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BMW i3 mit Range Extender : Schnurren für den Generator

Mit dem BMW i3 kann man die elektrische Fahrfreude entdecken Bild: Uwe Fischer

Der BMW i3 wird mit dem Range Extender zum halbwegs alltagstauglichen Auto. Mit Hilfe eines kleinen Tanks hat das E-Auto nun eine realistische Reichweite von 250 Kilometern. Auch der Kofferraum des Kleinwagens kann punkten.

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          Der BMW i3 polarisiert. Viele finden ihn schon vom Design her misslungen, meckern, er sei viel zu teuer, andere wiederum sehen in ihm den Heilsbringer, das Gutmenschen-Auto mit Nachhaltigkeitsfaktor und dem Schilfgras-Armaturenbrett.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Die Wahrheit liegt wie immer auf dem Platz oder in diesem Fall auf der Straße. Nur Ewiggestrige können behaupten, das Fortbewegen im i3 mache keinen Spaß. Leicht und locker lässt er sich pilotieren, der Antritt ist dank des 125-kW-E-Motors famos, ans starke Verzögern nach dem „Gas“-wegnehmen gewöhnt man sich schnell. Vielleicht sollte es BMW möglich machen, das Rekuperieren (die Bremsenergie wird in die Akkus geführt) stufenweise manuell zu beeinflussen, andere Hersteller bieten das an.

          Der Innenraum ist modern, und er strahlt aus, dass dies kein Auto wie jedes andere ist. In diesem Zusammenhang muss man die oft kritisierten hinten angeschlagenen Fond-Türen sehen. Dass sie nur öffnen, wenn vorn ebenfalls offen ist, mag ein Nachteil sein, er ist zu verschmerzen. Vier Personen haben gut Platz, obwohl das Auto mit einer Länge von vier Meter in die Kategorie der Kleinwagen gehört. Der Kofferraum fasst 260 Liter (VW Polo 280), nach dem Umlegen der geteilten Rückbanklehnen ergeben sich 1,50 Meter plane Ladefläche und rechnerisch 1100 Liter Volumen. Das ist ordentlich für einen Kleinwagen, und in unserem Großen Fahrbericht vom 24. Dezember 2013 waren wir schon einmal voll des Lobes für den Zukunfts-BMW, der in Leipzig gebaut wird.

          150 Kilometer sind es in der Praxis im Sommer

          „Reichweite zu gering“ war damals ein Minus, das sich bis auf den Tesla jedes E-Auto automatisch abholt. 150 Kilometer sind es in der Praxis im Sommer, das können wir bestätigen. Mit 16,6 kWh Verbrauch auf 100 Kilometer war der i3 auch sparsamer als im Dezember, obwohl er aufgrund des Reichweitenverlängerers 120 Kilo mehr wiegt. Diesen liebevoll kurz Rex (für Range Extender) getauften Zweizylinder-Motorrad-Motor mit 650 Kubikzentimeter Hubraum und 34 PS möchten wir jedem nahelegen, der sich einen i3 zulegen will. Auf weitere 4500 Euro sollte es nicht mehr ankommen.

          Raum geht nicht verloren, der Platz für den Motor, den kleinen Tank (nur 9 Liter) und den Generator ist schon in den i3 hineinkonstruiert. Generator? Ja, der i3 fährt immer mit Strom, auch wenn der Akku leer ist. Dann treibt der kleine Benziner den Generator. Wer will, kann befehlen, dass die Akkus geschont werden, dann hilft der Motor stets, allerdings muss dafür ein Viertel der Akku-Kapazität verbraucht sein.

          Verbrenner ist überraschend leise

          Der Verbrenner ist überraschend leise, man hört ihn im Innenraum kaum. Wenn er bei 120 km/h auf der Autobahn einsetzt, muss man die Ohren schon sehr spitzen, um zu registrieren, dass er läuft. Mit ihm erkauft man sich die Sicherheit, trotz leeren Akkus voranzukommen, er steigert die Reichweite auf realistische 250 Kilometer. Mit zwei Reservekanistern von je 10 Liter an Bord sind fast 500 Kilometer drin. So würden wir es jedenfalls machen, wenn so eine weite Fahrt sein müsste. Auf 100 Kilometer Autobahn mit leerem Akku und moderatem Tempo verbrauchten wir 8,1 Liter Super im Schnitt. Das ist viel und deutlich teurer, als mit Strom zu fahren. Als „Benziner“ benimmt sich der i3 im Stadtverkehr in der Regel wie ein Hybridauto, der Motor geht vor der roten Ampel aus, die ersten Meter werden nach dem Grün rein elektrisch zurückgelegt.

          Geladen sind die Akkus an der Haushaltssteckdose in acht bis neun Stunden, also kann man morgens mit vollem Saft auf die Reise gehen. Dass BMW für die Möglichkeit des Ladens mit Starkstrom 1490 Euro verlangt, ist ein starkes Stück. Ohnehin ist auch der kleine i3 eine große Aufpreisfalle. 39 450 Euro sind der Grundpreis, 51 410 Euro waren der Endpreis des Testwagens. Ganz schön teuer, oder?

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