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Cabriolet : Ein Käfer bleibt immer ein Käfer

  • -Aktualisiert am

Klassiker: VW Käfer Cabriolet Bild:

Im VW Käfer Cabrio fällt der Abschied vom Sommer leicht, kann man sich doch auf das nächste Jahr in dem schönen alten Krabbeltier freuen.

          2 Min.

          Heutzutage ist es schwer, mit einem Auto aufzufallen. Porsche Boxster? Bevölkern zu Tausenden die linke Spur. Mercedes SLK? Fährt alle drei Minuten über die Flaniermeile der Stadt. Audi TT? Hat jeder Yuppie. Nur nach wenigen Wagen recken sich die Köpfe. Dazu zählt ein feuerrotes VW Käfer Cabriolet, Baujahr 1978, restauriert in der Werkstatt von Georg Memminger. Der Bayer verwandelt Schrottkandidaten in Schönheiten. Und die stehlen jedem Neuwagen die Schau.

          Da macht unser Exemplar keine Ausnahme. Ergraute Männer werden mit einem Schlag 30 Jahre jünger, stehen sie vor den roten Rundungen. Spätestens wenn der Motor unverwechselbar im Heck knattert, erwachen die Erinnerungen an eine Zeit, als Autos noch von der Mechanik beherrscht wurden und Elektronik allenfalls im Radio steckte. Von modernen Wagen verwöhnte Fahrer scheitern da schon beim Anlassen. Ohne gleichzeitiges Gasgeben läuft nichts. Und kommt die erste rote Ampel zu früh, geht der noch kalte Motor flugs wieder aus. Also anfangs immer leicht mit dem Fuß auf dem Gas stehen. Gar nicht so einfach, verlangt doch die hakelige Gangschaltung ebenfalls Aufmerksamkeit. Großgewachsene Menschen werden zudem am Sicherheitsgurt zerren, weil er ihnen in die Schulter schneidet. Schuld ist der niedrige Befestigungspunkt unterhalb der hinteren Seitenscheiben.

          Der Käfer zaubert Lächeln

          Wenn aber erst mal der Motor rund läuft und der vierte Gang sauber eingelegt ist, sind alle Startprobleme vergessen. Wieder VW Käfer fahren, man muß es erleben. Die Welt wird auf einen Schlag freundlicher. Die Menschen schauen nicht mehr so düster drein, sondern lächeln beim Anblick des roten Oldtimers. Nicht ein einziges Mal hat uns jemand angehupt oder ist bedrohlich nah aufgefahren.

          Am schönsten ist es natürlich oben ohne. Die Verdeckmechanik ist so einfach wie der restliche Wagen - im besten Sinne. Nur das Aufziehen der Persenning erfordert Zeit, liegen zwei Befestigungshaken doch etwas ungünstig in der Tiefe des Innenraums. Doch die kleine Mühe lohnt. Schnell raus aus der Stadt und auf die Landstraße. Hier fühlen sich Gefährt und Fahrer wohl. Und da Restaurateur Memminger den Motor aufgebohrt hat, kommen wir auch flink die Berge rauf. Statt einstiger 50 bringt unser Cabriolet 70 PS auf die Straße.

          Zweiter Geburtstag

          Das ist nur eine von vielen Veränderungen, die der Käfer hinter sich hat. Im Jahr 2003 hat dieser Wagen von 1978 zum zweiten Mal Geburtstag gefeiert. Bis auf das Grundgerüst ist fast alles neu an ihm: Dach, Türen, Seitenteile, Motorhaube und Kofferraumdeckel. Die Blechteile haben Memminger und seine Mannen selbst gepreßt. Den verbliebenen alten Rahmen haben sie entrostet und verzinkt. Auch im Innenraum dominiert das Jahr 2003: neue Ledersitze, neues Lenkrad, neue Verkleidungen. Armaturenbrett, Schalter und Blaupunkt-Radio sind aber original. Der Jungbrunnen hat mit mehr als 35000 Euro seinen stolzen Preis.

          Krafteinsatz des Fahrers

          Streiten läßt sich über die Räder. Die sehen nur gut aus. Vorne steht der Wagen auf 185ern, hinten auf 205ern. Wegen der breiten Pneus läuft das Cabriolet jeder Längsrille hinterher, sei sie auch noch so unscheinbar. Das Fahren auf der Autobahn wird damit zum Training für Arme und Aufmerksamkeit. Den Käfer hält es keine Sekunde ruhig in der Bahn. Zwei Stunden Autobahn sind ungemein anstrengend. Immerhin lenkt die Konzentration auf das Spurhalten von den lauten Windgeräuschen ab, die von 80 km/h an den Wagen umtosen. Unsere Empfehlung: Schneller als 130 km/h sollte man nicht fahren, auch wenn der Fahrzeugschein 150 km/h ausweist. Der Wagen ist nicht einfach zu beherrschen in kritischen Situationen, einen Bremskraftverstärker gibt es nicht.

          Der knackig aussehende VW Käfer ist eben ein Oldtimer mit allen dafür typischen Macken. Das gilt auch für die Heizung. Die arbeitete bei unserem roten Cabriolet nur widerwillig. Wie schon vor 30 Jahren. Für den Abschied vom Sommer war sie noch ausreichend. Ein Käfer bleibt halt ein Käfer. Deshalb lieben wir ihn.

          Informationen zu den reanimierten VW Käfer Cabrios gibt es unter der Adresse www.feine-cabrios.de

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