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Car of the year 2020 : Peugeot 208 ist Auto des Jahres

Der Präsident und der Gewinner: Frank Janssen, Chef der Car-of-the-year-Jury und der Peugeot 208 Bild: Veranstalter

Der französische Kleinwagen gewinnt mit klarem Vorsprung vor Tesla Model 3 und Porsche Taycan. Auf FAZ.NET hatten sich zuvor mehr als 12.000 Leser an einer eigenen Abstimmung beteiligt.

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          Seit 1964 wird die Auszeichnung „Car of the Year“ vergeben, in Deutschland bekannt als „Auto des Jahres“. Aber unter solchen Umständen noch nie. Aus Sorge vor einer weiteren Verbreitung des Coronavirus ist der Autosalon in Genf abgesagt worden. Somit konnte auch die Verleihung des Preises nicht wie gewohnt dort vor rund 400 Gästen stattfinden. Das Präsidium der Jury hat denn vor leeren Rängen die Auszählung vorgenommen und den Sieger gekürt. Das Car of the Year 2020 ist der Peugeot 208.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Die Jury überzeugte die breite Motorenpalette einschließlich eines batterieelektrischen Antriebs, die innovative Gestaltung sowie das attraktive Preis-Leistungs-Verhältnis. Peugeot gewinnt die Trophäe zum wiederholten Mal. Der 208 erhielt 281 Punkte. Den zweiten Platz erreichte das Tesla Model 3 mit 242 Punkten, den dritten der elektrische Porsche Taycan mit 222 Punkten. In den Autofahrernationen Großbritannien und Deutschland lag der Porsche vorn. Auf den Plätzen folgen Renault Clio, Ford Puma, Toyota Corolla und BMW 1er.

          Auf der  Leinwand wurden die von der Jury vergebenen Punkte Land für Land angezeigt und addiert, ähnlich wie beim Eurovision Song Contest. Vergeben wird die Auszeichnung alljährlich von 60 Fachjournalisten aus 23 Ländern Europas. Wegen der Unabhängigkeit, Transparenz und der professionellen Jury gilt der Titel als erstrebenswerter als alle anderen. Und es gibt auch nicht einen Preis für jeden Hersteller in irgendeiner Kategorie, sondern nur einen einzigen: für das nach Überzeugung der Jury interessanteste neue Auto. Die Bewertung der Jury, welcher der Autor dieser Zeilen angehört, ist öffentlich einsehbar.

          Peugeot 208 Bilderstrecke

          Die Kriterien sind streng. Jedes Jurymitglied muss persönlich jedes Auto gefahren haben, welches es beurteilen möchte. Damit wird sichergestellt, dass die Eindrücke authentisch sind, die Chancen exotischer Marken schrumpfen indes, weil nicht jeder Hersteller willens oder in der Lage ist, alle Journalisten auf eine Testfahrt mitzunehmen. Außerdem neigen einige Jurymitglieder dazu, teuren Fahrzeugen wenig Punkte zu geben, weil die nicht massentauglich sind.

          In den Statuten steht, Innovation solle eine entscheidende Rolle in der Stimmvergabe spielen. Allerdings wird auch das Preis-Leistungs-Verhältnis angeführt. Und Design spielt, weil es als Kaufgrund Nummer eins gilt, eine große Rolle. Grundsätzlich aber sind die Jurymitglieder frei in ihrer Entscheidung, was auch dadurch unterstrichen wird, dass alle ihre Reise- und Unterbringungskosten zum finalen Test Anfang Februar auf einer abgeschirmten Teststrecke nahe Paris selbst tragen und die Organisation keinen Sponsor aus der Autoindustrie hat, sondern von sieben Zeitschriften aus sieben Ländern getragen wird.

          Aus der Vielzahl der Neuerscheinungen wurde zunächst eine Liste von dreißig Fahrzeugen erstellt, die in die engere Wahl kamen. Aus ihr wurden sieben Finalisten gewählt, in diesem Jahr BMW 1er, Peugeot 208, Renault Clio, Tesla Model 3, Porsche Taycan, Ford Puma und Toyota Corolla. Sie alle dürfen sich als Gewinner fühlen. In der letzten Runde werden diese sieben Probanden einen Tag lang über öffentliche Straßen und die Teststrecke in Frankreich gefahren. Die Strecke ist kein Vollgas-, sondern ein Handlingkurs, auf dem sich im direkten Vergleich Eindrücke bestätigen, verfestigen oder neu ordnen.

          Peugeot 208

          Auf FAZ.NET wollten wir in den vergangenen drei Tagen von unseren Lesern wissen, welches Modell sie gewählt hätten. Die Teilnahme war überaus rege. Es wurden bis Montagnachmittag beachtliche 12.200 Stimmen abgegeben. Mit Abstand hat das Tesla Model 3 vor Porsche Taycan und BMW 1er gewonnen. Der Peugeot 208 landete nur auf Platz 4. Der Tesla erhielt 38 Prozent der Stimmen, der Porsche 22 Prozent, der BMW 12 Prozent.

          Bei den Profis erreichte der Tesla „nur“ den zweiten Platz, womöglich hat ihn sein schlechtes Bremsverhalten den Sieg gekostet. Während der Testfahrten hatte das Model 3 eklatante Bremsprobleme aufgezeigt, was vor allem Jurymitglieder aus jenene Ländern monierten, in denen schneller gefahren werden darf oder in denen es gilt, Passstraßen sicher zu bewältigen.

          Die Beurteilung der Jury zu jedem einzelnen Finalisten ist auf caroftheyear.org zu finden.

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