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BMW X5 xDrive45e : Vom Kuriosum eines idealen Pendlerautos

  • -Aktualisiert am

Laut und leise unterwegs: Der Der BMW X5 45e fährt auch rein elektrisch. Bild: Hersteller

Der BMW X5 xDrive45e verspricht beim bekannt angenehmen Sechszylinder einen niedrigen Spritverbrauch. Doch das macht den Fahrer zum vielbeschäftigten Lademeister.

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          Vom Hybridsystem des BMW X5 xDrive45e profitieren besonders zwei Parteien: der Lademeister und der Hersteller. BMW verkauft die Plug-in-Version seines großen SUVs zum Preis von 77.800 Euro. Mit 340 PS des 3,0-Liter-Sechzylinders, aber ohne Hybridtechnik stellt sich der X5 rund 5000 Euro billiger. Von August an greift aber eine neue Liste, die den X5 xDrive45e zu 77.300 Euro ausweist. Zu diesem Tarif ist das fast fünf Meter in der Länge messende und mit einem Leergewicht von 2510 Kilogramm ausgewiesene SUV zwar nicht gerade nackt auf seinen dicken Rädern unterwegs, aber es bietet doch reichlich Raum für weitere Investitionen. Wir halten BMW zugute, die üppige Sonderausstattung des Testwagens sei vor allem unseren Ausprobier-Bedürfnissen geschuldet. Immerhin konnten Extras in Höhe von 24.380 Euro untergebracht werden, plus 350 Euro „Lack-Preis“ kam dieser X5 xDrive45e auf den stattlichen Betrag von 102.230 Euro.

          Zu den Vorteilen des ladbaren Hybridsystems zählen die elektrische Reichweite, das Versprechen eines niedrigen Spritverbrauchs und das gute Gefühl für den Fahrer, ohne eigene Mühe auf den bekannt angenehmen Sechszylinder vertrauen zu dürfen. Allerdings obliegt es ihm, das extern ladbare Hybridsystem zu schärfen: Er wird zum vielbeschäftigten Lademeister. Dazu gehört in den Mühen des Alltags eine fortwährende Menge von Ladevorgängen, die im günstigen Fall über Nacht während etwa sechs bis sieben Stunden an der heimischen Steckdose oder am Arbeitsplatz ablaufen können. Im subjektiven Empfinden ist das hybridgerechte Langstreckenfahren dieses BMW X5 ein ewiges Anhalten. Nur so kann das massige SUV vom Verbrauchsvorteil des unterstützenden Elektromotors profitieren. Es wird zwar im Schiebebetrieb Energie zurückgewonnen, aber diese frisst der nächste Beschleunigungsvorgang rasch wieder auf. Also muss der Hybrid-X5 immer wieder an die Steckdose, wenn sein Benzinverbrauch eingedampft werden soll.

          Denn der BMW verspricht zwar mit einer vollen Batterie eine rein elektrische Reichweite von etwa 82 Kilometern. Aber während unserer reinen E-Fahrten, zum Beispiel mit Start von Kilometer 6353 an, war der Antriebsakku (Batteriekapazität knapp 22 kWh) bei 6401 am Ende seiner Vortriebsmöglichkeiten: Mehr als 48 Kilometer waren elektrisch nicht möglich. Diese knappe Distanz offenbart eine kuriose Erkenntnis: Soll der Hybrid weiter lokal emissionsfrei und mit dem absurd unrealistischen WLTP-Verbrauch von 1,2 Litern auf 100 Kilometer fahren, dann müsste er sofort wieder an die Steckdose, und damit ist das große SUV kurioserweise das ideale Pendlerauto. Denn satt mit Strom aufgeladen, gelingt in den meisten Fällen der abgasfreie Weg zum Arbeitsplatz. Mit der rein elektrischen Reichweite des X5-Plug-in-Hybrids sind die meisten Pendlerwege hin oder zurück gut zu schaffen.

          BMW verspricht eine rein elektrische Reichweite von 82 Kilometern. Bilderstrecke
          BMW X5 xDrive45e : Vom Kuriosum eines idealen Pendlerautos

          Bei unserem Erschöpfungsversuch in der Pendlerrolle mit erlaubter Höchstgeschwindigkeit übernahm der Verbrenner alsbald geschmeidig die Geschäfte der Mobilität, also nach der Distanz von 48 Kilometern. Wird der Elektromotor mit 83 kW Leistung lediglich zur Unterstützung des sämig und kultiviert laufenden R6-Otto-Verbrenners (286 PS) und seines Drehmoments von 450 Newtonmetern herangezogen, dann bieten die Batteriekapazität und der Benzinvorrat von 69Litern nach Bordcomputer zusammen eine Reichweite von 790 Kilometern. Unser Testverbrauch lag bei 12,2 Liter Super. Das hilft dem Familienvater im Urlaub und dem Außendienstler zwischen den Kunden.

          Doch gerade diese Firmenwagennutzer sind wegen ihrer häufig wenig hybridgerechten Fahrgewohnheiten in die Kritik geraten. Sie vertrauen eher auf den Verbrennungsmotor und unterziehen sich nicht permanent der zeitraubenden Mühe des Aufladens. Nun denken Politiker daran, den Förderzuschuss für die Plug-in-Hybride wieder zu kippen. Aber das würde die Fahrer des BMW X5 xDrive45e nicht verärgern. Sie liegen mit dem Preis für ihren stolzen Wagen ohnehin über der Fördergrenze.

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