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© Jörg Mühle

Des Blitzers fette Beute

Von HOLGER APPEL

11.07.2016 · Das kann teuer werden: Wer mit dem Auto in Urlaub fährt, muss aufpassen.

Die Schweiz fällt jedem sofort ein. Schreckensgeschichten von Jahresgehältern, die als Strafe zu entrichten sind, oder von beschlagnahmten Autos machen die Runde. Und ja, der Bußgeldkatalog der Schweiz ist wirklich erschreckend, aber nicht nur der. Die europäische Landkarte ist eine mit Strafen, die teilweise unwirklich klingen.

Der ADAC hat Verkehrssünden im Ausland zusammengestellt, wir zeigen einige auf. Wer etwa hätte gedacht, dass Alkohol am Steuer in Großbritannien bis zu 6500 Euro kosten kann? Das muss den Trinksitten auf der Insel geschuldet sein. In Schweden und Spanien droht bei hohem Alkoholwert gar Gefängnis. In Großbritannien wiederum ist darauf zu achten, dass die Geschwindigkeit in Meilen angegeben wird. Grundsätzlich verlangt Norwegen die höchsten Bußgelder, gefolgt von Schweden und Italien.

  • © Jörg Mühle Die Ampel bei Rot zu überfahren kostet hierzulande mindestens 90 Euro und einen Punkt in Flensburg. Im Ausland wird der Verstoß recht unterschiedlich gesehen und bestraft.
  • © Jörg Mühle Die Schweiz achtet rigoros auf ihr ermüdendes Limit. In Frankreich weisen Schilder auf feste Blitzer hin. Aber der Gendarm liegt gern auch mal getarnt auf der Lauer.
  • © Jörg Mühle Alkohol am Steuer ist in allen Ländern teuer. Die Promillegrenze variiert. Rumänien und Ungarn haben 0,0, Großbritannien und Malta 0,8. In Deutschland gilt 0,5.
  • © Jörg Mühle Überholen bei Überholverbot ist offenbar etwas, das Slowenen und Norwegern besonders zu schaffen macht. Ihre Strafen erreichen einsame Höhen – bis auf die Unwägbarkeit in Finnland, wo viele Verstöße nach Tagessätzen berechnet werden. In diesem Falle mit mindestens zehn. Das bedeutet konkret in Euro? Teuer.
  • © Jörg Mühle Obacht in Großbritannien, das Tempo ist in Meilen angezeigt. Überraschend: In Frankreich, Italien und Kroatien gelten für Fahranfänger außerorts geringere Höchstgeschwindigkeiten.
  • © Jörg Mühle Besondere Freude bereiten unsere spanischen Freunde, die lassen in einem Monat auf der einen und im anderen Monat auf der anderen Seite parken. Systematisch ist das nicht, aber einträglich. Wer sofort zahlt, zahlt nur die Hälfte. Ein schwacher Trost.
  • © Jörg Mühle Wer angesichts aller Erkenntnisse über die lebensrettende Wirkung des Sicherheitsgurts noch immer ohne fährt, ist nicht bei Trost. In Estland scheint Nachhilfe nötig, und der Spanier kassiert wie immer. Hierzulande gibt es offenbar keine Probleme.
  • © Jörg Mühle Wer in Italien unterwegs ist, bekommt den Eindruck, die Italiener werden mit Handy am Ohr geboren. Doch die höchsten Strafen verhängen sie nicht. Auch hierzulande sieht man es immer wieder: Telefonieren im Auto gehört zum Alltag. Ablenkung und Gefährdung sind erheblich.



Perfide ist es, wenn Sonderregeln gelten. In Schweden etwa gibt es kein einheitliches Tempolimit. In Polen sind Geschwindigkeitsbegrenzungen an die Anzahl der Fahrspuren und die Tageszeit gekoppelt. Spanien und Italien gewähren Sofortzahlern Rabatt. Und wenn es dann doch geblitzt hat? Bußgelder aus EU-Staaten von mindestens 70 Euro (einschließlich Verfahrenskosten) können seit dem 1. Oktober 2010 in Deutschland vollstreckt werden, stellt der auf Verkehrsrecht spezialisierte Frankfurter Rechtsanwalt Uwe Lenhart fest. Der Betroffene müsse in einem schriftlichen Verfahren über seine Rechte in deutscher Sprache belehrt werden. Einwände könnten nur im Erkenntnisverfahren des Tatortlands vorgebracht werden. Unterblieben diese oder würden sie zurückgewiesen, werde der Vorgang an das deutsche Bundesamt für Justiz geleitet, das nach Ablauf der Anhörungsfrist eine Bewilligungsentscheidung zustelle, gegen die Einspruch eingelegt werden könne.

Hiernach komme es zur Verhandlung vor einem deutschen Gericht. Unterbleibe ein Einspruch oder werde dieser zurückgewiesen und erfolge keine Zahlung, werde vollstreckt. „Da der verantwortliche Fahrzeugführer ermittelt werden muss und Entscheidungen aufgrund der Halterhaftung in Deutschland nicht vollstreckt werden, sollte man bei der ausländischen Behörde vortragen, nicht gefahren zu sein und auch nicht zu wissen, wer gefahren ist. Entweder wird die Fahrereigenschaft nachgewiesen, oder eine Vollstreckung unterbleibt“, sagt Lenhart. Für Verkehrsverstöße im Ausland gibt es übrigens keine Punkte in Flensburg. Alle Strafen sind in Euro angegeben und ohne Gewähr.

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Quelle: F.A.Z.

Veröffentlicht: 11.07.2016 14:59 Uhr