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BMW macht nur noch Fünfjahresverträge mit seinen Händlern : Die Unsicherheit erzwinge kurze Vertragslaufzeiten

  • -Aktualisiert am

Etwa 400 deutsche Autohändler bekommen dieser Tage lang erwartete Post von BMW. Der Inhalt: die neuen Händlerverträge, die nach der Änderung der Gruppenfreistellungsverordnung (GVO) der EU notwendig geworden sind. Die Laufzeit beträgt nur 5 Jahre.....

          Etwa 400 deutsche Autohändler bekommen dieser Tage lang erwartete Post von BMW. Der Inhalt: die neuen Händlerverträge, die nach der Änderung der Gruppenfreistellungsverordnung (GVO) der EU notwendig geworden sind. Etwa zehn Prozent der früheren Partner des Münchener Autobauers werden nicht mehr berücksichtigt. Viele andere dürften auch nicht ganz glücklich sein: Die Kontrakte sind nur auf fünf Jahre begrenzt. "Wir müssen in unserer Vertriebsorganisation auch einmal Veränderungen vornehmen können", begründet Michael Ganal, im BMW-Vorstand für den Vertrieb zuständig, diese ungewohnte Befristung in einem Gespräch mit dieser Zeitung. Denn in der neuen GVO sei nur von wichtigen Gründen die Rede, die beispielsweise das Werk berechtigten, ein Vertragsverhältnis wieder zu lösen. Das sei zuwenig konkret und könne zu langen gerichtlichen Auseinandersetzungen führen. Um dies zu vermeiden, befriste man den Vertriebsvertrag von vornherein.

          BMW-Vorstand Ganal sucht den Grund für die Schlechterstellung der Händler in der Brüsseler Verordnung, wo man unterlassen oder vermieden habe, mögliche Kündigungsgründe im einzelnen aufzuführen. Besonders für Deutschland, wo es sich um eine "reife Vertriebsorganisation" handele, könnte das alle fünf Jahre zu "höchstens fünf Prozent" neuen Partnern führen. In anderen EU-Ländern, wo BMW noch nicht so stark distribuiert ist, sei diese Quote mit ein bis zwei Prozent deutlich niedriger. Dessenungeachtet erhalten in diesem Monat alle gut 1100 BMW-Händler in Europa identische Vertragsentwürfe zugesandt.

          Starke Händler werden sicher auch mit dieser Befestigung recht gut existieren können, Probleme dürfte es bei eher kapitalschwachen Partnern geben. Denn diese Erlaubnis, offiziell neue BMW-Autos zu verkaufen, wird nicht selten auch als Kreditsicherheit herangezogen - besonders bei der Errichtung von neuen Autohäusern. Das könnte sich fatal auswirken, da der Kapitalmarkt ohnehin sehr vorsichtig geworden ist bei der Finanzierung von Autohäusern. "Bei hohen Investments sind wir zu Individualabsprachen bereit", will Ganal beruhigen. Konkret sehen die aber so aus, daß eine fünfjährige Verlängerung schon mal vorfristig ausgesprochen werden kann. Das bedeutet aber, daß der Händler seiner Bank immer noch im besten Fall einen Fünfjahresvertrag vorlegen kann.

          BMW verweist in diesem Zusammenhang gerne auf die eigene Bank - BMW Financial Services -, die natürlich die Kreditrisiken in diesem Geschäft besser abzuschätzen weiß und die - neben der Neuwagenfinanzierung - auch für Investitionen den Handelspartnern zur Verfügung steht. Sie sehen das nicht immer so gerne, weil sie damit de facto auf ein - noch dazu werkgebundenes - Institut angewiesen sein würden.

          Etwas stiefmütterlich, aber durchaus nach dem Buchstaben des Gesetzes will BMW seine künftigen Werkstattpartner behandeln: "Wir haben diese zweistufige Lösung nicht präferiert", sagt Ganal ganz eindeutig. Ende des zweiten Quartals werden die Kriterien veröffentlicht, nach denen jeder Betrieb als eine offizielle BMW-Werkstatt anerkannt werden muß; "einige hundert Werkstätten" hätten sich schon gemeldet. Diese Servicepunkte müßten "den gleichen Standards genügen wie die Vollbetriebe", unterstreicht Ganal. Ab Oktober können sie - nach einer Validierung - benannt werden. Nach der GVO ist jedes Werk oder jeder Importeur verpflichtet, eine Werkstatt anzuerkennen, wenn sie einen objektiven Anforderungskatalog erfüllt.

          Bei BMW wird wohl nicht ohne Grund befürchtet, daß deren Geschäft zu Lasten des Werkstattumsatzes der Vollhändler gehen könnte. Schließlich werfe der Service in aller Regel höhere Renditen ab als der Neuwagenhandel. Manche der Vertragswerkstätten könnten ihren Kontakt zum Kunden fürs Geschäft von grau importierten Neuwagen nutzen und auf diese Weise dem offiziellen Vertrieb zusätzliche Konkurrenz machen. Wohl auch deswegen argumentiert Ganal: "Der Kunde sollte aus einer Hand bedient werden."

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