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BMW Technology Office : Das Netz ist Weiß-Blau

  • -Aktualisiert am

Studienobjekte: Designworks gestaltet für BMW, nimmt aber auch Aufträge anderer Kunden an Bild: BMW

Direkt neben der Zentrale von Google arbeiten gut zwei Dutzend BMW-Mitarbeiter als eine Art ausgelagerter „Think Tank“. Mit einem Ziel: neue Technik so schnell wie möglich ins Fahrzeug zu integrieren. Ein Besuch beim BMW Technology Office.

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          In einer Welt der Vernetzung empfangen wir Informationen über alles Wichtige und weniger wichtige nahezu permanent und überall. Auch das Automobil der Zukunft soll aktiver Partner der Kommunikation werden. Beispielsweise im morgendlichen Stau. Je dichter der Verkehr wird, desto häufiger zeigen die Signalanlagen ihr Rotlicht. Neben dem Zeitverlust steigt der Kraftstoffkonsum. Doch das könnte bald ein Relikt aus der Vergangenheit sein. Das Technology Office von BMW arbeitet an einer Lösung.

          Unter dem Arbeitstitel „Smart Cars meet Smart Traffic Lights“ setzen die Entwickler im kalifornischen Mountain View (bei San Jose) auf den Datentransfer von Mobilfunknetzen mit Systemen des Verkehrsmanagements. Wichtige Informationen über Ampelphasen empfängt und verarbeitet das BMW Connected Drive-System, umgekehrt werden Fahrzeugdaten an das Verkehrsleitsystem übermittelt. Basierend auf diesen Informationen, kann der Fahrer sein Tempo an die Ampelphasen anpassen. Das berechnete Geschwindigkeitsprofil ermöglicht dem Fahrzeug die Information über eine mögliche „Grüne Welle“ mit dem Ergebnis eines deutlich reduzierten Kraftstoffverbrauchs. Gefördert mit Geldern des amerikanischen Verkehrsministeriums kooperiert die BMW-Truppe mit den Universitäten California Berkeley sowie California Riverside. Gemeinsam mit den Wissenschaftlern eruieren die BMW-Spezialisten zudem Möglichkeiten, wie Informationen aus dem Fahrzeug den innerstädtischen Verkehrfluss verbessern können.

          In Mountain View, direkt neben der Zentrale von Google und quasi in Sichtweite zu Apple und Microsoft, arbeiten gut zwei Dutzend BMW-Mitarbeiter als eine Art ausgelagerter „Think Tank“. Mit einem Ziel: neue Technik auch außerhalb der klassischen Automobilbereiche so schnell wie möglich ins Fahrzeug zu integrieren. Man identifiziert Tendenzen, analysiert und entscheidet. Sollten sie sich als nicht realisierbar erweisen, konzentrieren sich die Forscher auf ein anderes Projekt. Durch die enge Kooperation mit den Universitäten werden die BMW-Forscher täglich mit neuen Ideen konfrontiert.

          „Smart Cars meet Smart Traffic Lights”: Datentransfer von Mobilfunknetzen mit Systemen des Verkehrsmanagements
          „Smart Cars meet Smart Traffic Lights”: Datentransfer von Mobilfunknetzen mit Systemen des Verkehrsmanagements : Bild: BMW

          Entwicklung intelligenter Ladeverfahren

          So besteht mit der renommierten Stanford University seit vielen Jahren eine intensive Zusammenarbeit in den Bereichen Mechanical Engineering, Design und Computer Science. Vergleichbar mit einem Start-up-Unternehmen, entwickeln die Studenten zunächst Ideen und Lösungsvorschläge für eine von BMW vorgegebene Problemstellung. Dabei lernen die künftigen Akademiker unternehmerisches Handeln. So entstanden in der jüngeren Vergangenheit Ansätze für eine Neuinterpretation des BMW iDrive-Systems. Aktueller Projektschwerpunkt sind Smart phone-Apps für das Auto.

          Im „Technology Office“ führen die Bayern auch ihre amerikanischen Forschungsaktivitäten zum Thema Elektromobilität zusammen. Momentan beschäftigen sich die Spezialisten unter anderem mit der Entwicklung intelligenter Ladeverfahren: Laden mit regenerativer Energie durch Wind oder Sonne oder der Kommunikation mit den Energieversorgern, um die Netzauslastung zu optimieren. Ferner auch: wie man ausrangierte Energiespeicher eines E-Autos für andere Zwecke einsetzen kann.

          Produkt- und Mobilitätsdesign

          An der Peripherie von Los Angeles, in Newbury Park, modelliert die BMW-Tochtergesellschaft Designworks USA als Designbüro die mobile Zukunft. Mit einem Fokus auf Produkt- und Mobilitätsdesign sowie der Designberatung, wobei das Unternehmen rund die Hälfte seiner Aufträge von internationalen Kunden aus anderen Industriebranchen bekommt. Dieses Innovationspotential sei für alle Partner von großem Nutzen und stellt laut BMW keinen Designstil dar, sondern die Arbeitsweise von Designworks.

          Modernes Design soll Rohstoffverbrauch, Energieeffizienz und ethische Grundsätze in einem Denkansatz integrieren. „Welche Auswirkung ein Produkt auf die Umwelt hat, wird zu etwa achtzig Prozent in der frühen Produktentwicklungsphase festgelegt. Über das Design kann man von Beginn an einen großen Einfluss auf die spätere Herstellung, Verwendung und die Weiterverarbeitung eines Produktes nehmen“, sagt die Designerin Anne Farken.

          Designworks USA - Vierzig Jahre Zukunft

          Charles Pelly gründet 1972 in Malibu Designworks USA. Hyster und Otis Aufzüge sind erste Kunden, 1986 beauftragt BMW das Team erstmals für das Sitzkonzept des 850. Mit Arbeiten für Siemens, Nokia und Compaq entwickelt sich Designworks zu einer gefragten Adresse, die Zusammenarbeit mit BMW wird intensiviert. Die Münchner erwerben 1991 einen Anteil, übernehmen im Mai 1995 die restlichen Anteile am Designstudio. Drei Jahre zuvor gestalten die Designer das Exterieur des Dreier-BMW (E46) und sie beteiligen sich an BMW-internen Designwettbewerben.

          Das Interieur des aktuellen Z4, das Außendesign des BMW X1 oder das Ursprungsdesign des ersten Z4 sind ebenfalls Kreationen von Designworks. Im Jahr 2000 eröffnet man ein Studio in München, 2006 in Singapur und in diesem Sommer in Schanghai. Laurenz Schaffer führt seit Dezember 2009 die Geschäfte von Designworks, vorher leitete er das Studio in München. Von 2001 bis 2004 war der heutige Leiter BMW Group Design, Adrian van Hooydonk, Präsident der kalifornischen Gruppe. Rund 100 Personen aus 25 Nationen bieten Design- und Beratungsservice in den Bereichen Design-Strategie, Kommunikation und Forschung, Produktdesign und vieles mehr.

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