpreis des Smart von 19 Cent (Tagespauschale 49 Euro) inbegriffen.

          „Mit unserem eigenen Auto fahren wir nicht mehr in die Stadt“

          Eines hat sich schnell herausgestellt: Die Ulmer nehmen das Projekt gut an. Unternehmensberater Rudolf Straschewski: „Meine Frau und ich nutzen dieses Konzept, obwohl wir beide unser eigenes Auto haben. Ab sofort fahren wir mit dem Smart in die City. Wir müssen nicht mehr lange einen Parkplatz suchen, geschweige denn teuer bezahlen. Das Smart geben wir in der City ab und nehmen uns für die Rückfahrt wieder einen. Mit unserem eigenen Auto fahren wir nicht mehr in die Stadt.“

          Und Daimler-Mitarbeiter Dominik Gutkowski lässt den Stadtbus jetzt oft stehen und fährt stattdessen Smart. Angeblich haben einige Ulmer ihr Auto schon abgemeldet oder verkauft. Die Rechnung ist simpel: Wer in der Stadt wohnt, kann vieles zu Fuß oder mit dem Fahrrad erledigen, sich sonst ein Taxi nehmen und für einen Urlaub ein Wunschauto mieten. Das, so die vielfache Aussage, sei stressfrei und allemal günstiger als der Unterhalt eines Fahrzeugs entsprechender Größe und mit dem gewünschten Komfort. Für solche Städter können Projekte wie „car2go“ eine echte Alternative sein.

          Mehr als 6000 Anmeldungen gibt es bereits

          Bei Daimler glaubt man, dass sich „car2go“ vor allem für Großstädte lohnt, es sei kein Mobilitätskonzept fürs flache Land und keines für Familien mit Kindern, glaubt Projekt-Chef Henrich. Das Interesse der Ulmer sei schon in der Anfangsphase gewaltig gewesen und habe jetzt alle Berufs- und Altersgruppen erfasst.

          Mehr als 6000 Anmeldungen gibt es bereits. Im Herbst soll im texanischen Austin ein ähnliches Projekt aus der Taufe gehoben werden. Austin ist eine Großstadt mit rund 750.000 Einwohnern (Großraum Ulm: etwa 200.000 Menschen) und schon deswegen ein Prüfstein für das Konzept.

          „car2go“ in Ulm ist auf 12 Monate ausgelegt, dann wird eine Bilanz gezogen. Ist die gut, wird verlängert – mit dem Ziel, das Projekt vielleicht zum Regelfall zu machen. Wer beim Besuch der Stadt auch die Umgebung ansehen will, sollte eine Probe aufs Exempel machen: Die Geschäftsbedingungen stehen im Netz unter „www.car2go.com“.

          Weitere Themen

          Huawei stellt neues 5G Handy vor Video-Seite öffnen

          Deutscher Release ungewiss : Huawei stellt neues 5G Handy vor

          Der chinesische Technikkonzern Huawei hat in München sein neues Smartphone „Mate 30“ vorgestellt. Wegen des Handelskonflikts zwischen den Vereinigten Staaten und China ist aber unklar, ob das Handy überhaupt jemals in Deutschland in den Handel kommen wird.

          Topmeldungen

          Künast hat sich bei zahlreichen Gelegenheiten von der früheren Position mancher Grüner distanziert.

          Hass-Posts gegen Renate Künast : Erlaubt ist alles

          „Stück Scheiße“, „Schlampe“, „Drecksau“ – solche und noch krassere Kommentare prasselten auf Renate Künast ein. Das Landgericht Berlin sieht darin keine persönliche Schmähung, sondern nur zulässige Sachkritik.
          Die Stadt Sassnitz auf der Insel Rügen hat etwa 9000 Einwohner.

          SPD kooperiert mit AfD : „Ich habe da kein schlechtes Gewissen“

          Immer wieder hat die SPD in Bund und Ländern bekräftigt, mit der AfD nicht zusammenarbeiten zu wollen. In Sassnitz auf Rügen reichen die beiden Parteien aber jetzt gleich sieben Anträge gemeinsam ein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.