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Lufthansas erster Dreamliner : Business as unusual

Boeing 787-9 Bild: Domenic Driessen

Die Lufthansa kauft Flugzeuge von asiatischen Airlines und rüstet sie in Frankfurt um. Fliegen werden sie nach Kanada und Amerika. An diesem Freitag wird die Boeing 787-9 offiziell vorgestellt. Wir haben sie vorher schon mal angeschaut.

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          Die angeblich grenzenlose Freiheit über den Wolken ist aus dem Takt. Das liegt vor allem am Coronavirus und am von Russland angefachten Krieg in der Ukraine. Die Folgen zu managen ist eine Herkulesaufgabe. In der eigentlich penibel auf ihr Markenimage achtenden Lufthansa fallen daher ungewöhnliche Entscheidungen, zu besichtigen auf Flügen von München nach Montreal und von Frankfurt nach Toronto oder Newark.

          Holger Appel
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Auf diesen Strecken nämlich gibt es ein Novum zu erleben. Im Bestreben, möglichst schnell effizientere Flugzeuge in die Flotte zu bekommen, hat die Lufthansa vier zuvor von Philippine Airlines genutzte Langstreckenjets Airbus 350-900 an ihrer Basis in München aufgenommen. Die von 2018 an gebauten Flugzeuge waren nur sechs Monate im Einsatz - und standen seither herum.

          Anfang September landete dann die erste Boeing 787-9 in Frankfurt. Das Modell, auch unter der Bezeichnung Dreamliner bekannt, ist eines von fünf, das für Hainan Airlines gebaut, an die asiatische Gesellschaft aber nie ausgeliefert wurde. Bei der Lufthansa wird mit einem Augenzwinkern von günstig erworbenen Tageszulassungen gesprochen.

          Anfang September landete dann die erste Boeing 787-9 in Frankfurt. Bilderstrecke
          Lufthansa : Boeing 787-9

          In Frankfurt werden die Flugzeuge zunächst umgebaut, zeigen möchte die Lufthansa das ursprüngliche Design nicht. Die Frauen und Männer der Lufthansa-Technik rüsten sie, so gut es eben geht und finanziell vertretbar ist, auf das Erscheinungsbild der deutschen Fluggesellschaft um. Sechs Wochen lang nehmen die Monteure Sitze, Toiletten und Böden auseinander.

          Die im Original eher nach S-Bahn aussehenden Sitze bekommen frische Bezüge, der Boden wird mit Teppich in elegantem Dunkelblau ausgekleidet, die Trennwände werden neu bezogen (zur Vermeidung von Blasenbildung unter Vakuum), Lufthansa-Logos werden angebracht. In den Waschräumen werden die fliederfarbenen Wände durch nach europäischen Maßstäben stilvolleres Grau ersetzt, stabile Haltegriffe werden montiert.

          Das erste Flugzeug trägt die Kennung D-ABPA

          Es geht um Technik, aber auch um hiesiges Recht. Polster und Teppiche müssen die richtige Brandklasse erfüllen. Die Wasserversorgung folgt deutschem Wasserrecht. Entertainment-Angebot und Kopfhörer müssen EU-Normen entsprechen. Aus den Triebwerken wird das Öl abgelassen und durch im Konzern verwendetes Öl des Herstellers Mobil ersetzt. Jedes Bauteil im Triebwerk wird erfasst und bekommt eine hauseigene Teilenummer.

          Die ersten so auf Lufthansa getrimmten Airbusse sind schon im Einsatz, für die Boeing und ihre Piloten beginnt nach dem Umbau erst ein Trainingslauf innerhalb Deutschlands. Das erste Flugzeug trägt die Kennung D-ABPA und den Taufnamen Berlin, das zweite fliegt mit der Kennung D-ABPD und dem Taufnamen Frankfurt. Von Herbst an sollen dann die Ziele des in Frankfurt stationierten Dreamliners die kanadische Metropole Toronto oder Newark im amerikanischen Bundesstaat New Jersey sein.

          Die in der Fliegerei verpönte Hektik ist im Bestellprozess außer Kraft gesetzt, weil moderne Langstreckenjets kaum zu bekommen sind. Jedenfalls nicht rasch. Die Lufthansa wirbt mit einem Verbrauch von durchschnittlich 2,5 Litern Kerosin je Passagier und 100 Kilometern Flugstrecke. Das, so lässt das Unternehmen wissen, seien 30 Prozent weniger als bei den Vorgängermodellen. Und mit der asiatischen Liaison ist noch lange nicht Schluss. Nach dem Dreamliner ist vor dem Dreamliner - alles in allem will die Lufthansa-Gruppe mit ihren diversen Marken 32 Stück davon aufnehmen. Die folgenden 27 sollen von Anfang an ganz nach dem Geschmack der Lufthansa eingerichtet sein.

          Damit nicht genug. In allen Lufthansa-Flugzeugen steht ein frisches Kabinenlayout an, Economy, Premium-Economy, Business und First Class bekommen ein neues Erscheinungsbild. Auch das hat was von Herkules: 31.000 Sitze werden gebaut und vom Frühjahr an ausgetauscht.

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