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BMW CE 04 : Konzept wird konkret

Hier kommt der Neue: Der CE 04 löst den 2013 vorgestellten C-Evolution ab, mit dem BMW zum Vorreiter der Elektromobilität wurde. Doch wurden von dem teuren Frühwerk nur etwa 8000 Stück gebaut. Bild: Hersteller

Der gerade präsentierte Elektroroller CE 04 ist verblüffend nah am 2017 enthüllten „Concept Link“. Mit einer niedrigen, langgestreckten Silhouette setzt sich der CE 04 vom Gewohnten ab.

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          Bei BMW kommt die Zukunft meist pünktlich. Zeigt die Motorradabteilung der Öffentlichkeit als Ausblick auf kommende Zeiten ein Konzeptfahrzeug – zur stimmungsvollen Umrahmung wird gern der noble Concorso d’Eleganza am Comer See genutzt –, folgt wenige Jahre später die Vorstellung des zugehörigen Serienprodukts. So geschieht es auch jetzt wieder mit dem „Concept Link“.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Verblüffend dabei ist diesmal, wie nah am 2017 enthüllten „Concept Link“ der nun präsentierte Elektroroller CE 04 geblieben ist. Meistens wird auf dem Weg von einer frei von Fesseln und Zwängen entworfenen Studie zum letztendlich auf den Markt kommenden Serienfahrzeug das Verrückte, das Futuristische weggeglättet. Nicht so in diesem Fall. Applaus dafür!

          „Wir wollten keinen typischen Standard-Scooter, sondern haben einen komplett neuen Ansatz gewählt“, sagt Edgar Heinrich, der Chefdesigner von BMW Motorrad. „Wir wollten ein emotionales Fahrzeug entwerfen, mit dem der Fahrer ein Statement abgibt.“

          Mit einer niedrigen, langgestreckten Silhouette setzt sich der CE 04 vom Gewohnten ab, so wie es schon „Concept Link“ tat. Großzügige Flächen und scharfe Kanten kennzeichnen den Bayerischen, dessen tiefliegender, flacher Energiespeicher im Unterboden für einen günstigen Schwerpunkt und ein spielerisches Handling sorgen soll. Zu den Ungewöhnlichkeiten zählt das Staufach, das nicht von oben erreichbar ist, sondern durch eine Klappe seitlich am Fahrzeug. Praktische Gesichtspunkte hatten für die Entwickler anscheinend nicht durchweg höchste Priorität: Das luftige Heck gewährt freien Blick auf Einarmschwinge, Scheibenrad, Hinterreifen, Federbein und Zahnriemenantrieb, dürfte allerdings im Regen dem Spritzwasser freie Bahn Richtung Fahrerrücken eröffnen. Vorn verzichtet BMW auf einen Windschild. Die dünne Polsterung des scheinbar schwebenden Sitzes erinnert an eine Hantelbank. Für Stop-and-go und Kurzstrecken – das ist die Bestimmung des CE 04 – wird der Komfort ausreichen.

          Mantel des Schweigens: Als Elektrofahrzeug wird der CE 04 keinen Lärm verursachen. Fahrerausstattung liefert BMW gleich mit. Bilderstrecke
          Vorgestellt : BMW CE 04

          Typische Rollerfahrer gesetzten Alters schätzen praktische Tugenden über alles, doch hat BMW offensichtlich eine hippere Kundschaft als „User“ im Blick. Der Elektroroller soll nicht nur als Fortbewegungs-, sondern auch als Kommunikationsmittel für Großstadtpendler verstanden werden. „Innovative“, noch nicht im Einzelnen genannte „Connectivity-Lösungen“ werden angekündigt. Der 10,25-Zoll-Bildschirm setzt einen Maßstab im Scooter-Markt. Was Preise und technische Daten betrifft, hält sich BMW bisher bedeckt. Lediglich zur Reichweite und zur Höchstgeschwindigkeit ließ sich Markus Schramm, Leiter von BMW Motorrad, auf Nachfrage etwas entlocken: 120 km/h, 130 Kilometer. Wir rechnen mit einer auf 11 kW/15 PS gedrosselten Version für die Führerscheinklasse A1 (bei Verbrennern bis 125 Kubik, ab 16 Jahre) sowie mit einer stärkeren Variante für Motorradführerschein-Inhaber.

          Einzelheiten will das Unternehmen im Laufe des nächsten Jahres bekanntgeben. Bis der CE 04 tatsächlich in den Handel kommt, wird wahrscheinlich das Jahr 2022 angebrochen sein. Beendet wird die Herstellung des Elektrorollers C-Evolution, mit dem BMW 2013 früh, vielleicht zu früh zur Stelle war. Dass er sich in all den Jahren nicht mehr als 8000 Mal verkaufte, lag wohl nicht zuletzt am exorbitanten Preis von rund 15 000 Euro. Vertriebsleiter Timo Resch bezeichnet ihn dennoch als Erfolg: „Wir haben viel gelernt, Rückmeldung aus dem Markt gesammelt und gezeigt, dass wir vorneweg sind.“

          Letzteres stimmt zweifellos. Das Angebot an begehrenswerten, ernstzunehmenden Elektrorollern ist nach wie vor mickrig, obwohl doch gerade diese sparsamen, platzsparenden, für den Alltag konzipierten Zweiräder sich für die Nutzung des Elektroantriebs geradezu aufdrängen. Den Münchnern kann das recht sein. Schramm macht kein Geheimnis daraus, dass dem CE 04 (C für City, E für Elektro) weitere Modelle folgen werden, die dann CE 03, CE 02 oder CE 05 heißen können: „Darunter auch neue Konzepte, die weder Scooter noch Motorrad sind. Lassen Sie sich überraschen.“

          Dabei will sich BMW auf Fahrzeuge fürs Urbane beschränken, wie Schramm hervorhob. Für elektrische Motorräder sei die Zeit noch nicht reif. „Wir arbeiten dran, wir sind vorbereitet, aber es wird vermutlich noch drei bis fünf Jahre dauern.“ Ein Gegenentwurf aus München zur Livewire von Harley-Davidson wird also so schnell nicht kommen. Hier dauert es länger mit der Zukunft.

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