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BMW S 1000 RR : Zusammenfalten, dann geht es

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Der Kracher der vergangenen Saison Bild: Hersteller

Der Kracher der vergangenen Saison: die BMW S 1000 RR. Das erste Superbike der Marke verkaufte sich im ersten Produktionsjahr weltweit 10.200 Mal. Ulf Böhringer machte Touren mit der Rakete - abseits der Rennstrecke.

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          Sie ist nicht nur auf dem deutschen Motorradmarkt der Kracher der vergangenen Saison: die BMW S 1000 RR, erstes Superbike der Marke, verkaufte sich im ersten Produktionsjahr weltweit 10 200 Mal und nahm so auf Anhieb hinter Hondas Fireblade Platz zwei in der Weltrangliste 2010 der 1000-Kubik-Supersportmotorräder ein. Zu verdanken hat sie diesen Erfolg dem gelungenen Gesamtpaket aus üppiger Leistung, guter Fahrbarkeit und neuen Assistenzsystemen, zum Teil nur gegen Aufpreis erhältlich.

          Ungeklärt blieb bisher die Frage, ob solch ein Geschoss auch für touristische Ausfahrten auf Land-, Bundes- und Bergstraßen taugt. Trägt das 142 kW (193 PS) leistende Motorrad sein amtliches Kennzeichen möglicherweise zu Unrecht, weil es - oder eventuell auch sein Fahrer - sich im öffentlichen Straßenverkehr unwohl fühlt? Kommt im Taunus, in der Fränkischen Schweiz oder im bayerischen Voralpenland sowie auf den Autobahn-Etappen dazwischen wirklich Fahrfreude auf?

          Die Sitzposition, gekennzeichnet durch unterhalb der Gabelbrücke liegende Lenkerstummel und ziemlich hoch montierte Fußrasten, zwingt den Fahrer der S 1000 RR in eine gebückte, fast schon demütige Haltung. Das ist mehr als nur ungewohnt für einen, der ansonsten gerne aufrecht durch die Gegend tourt. Solches Fahren ist anstrengend. Ganz schlimm ist Langsamfahren in zähflüssigem Autobahn-Verkehrsbrei. Der Nacken schmerzt ob des nach hinten gereckten Kopfs, die Handgelenke schwellen an, die Beinmuskulatur verkrampft. Viel leichter fällt das Fahren, wenn mit steigender Geschwindigkeit der anströmende Wind zugleich die Handgelenke entlastet und den Oberkörper aufrichtet. Da sich dieser Effekt aber erst ab etwa 110 km/h auswirkt, sind ständige Konflikte programmiert; auf Landstraßen gilt schließlich ein 100-km/h-Limit.

          Die Sitzposition zwingt den Fahrer der S 1000 RR in eine gebückte, fast schon demütige Haltung

          Das ist bei der Konkurrenz nicht anders

          Permanente Selbstbeherrschung diktiert deshalb das Fahren eines Superbikes, das ist bei der Konkurrenz nicht anders. Rein technisch gesehen ist RR-Fahren einfach: Mit kaum 1500 Umdrehungen im großen Gang leise durch Ortschaften rollen, danach das Gas aufziehen - die 142 kW-Rakete kann auch dezent und lammfromm. Selbst in forciertem Landstraßenbetrieb ist es kaum möglich, die obere Hälfte des bis 14 000 Touren reichenden Drehzahlbands zu nutzen. Dabei fällt der Benzinkonsum gemäßigt aus; mehr als sechs Liter je 100 Kilometer sind nur bei Tempo-Orgien auf der Autobahn fällig. Dank des 17,5-Liter-Tanks scheint die Reichweite mit 250 Kilometern ausreichend, weil die Mischung aus hoher Konzentration bei zügiger Fahrt und angespannter Sitzposition ohnehin Pausen nötig macht. Die serienmäßige Restreichweiten-Angabe im Cockpit arbeitet genauso akkurat wie der Rest des Motorrads und ist deshalb eine wertvolle Hilfe.

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