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BMW M 760Li xDrive mit V12 : Maschinenbaustudium in Rekordzeit

BMW schickt zwölf besonders scharfe Zylinder ins Duell. Bild: Hersteller

Der M 760Li xDrive von BMW versucht beides zu einen: Luxus und Leistung. Seine souveräne Gelassenheit legt der 7er mit 610 PS auf Knopfdruck ab.

          Das konnte BMW nicht mehr länger mitansehen. Mercedes-Benz fährt Erfolg um Erfolg mit seinen S-Klassen ein und den Bayern damit schneller davon, als es ihnen lieb ist. Ausgerechnet ihnen, die vor 30 Jahren als Erste den Zwölfzylinder wiederbelebt und seither zu einem Meisterwerk deutschen Maschinenbaus weiterentwickelt haben. Und dann erlaubt sich der Konkurrent aus Stuttgart auch noch, seine Baureihe einerseits mit dem Maybach-Emblem in die Welt der Haute Couture zu heben und andererseits durch den Haustuner AMG die Fans von Fitnessstudios zu verführen. Was tun?

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Für die oberen zehntausend ist Rolls-Royce im Konzern, die schier unerträgliche Lücke in der 200.000-Euro-Klasse aber muss der 7er füllen. Das tat er einst mit zwölf Zylindern, die derart ruhig liefen, dass eine Münze auf dem Motorblock stehen konnte. Doch in der Ruhe liegt offenbar nicht mehr genug Kraft. So hat der Vorstand die Entwicklung des neuen in die Hände des betriebseigenen Teilchenbeschleunigers M gelegt. Entstanden ist der M 760Li xDrive, ein BMW, der beides zu einen versucht: Luxus und Leistung. Der Namenszusatz Performance soll darauf hindeuten, dass hier ein alltagstauglicher Leistungssportler am Werk ist.

          Seine souveräne Gelassenheit legt der 7er auf Knopfdruck ab. Bilderstrecke

          Seine souveräne Gelassenheit legt der 7er auf Knopfdruck ab. Dann wird er zum, soweit das eben geht, Sportwagen, und er macht dies mit entschlossenem Krawall. Katapultstarts mittels Launch Control und der ein Feuerwerk zündende Sportauspuff werden in der Rennserie DTM vermutet. Nicht vor der Alten Oper. Doch die Bayern hoffen, dass der Direktor nach Dienstschluss Freude an der Entfesselung findet und lustvoll selbst ins Steuer greift.

          Den 760 gibt es ausschließlich in der 5,24 Meter messenden Langversion, Hinterradlenkung soll ihm zu mehr Agilität und besserer Wendigkeit verhelfen. Die funktioniert nach den Eindrücken einer ersten Probefahrt recht gut, aber natürlich hat im Kleinhirn der Vorwärtsdrang des Motors Priorität. 1987 bot der Zwölfzylinder gerade mal 300 PS auf, von 0 auf 100 startete er in 7,4 Sekunden. Das wäre heute nicht mehr wettbewerbsfähig. Nun sind 6,6 Liter Hubraum, Doppelturbo, 610 PS, 800 Newtonmeter maximales Drehmoment schon ab 1500 Umdrehungen in der Minute und Allradantrieb am Werk, die das 2,2 Tonnen schwere Gefährt in rekordverdächtigen 3,7 Sekunden auf 100 km/h katapultieren. Auf Wunsch und in Verbindung mit einem Fahrertraining hebt BMW Grenzen auf. Dann läuft er 305 km/h schnell.

          Der 7er spielt seine ganze Gelassenheit aus

          Freilich können alle technischen Kniffe nicht verhehlen, welche Masse hier bewegt wird. Die Maschine lastet auf der Vorderachse, weshalb das Auto in forsch genommenen Kurven trotz hinterradbetonter Fahrwerksauslegung untersteuernd schiebt. Die elektronisch gesteuerte Wankstabilisierung hält die Karosserie bis 0,4 g in der Waagerechten, danach muss sie dem tollkühnen Treiben Tribut zollen und gerät in Schieflage. Die allerdings ist soweit gut beherrschbar, und der Fahrer, der für Momente zum Piloten wird, baut im Ringen gegen die Fliehkräfte nicht nur Selbstvertrauen auf, sondern auch Fremdvertrauen in die Kunst der Ingenieure und ihrer Technik. Wieder geradeaus, spielt der 7er seine ganze Gelassenheit aus, und wer je einen Zwölfzylinder bewegen durfte, der weiß um das Glück des Gourmets.

          BMW schlägt auch optisch auf die Sahne. Zum strammen Grundpreis von 166.900 Euro gesellt sich martialischer Mattlack für bis zu 6900 Euro. Wer es damit nicht so hat, wählt die Excellence-Variante, die chromgerändert etwas dezenter auftritt und einen Wunsch der chinesischen Kundschaft erfüllt, die als größte Nachfragegruppe gilt. Ob den Bayern mit dem M 760 ein Coup gelungen ist, da sind wir nicht sicher. Er ist ein Kompromiss. Ein interessanter. Aber ein Kompromiss. Womöglich ließe sich das Dilemma aufkommensneutral lösen: Man nehme den achtzylindrigen 750i fürs Business und den fulminanten M2 für die Stunden danach.

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