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BMW R 1200 GS Adventure : Zwei Räder, kein Fahrer

  • -Aktualisiert am

Alleinfahrende BMW auf südfranzösischem Testgelände. Bild: Hersteller

BMW führt ein Motorrad vor, das autonom unterwegs ist. Auf dem „Circuit de Provence“ dreht die R 1200 GS Adventure ohne Mensch im Sattel ihre Kreise. Sogar anhalten kann sie ohne Hilfe.

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          1986 begann BMW, sein Testgelände Miramas nahe Marseille zu nutzen. Damals wurde dort die in der Endphase ihrer Entwicklung befindliche Reiseenduro R 100 GS in die Mangel genommen. Seither haben Generationen bayerischer Motorräder, sei es als Prototyp oder in Serienkonfiguration, südfranzösischen Boden unter den Rädern gehabt. Zur Zeit dreht auf der im 500 Hektar großen Areal integrierten Rennstrecke „Circuit de Provence“ ein auffällig schnelles Elektromotorrad seine Runden.

          Aber das ist nicht die einzige Merkwürdigkeit. Ein autonom fahrendes Motorrad ist auf dem abgesperrten Areal ebenfalls unterwegs. Ohne Mensch im Sattel ist die R 1200 GS Adventure in der Lage, Kreise oder Achter zu fahren. Koffer und Topcase sind mit zusätzlicher Elektronik förmlich vollgestopft. Auch Rennstreckenrunden bewältigt die Maschine, wie zu besichtigen war, als BMW jetzt einer Gruppe von Journalisten erstmals Zugang zum Testgelände gewährte. Um ohne Hilfe anhalten zu können, wurde die GS mit einem elektrisch ausfahrbaren Seitenständer ausgestattet.

          Gestartet wurde das Projekt eines autonom fahrenden Motorrads BMW zufolge 2014, im Fahrversuch befinde es sich seit zwei Jahren. Gesteuert wurde die schwere Boxer-GS bei der Vorführung von Entwicklungsingenieur Stefan Hans mit einer Fernbedienung. Das Fahrzeug sei allerdings auch in der Lage, vollkommen autonom unterwegs zu sein, sofern die nötigen Daten über die Strecke vorlägen, hieß es. Ziel der Entwicklungsarbeit sei es nicht, einen zweirädrigen Einkaufsroboter auf die Räder zu stellen, sondern die Verkehrssicherheit zu steigern, sagte Hans. Beispielsweise könnte das Motorrad dem Fahrer beim Ausweichen vor einem Hindernis mittels eines kleinen Lenkimpulses helfen oder bei Kurvenfahrt den Radius optimieren, damit stets genügend Abstand zur Mittellinie eingehalten werde. „Dabei ließe sich zum Beispiel vorgeben, dass ein wenig geübter Fahrer 25 Grad Schräglage nicht überschreiten möchte.“

          Koffer und Topcase sind mit zusätzlicher Elektronik vollgestopft.

          Bisher hinkt das Motorrad dem Personenwagen unter dem Gesichtspunkt der Assistenzsysteme weit hinterher. Das ABS oder die dynamische Traktionskontrolle fanden erst zehn beziehungsweise 20 Jahre später den Weg ins Kraftrad. Nicht anders verhält es sich mit dem adaptiven Tempomaten. Im Auto gibt es dies seit der Jahrtausendwende, erste Motorräder werden damit voraussichtlich im Modelljahr 2020 ausgestattet.

          Schräglagenabhängig gesteuertes Kurvenlicht weisen schon einige auf dem Markt befindliche Zweirad-Modelle auf, weit verbreitet ist diese Technik jedoch noch nicht. BMW zeigte bei einer abendlichen Demonstration von Prototypen mit unterschiedlichen Lichtsystemen, dass diesbezüglich einiges in Arbeit ist. „In absehbarer Zeit werden LED-Scheinwerfer sowie Kurvenlicht in allen Fahrzeugsegmenten üblich werden“, sagte Karl Viktor Schaller, Leiter der Entwicklung bei BMW Motorrad. Auch mit Laserlicht werde experimentiert.

          2,5 Millionen Kilometer legen etwa 140 Testfahrzeuge jährlich zurück, die BMW Motorrad in Miramas, aber auch anderswo systematisch bewegt. Auf der Anlage in Südfrankreich stehen ein 6,1 Kilometer langer dreispuriger Autobahnring ohne Tempolimit zur Verfügung, dazu diverse Handlingkurse, eine mit Schikanen gespickte Endurostrecke sowie bewässerte Flächen für Fahrmanöver bei Nässe. Dank des milden, frostfreien Klimas kann der Testbetrieb nahezu das gesamte Jahr laufen. Davon profitiert dann auch das geheimnisvolle, allem Anschein nach sehr sportliche Elektromotorrad, mit dem Entwicklungsleiter Schaller demonstrativ einige Runden drehte. Nähere Informationen dazu gab es jedoch nicht.

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