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BMW F 700 GS : Tarnen, täuschen und ein Schnapsglas-Manöver

Leinen los, und ab geht’s: F 700 GS, die handliche Enduro von BMW, Alternative zu den dicken Pötten Bild: Wille

Die Nachfolgerin der 650er, aber eine Waschechte 800er: Mit seiner Namensgebung stiftet BMW weiter Verwirrung, die F 700 GS stellt aber manches wieder klar.

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          Der Fortschritt kommt anscheinend im Format eines Schnapsglases. 50 Kubikzentimeter Hubraum mehr als bisher - könnte man meinen. Aber wie so oft im Leben ist es mal wieder anders, als man denkt.

          Walter Wille
          Redaktion „Technik und Motor“

          F 700 GS nennt BMW die Nachfolgerin der F 650 GS. Doch: Bei der einen wie der anderen handelt es sich um waschechte 800er. Exakt 798 Kubikzentimeter Hubraum weisen ihre Zweizylindermotoren auf. Daran hat sich beim Modellwechsel nichts geändert.

          Eine Motorleistung, die nicht überfordert

          Pures Understatement der bayerischen Motoren-Werker? Nein, das muss die höhere Schule des Marketings sein. Der Name, losgelöst vom wahren Hubraum, dient wohl als Unterscheidungsmerkmal innerhalb der mittlerweile sechs Modelle starken Enduro-Familie der Münchener.

          Überfordert nicht: Die kleine F lässt sich auffallend leicht manövrieren, durch dichten Stadtverkehr dirigieren Bilderstrecke
          Überfordert nicht: Die kleine F lässt sich auffallend leicht manövrieren, durch dichten Stadtverkehr dirigieren :

          Die Familienverhältnisse sind etwas unübersichtlich: Es tummelt sich dort nämlich auch eine grundehrliche, aber schlappere, G 650 GS (652-Kubik-Einzylinder), zu der die „Siebenhunderter“ mit ihrem Reihentwin jetzt auf Distanz geht. Und außerdem eine F 800 GS, die sich von der F 700 GS bei identischem Hubraum von 798 Kubik durch mehr Leistung, ein aufgepepptes Fahrwerk, längere Federwege, Speichen- statt Gussräder sowie ein 21- statt 19-Zoll-Vorderrad unterscheidet. Die 2000 Euro teurere F 800 GS ist deutlich mehr auf Geländetauglichkeit ausgerichtet, die F 700 GS dagegen im Grunde ein Straßenmotorrad im Endurolook, das genügsamen Alltagsfahrern und nicht zuletzt Ein- und Wiedereinsteigern schmackhaft gemacht wird.

          Hier nun schwant einem, was sich die BMW-Strategen bei der Namensgebung offenbar gedacht haben. Jenseits klarer technischer Erkennungszeichen erfolgt Abgrenzung durch Gefühl. 700 statt 800 - das signalisiert dem Interessenten: halb so wild, bin gutmütig, mit mir kann man auskommen. Kann man tatsächlich. Die kleine F präsentiert auf unterhaltsame Art eine Motorleistung, die nicht überfordert, bietet dem Fahrer einen bequemen Platz mit guter Übersicht, lässt sich auffallend leicht manövrieren, durch dichten Stadtverkehr dirigieren, in Schräglage bringen, zu Kurskorrekturen animieren. Recht sparsam ist sie obendrein.

          Die Designer haben am Schnabel gefeilt

          Mit ihrer Überarbeitung ist die Maschine auf ein bemerkenswertes Niveau gehoben worden, ohne dass an der Preisschraube gedreht worden wäre. ABS der neuen Generation zählt fortan zur Serienausstattung, die Vorderradbremse wurde mit Doppel- statt Soloscheibe aufgewertet. Instrumente, Schaltereinheiten wurden modifiziert und präsentieren sich sehr übersichtlich. Dass zum Betätigen des Blinkers nicht mehr drei, sondern nur noch ein Schalter - wie in der Branche üblich - benötigt wird, ist ein kleines Geschenk, über das man sich täglich aufs Neue freut. Der (aufpreispflichtige) Hauptständer ist mit der Fußspitze nur schlecht zu erreichen.

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