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„Boot“ 2009 : Krisen-Fest in Düsseldorf: Es geht noch was

  • -Aktualisiert am

Sport hoch drei: Dragonfly 28, trailerbarer Falt-Trimaran aus Dänemark Bild: Reissig

Schwierigere Umstände kann man sich kaum vorstellen für eine Messe des Entbehrlichen. Aber auch für den Wassersport gilt: Es gibt eine Zeit nach der Krise. Manch einer versucht sie zu ignorieren, andere lassen sich was einfallen.

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          Wer es positiv formulieren wollte, beschrieb die Stimmung vor Beginn der 40. „Boot“ mit spannend. Andere erzählten freimütig von größten Bedenken. Was, wenn der Kunde, für den die zehn- und hunderttausende Euro kostenden Schiffchen und Schiffe nach Düsseldorf gekarrt wurden, momentan einfach nicht kaufen mag oder kann? Wenn er nicht einmal zur Messe kommt? Solche Gedanken machen weiche Knie. Viele Aussteller bescheiden sich auf der Schau, die noch bis einschließlich morgen geöffnet ist, mit deutlich kleinerem Auftritt. Immerhin wurden aber in den Hallen am Rhein offiziell rund 100.000 Quadratmeter Fläche vermietet. Nach Angaben der Messe blieben 6000 Quadratmeter (gefühlt waren es einige mehr) leer, sorgfältig kaschiert durch Stellwände, großzügige Sitzlandschaften und Installationen wie jene in einer leeren Ecke der Superyachthalle: eine kleine aufgeschüttete Insel auf blauem Teppich. Auch das eine Messeneuheit.

          Aber es gibt sie weiterhin, die Inseln der Glückseligen. Der österreichische Motorboothersteller Frauscher hat für seine Luxus-Sportboote Liegeplätze aus glitzernden Glassplittern aufgeschüttet, präsentiert die offene 686 Lido in der Sonderedition Dino Feltrenelli mit Sitzen aus Echtleder, getuntem Motor und einer mit dem Gashebel gekoppelten, elektrisch verstellbaren Windschutzscheibe: Je höher die Geschwindigkeit, desto höher fährt automatisch die Scheibe. Frauscher hat verstanden: Bootssport ist irrational, herrlich überflüssig, das macht ihn so attraktiv.

          Die Österreicher arbeiten mit Elektro- und Hybridantrieben

          Die 909 Benaco wird als erstes Boot überhaupt mit dem neuen 258 kW (350 PS) starken V8-Diesel von Volkswagen Marine ausgestattet. Das sonst in Audi A8 und Q7 eingesetzte Triebwerk entwickelt ein Drehmoment von 700 Nm, lässt das Boot beim Start geradezu aus dem Wasser springen, soll aber vergleichsweise sauber und leise laufen. Dergleichen zählt immer mehr, was Frauscher ebenfalls verstanden hat. Die Österreicher arbeiten mit Elektro- und Hybridantrieben und wollen noch dieses Jahr ein Brennstoffzellenboot vorstellen. Die deutsche Bavaria-Werft, Branchenschwergewicht aus Franken, wappnet sich mit dem neuen, auffällig gestylten Motorboot Deep Blue 46 für die Zukunft.

          Mit der nur knapp sechs Meter langen Linq CQ6 zieht der hydraulische Neigekiel in den Serienbau ein

          Für 380.800 Euro öffnet der Giebelstädter Konzern relativ preisgünstig die Tür ins Premiumsegment, die 14-Meter-Yacht ist Urtyp einer im Zusammenspiel mit BMW Designworks aus Kalifornien erarbeiteten neuen Baureihe. Die bisherige, weit konservativere Linie bleibt erhalten, soll, wie auch das Programm der Segelyachten, durch moderneres, kantigeres Interieur und variantenreichere Ausstattung aufgewertet werden. Neue Segelmodelle sollen künftig vom Konstruktionsbüro Bruce Farr entworfen werden. Das ist ein tiefer Einschnitt, endet doch die lange Ära der Kooperation mit den slowenischen Designern von J&J.

          Individualisierung muss sein

          Bavaria, das seine preisgünstigen, industriell gefertigten Boote bisher nach dem Prinzip „so und nicht anders“ anbot, fügt sich jetzt der Erkenntnis: Individualisierung muss sein. Entsprechend gibt es bei vielen Werften mittlerweile Konfiguratoren, mit denen die Interessenten wie in der Autobranche Farben, Polster und Ausstattungen zu Hunderten Variationen kombinieren können, im Fall der italienischen Motoryacht Bluegame 47 sind es sogar 2500. Sie ist die Yacht zur Megayacht, ein überdimensionierter Tender von rund 14 Meter Länge, für den selbst die Garage auf einem 60-Meter-Privatschiff zu klein ist. Wohin damit also? „It follows you!“ erklärt der Verkäufer.

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