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Car of the Year : Taycan oder Tesla, Clio oder Corolla?

Die sieben Finalisten. Bild: Velimatti Honkanen

Wie ein Auto zum Auto des Jahres wird. Ein Blick hinter die Kulissen des bedeutendsten Preises der Automobilindustrie.

          2 Min.

          Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich Autos im direkten Vergleich wirken. Auf derselben Strecke. Bei denselben Witterungsbedingungen. In diesem Jahr haben wir Glück, über der Teststrecke in der Nähe von Paris scheint die Sonne. Der Asphalt ist trocken, eigentlich brauchten wir auch keine Jacke. Wir, das sind 60 gestandene Automobiljournalisten aus 23 Ländern Europas - die Jury des bedeutendsten Preises der Automobilindustrie, Car of the Year.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Wie in jedem Jahr treffen wir einander auch in diesem zwei Wochen vor dem Genfer Salon auf einem abgesperrte Testgelände in Mortefontaine für die letzten Vergleichsfahrten mit den sieben Kandidaten. Als da wären: Porsche Taycan, Peugeot 208, Renault Clio, Ford Puma, Tesla Model 3, Toyota Corolla und BMW 1er.

          Zwei Tage lang können die Fahrzeuge auf den Straßen und auf dem anspruchsvollen Rundkurs mit Schikanen und Kopfsteinpflaster noch einmal eingehend geprüft werden. Das Feld ist heterogen, der pragmatische Corolla hat gegen den unfassbar flotten Taycan selbstredend keine Chance, käme es allein auf die Rundenzeit an. In der Tat wird zügig gefahren, aber zumeist nicht auf der letzten Rille, und es zählen auch einige andere Kriterien wie Platzangebot, Verarbeitung, Design oder das Preis-Leistungsverhältnis. Der Autor dieser Zeilen, selbst seit einigen Jahren Mitglied der Jury, legt besonderen Wert auf Innovation und auf ein Gefühl, was sich schwer in Kategorien pressen lässt, nennen wir es wohligen Gesamteindruck.

          Auf dem Begleitprogramm stehen jeweils fünfzehnminütige Präsentationen der Hersteller, in denen sie ihre technischen Errungenschaften in Erinnerung rufen können und natürlich auch Eigenwerbung betreiben. Von geschäftlich-kühl bis emotional-engagiert reichen die Vorträge, die meisten Marken schicken Entwicklungschefs, manche Marketingleiter, einige ihren Vorstandsvorsitzenden.

          BMW 1er Bilderstrecke

          Die Jury hat professionell beständig mit Autos zu tun, und so kommt ein jeder mit einer Vorahnung zum Finale. Doch alljährlich verschieben sich hier die Positionen. Wer eben noch dachte, ein Fahrwerk sei soweit in Ordnung, erkennt drei Testrunden später und im Vergleich mit dem Konkurrenten, dass Welten zwischen den Wagen liegen. Grobe Fehler leistet sich keiner der automobilen Finalisten, klar, es sind die sieben attraktivsten Autos des Jahres. Grobe Fehler leistet sich normalerweise keiner. Diesmal fällt der Tesla mit argen Bremsproblemen auf, was im Jahr 2020 nicht mehr vorkommen darf und ihn vermutlich Punkte kosten wird.

          Dass vollelektrische Wagen wie Taycan und Tesla gegen solche mit Verbrennungsmotor antreten, liegt am Wandel der Zeit. Wir wissen auch nicht, ob das Elektroauto die Zukunft ist, wohl aber drängt es auch und vor allem dank politisch gesetzter Leitplanken mit Macht in den Markt, und so hat es in diesem Finale jedenfalls seine Berechtigung. Wir nehmen an, im nächsten Jahr werden die Elektriker schon die Mehrheit der Finalisten stellen, ohne Gewähr freilich.

          Die Hersteller bringen ihre Modelle in verschiedenen Varianten mit. Peugeot etwa hatte den 208 auch als batterieelektrische Version dabei, die bemerkenswert anders fährt als jene mit Verbrennungsmotor, und BMW brachte den 1er als Diesel der Vernunft und als M der Euphorie mit. Renault ließ Runden mit dem nagelneuen Clio E-Tech drehen, mit sanfter Hybridtechnik, wie sie Toyota schon lange pflegt. Die Vielzahl der Charaktere macht den Charme dieses Preises aus, der von allen Einflüssen unabhängig vergeben und dessen Wertung öffentlich gemacht wird, was ihn so besonders macht.

          Bis zum 28. Februar müssen die Juroren und Jurorinnen abstimmen. Sie vergeben 25 Punkte, verteilt auf mindestens fünf der Finalisten. Der erste Platz darf nicht doppelt besetzt werden. Die Höchstnote beträgt 10 Punkte, Null sind auch erlaubt. Am 2. März wird auf dem Genfer Salon öffentlich ausgezählt, gegen 16 Uhr an jenem Montag sollte das Car of the Year 2020 feststehen.

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