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Brennstoffzellen : Der Traum vom Tesla der Trucker

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Brennstoff-Brüder am Badger: Trevot Milton, der Gründer von Nikola, zusammen mit Fernsehstar Heavy D Sparks. Bild: Hersteller

Nikola will mit der Brennstoffzelle die Welt der Lastwagen aufmischen. Nio steht wieder unter Spannung. Und die Börse spielt verrückt.

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          Wer sich für Autos und die Börse interessiert, dem wird seit ein paar Wochen schwindelig. Die Kurse von Tesla, Nikola und Nio heben ab wie Raketen, manche Tage sind Achterbahnfahrten. Allen ist gemein, dass sie sich von gewöhnlichen Bewertungskriterien losgelöst haben. Tesla, klar, der Elektroautohersteller mit dem größten Coolness-Faktor, den kennt man. Aber wer sind Nikola und Nio?

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Zuvor lohnt es sich, auf eine Entscheidung von Daimler zu blicken. Die Stuttgarter nämlich stellen zum Jahresende ihren Brennstoffzellen-Personenwagen ein. Nach nur zwei Jahren. Dem Mercedes-Benz GLC F-Cell werden die „weltweit geringe Anzahl an Wasserstofftankstellen, aber auch die hohen Technologiekosten“ zum Verhängnis, wie Daimler mitteilt. Was den Konzern nicht abhalten soll, „in den nächsten 20 Jahren, also bis 2039, eine komplett CO2-neutrale Pkw-Neuwagenflotte“ anzubieten. „Klar ist aber auch: Die meisten Märkte auf der Welt bieten noch nicht die Voraussetzungen für den flächendeckenden Einsatz von rein elektrisch betriebener Mobilität. Deswegen geht es für Daimler darum, das Portfolio in Balance zu halten.“ Soll heißen: elektrifizierte Verbrennungsmotoren mit 48 Volt, Plug-in-Hybride und vollelektrische Modelle.

          Dabei ist die Batterie der Brennstoffzelle bezüglich einer großvolumigen Markteinführung überlegen. Das hört man auch aus anderen Häusern wie Ford oder Volkswagen, allerorten heißt es, Brennstoffzelle und Wasserstoff hätten im Personenwagen auf mittlere Sicht keine Chance. Zu groß sei der Platzbedarf, zu dünn das Tankstellennetz, und überhaupt überfordere die Entwicklung verschiedener Antriebsarten Ingenieure und Budgets. Da sich die Politik dem Elektroauto verschrieben hat, konzentrieren sich hier die Entwicklungsarbeiten. Nur Toyota, Honda und Hyundai halten ihr tapfer die Treue und kommen auf homöopathische Zulassungszahlen für ihre Modelle Mirai, Clarity und Nexo.

          Allerdings gibt es einige, die an Wasserstoff im Nutzfahrzeug glauben und damit etwa gegen Teslas elektrische Truckerträume antreten wollen. Zum Beispiel Nikola. Dass die Amerikaner bislang nur aus Versprechen bestehen, stört den Fanclub offenbar nicht. Genauso wenig wie den von Nio, obgleich die Chinesen noch vor kurzem als Pleitekandidat gehandelt wurden und nur durch staatliche Milliardenhilfe noch leben.

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          Das chinesische Start-up Nio hat zwei Modelle im Programm, die elektrischen SUV ES 6 und ES 8. Begonnen hat Nio 2014 mit einem elektrischen Supersportwagen und großspurigen Messeständen auf chinesischen Autoshows. Produziert werden die Wagen vom Staatsunternehmen JAC. Die Autos sind relativ günstig, der siebensitzige ES 8 kostet umgerechnet rund 60 000 Euro. Ein ähnlich großes, allerdings mit mehr Reichweite gesegnetes Tesla Model X erfordert etwa 90 000 Euro. Nio probiert indes, woran der ehemalige SAP-Manager Shai Agassi mit seiner Firma Better Place gescheitert ist: An Autobahnen können leere Akkus innerhalb von Minuten automatisch gegen volle getauscht werde.

          Noch größeres Aufsehen erregt Nikola, seit durch eine Finanzkonstruktion am 4. Juni eine neue börsennotierte Gesellschaft entstanden ist. Kursschwankungen innerhalb eines Tages im zweistelligen Prozentbereich sind Normalität, die Bewertung ist höher als die von Ford oder Fiat-Chrysler, obwohl Nikola noch nichts belastbares auf die Straße gebracht hat. Aber an der Börse wird die Zukunft gehandelt. Und die soll fulminant werden. Dank Brennstoffzelle.

          Nach dem Vorbild Teslas reichen dem Unternehmen aus Phoenix ein paar Visionen und eine Handvoll prominenter Unterstützer. Aber so viel Nikola und Tesla gemeinsam haben, gibt es auch gravierende Unterschiede, und zwar nicht nur, weil Elon Musk schon zehn Jahre und eine Million Autos weiter ist als sein nicht minder twitterfreudiger und exzentrischer Counterpart Trevor Milton. Beide berufen sich auf denselben Erfinder, nur dass die einen den Vor- und die anderen den Nachnamen des 1856 in Österreich geborenen Wechselstrom-Pioniers nutzen. Und beide wollen den Verkehr mit Elektroantrieben revolutionieren und die Welt verbessern. Doch wo Tesla-Chef Musk nur an Batterien denkt, macht der 38 Jahre alte Milton den nächsten Schritt und setzt auf die Brennstoffzelle.

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