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BMW K 1300 S : Jetzt ist sie aber wirklich gut

  • -Aktualisiert am
Die K-Baureihe der flüssigkeitsgekühlten Reihenvierzylinder gibt es seit gut 25 Jahren
          3 Min.

          Es gibt Motorräder, die im Prinzip sehr gelungen sind, bei deren Beurteilung jedoch das relativierende Wörtchen „aber“ eine wichtige Rolle spielt. Eine Vertreterin dieser Spezies war die soeben ausrangierte BMW K 1200 S (und mit ihr die beiden Schwestermodelle K 1200 R und K 1200 GT). Alle drei konzeptionell herausragend und in vielen Praxisdetails wegweisend. Aber leider nicht so ausgewogen, so „rund“, wie echte Premiumprodukte nun mal zu sein haben. Das hat BMW mächtig geärgert, wollte man ja ursprünglich nicht nur durch Innovationen Zeichen setzen, sondern auch in Sachen Fahrbarkeit punkten. Das gelang nicht recht; vor allem eine übertrieben harte Gasannahme in Verbindung mit Lastwechselrucken sowie ärgerlich laute Schaltschläge beim Gangwechsel fanden Widerhall in den Fachzeitschriften, verstimmten die Kunden und ließen so manchen Interessenten vor einem Kauf zurückschrecken.

          So gesehen sind rund 60.000 produzierte Einheiten ein Erfolg. Aber es hätten eben mehr sein können. Doch zum Glück gibt es Modellüberarbeitungen, und die ist bei den K-Modellen von BMW besonders tiefgreifend ausgefallen. Sie ist gelungen, das ist entscheidend.

          Die Gangwechsel gehen nahezu lautlos vonstatten

          Konzeptionell, wie gesagt, stimmte schon bei der K 1200 S alles. Im März kommt die K 1300 S zu den Händlern; sie ist mit rund 140 Kubikzentimeter mehr Hubraum versehen, was ein dickes Plus an Drehmoment mit sich bringt. Noch bessere Durchzugswerte sind rar in der Motorradwelt. Es gibt auch mehr Leistung, nämlich 129 kW (175 PS), vorher waren es 123 kW (167 PS). In der Praxis erweist es sich als sehr vorteilhaft, dass fünfstellige Drehzahlen nun nicht mehr nötig (aber immer noch möglich) sind, denn der Drehmomentzuwachs vor allem bei niedrigen und mittleren Drehzahlen macht viele Schaltmanöver überflüssig. Der beeindruckende Spitzenwert: 140 Newtonmeter bei 8250 Umdrehungen je Minute. Artgerecht bewegt, verbraucht die K 1300 S um die 6,5 Liter Super Plus (oder dank der automatischen Klopfregelung unwesentlich mehr Super), was in Anbetracht der Fahrleistungen voll in Ordnung geht und fast 300 Kilometer Reichweite ermöglicht.

          Neben dem ungemein kräftigen, dabei zudem sehr kultivierten Motor imponiert jetzt, dass BMW die so oft zitierte „Fahrbarkeit“ tatsächlich bedeutend steigern konnte. Die S benimmt sich so geschliffen, als wäre dies das Selbstverständlichste der Welt: Die Gangwechsel gehen nahezu lautlos vonstatten, die Gasannahme erfolgt weich und geschmeidig. Das schon bisher hervorragende Fahrwerk hat in seinen Qualitäten noch mal zugelegt. Zumindest dann, wenn man sich für das 740 Euro Aufpreis kostende elektronische Fahrwerkeinstellsystem ESA entschieden hat. Jetzt kann sogar die Federhärte auf Knopfdruck reguliert werden, was den Einstellbereich deutlich vergrößert – ein Plus, das man schon nach kurzer Fahrt nicht mehr missen möchte. Unbegreiflich, dass sich die Konkurrenten hier nicht längst an BMW angehängt haben.

          Man muss schon lange suchen, um Kritikpunkte zu finden

          Ansonsten überzeugt dieses BMW-Modell, wie viele seinesgleichen, durch zahlreiche ausgefeilte Details. Dazu gehört, dass die Hände trotz einer um 18 Millimeter schmaleren Verkleidung bestens vor Wind und Wetter geschützt sind. Der Umstieg auf die in der Branche üblichen Einknopf-Blinkerschalter ist ein Gewinn, die Zeiten, in denen man bei BMW dafür drei Knöpfe benötigte, gehen jetzt Modellwechsel für Modellwechsel zu Ende. Die Bremsen mit perfekt regelndem ABS arbeiten exzellent. Der optionale Schaltassistent erlaubt eine ungemein schnelle, elegante Art des Hochschaltens bei stehendem Gas ohne Einsatz der Kupplung (beim Runterschalten wird die aber benötigt).

          Man muss schon lange suchen, um Kritikpunkte zu finden, die nicht den Preis – ab 15.750 Euro – zum Gegenstand haben. Erst nach Abnehmen der Sitzbank gelingt das: Das ärmliche Bordwerkzeug ist wirklich eine Schande und weder dieses Motorrads noch der Marke BMW würdig. Auch könnte vielleicht die optionale Traktionskontrolle etwas dezenter eingreifen. Das war’s auch schon. Ansonsten Fehlanzeige.

          Als K 1300 S ist die K 1200 S jetzt endlich so gut, wie sie im Grunde von Anbeginn hätte sein müssen. Als Sporttourer weist sie nun exzellente Qualitäten auf, egal ob im Solo- oder Soziusbetrieb. Egal ob auf kurvigen Bergstrecken oder schnellen Autobahnetappen. Egal ob bei sehr schneller oder gemütlicher Fahrt. Wobei letzteres aber eher schwerfällt. Da haben wir es wieder, das lästige „aber“.

          BMW ist nicht nur Boxer

          Die K-Baureihe der flüssigkeitsgekühlten Reihenvierzylinder gibt es seit gut 25 Jahren. Das sind die stärkeren Bayern-Bikes. Der Sporttourer K 1300 S setzt sich mit 129 kW (175 PS) an die Spitze der Entwicklung: stärkste und schnellste BMW aller Zeiten. Das gilt so lange, bis der neue Supersportler S 1000 RR kommt, was noch dieses Jahr der Fall sein wird.

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