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Fahrbericht BMW 740d xDrive : Bayerisches Format kennt kein kleines Karo

  • -Aktualisiert am

Von 0 auf 100 km/h in 5,2 Sekunden: Der neue Siebener. Bild: Hersteller

Ein Siebener ist immer auch ein Statement. Vor allem für den Käufer, der 120 000 Euro ausgibt. Er bekommt dafür eine fortschrittlich-konservative Limousine, die ist wie eine Pizza mit allem.

          Mit der Siebener-Reihe hatte BMW einmal beinahe zu viel gewollt. Das war 2001, mit dem Siebener unter dem internen Code E65, besser bekannt in Verbindung mit der Abkürzung „Bangle Muss Weg“, und von mehr Feind geächtet als von viel Freund geachtet. Rückblickend hat der damalige und später demissionierte BMW-Designchef Chris Bangle zugegeben, der „Siebener war wirklich heftig“, und uneinsichtig darauf verwiesen, die Marke habe oft in der Geschichte Design-Vormärsche gemacht. Das war vor dreizehn Jahren, und BMW liefert jetzt wieder das Erwartete, nämlich eines von zwei besten Oberklasse-Autos.

          Der neue 740d xDrive gehört seit kurzem zur rasch gewachsenen Familie des vor etwa einem Jahr präsentierten Siebener der sechsten Generation, kommt ausschließlich mit dem xDrive genannten Allradantrieb und einem saftigen Preis: Mit einigen Extras stellte sich der Testwagen auf 123 090 Euro, das Auto selbst kommt auf 91 800 Euro. Dafür werden die in dieser Klasse gewohnten Normalitäten wie reichlich Raum auf Rädern, penible Verarbeitung, jedweder Komfort, etwas protziges Prestige im Design, überragende Langstreckentauglichkeit und hohe dynamische sowie passive Sicherheiten geliefert.

          Sein Dieselmotor – die derzeit vielleicht beste Verbrennungskraftmaschine

          Aber das ist nicht alles. Denn der 740d ist ein Beleg für die Kern-Eigenschaften von BMW, die den Aufstieg der Marke entscheidend beeinflusst haben: Sein Diesel ist eine wunderbare, die derzeit vielleicht beste, weil angenehmste Verbrennungskraftmaschine, ein Motor, wie geschaffen als Gegenargument für die angebliche Endzeithaftigkeit dieser Aggregate. Zum Zweiten ist BMW mit seiner ausgeprägten Zukunftsgläubigkeit und der Forcierung jedweden elektronischen Fortschritts schon immer einen kleinen Schritt über den Absprungbalken hinausgeraten. Da wird immer etwas mehr eingeschenkt als zum königlichen Fahren benötigt, und das ist unser Hauptthema im Umgang mit diesem Wagen, der ein wenig wirkt wie aus einer weniger lauten Vergangenheit. Aber daran ist der freche Frieder beteiligt.

          Der Frieder ist der jüngste Sohn vom Basti, und das ist der Bauer mit den größten Kartoffeln weit und breit. Diese verkaufen sich so gut, dass es für drei BMW auf dem Hof reicht. Den M50d mit drei Turboladern bewegt der Basti mit Anhänger zum Ballonfahren, den X6M fährt die Mami zum Einkaufen, und das Auto der Schwester ist ein netter X3. Diese automobile Umgebung hat den Frieder geprägt. Eine Limousine, das ist für ihn ein altes Auto, die Zukunft gehört dem Suff, sagt er und meint nicht die Abhängigkeit von alkoholhaltigen Getränken. In der Tat setzen die SUV wegen ihrer vielfältigeren Begabung auch bei BMW den Limousinen, Coupés und Sportwagen zu. Mit der Folge, dass diese auf dem Rückzug sind und der Frieder sie mit Spottgesängen abstraft. Aber im 740d xDrive kommen die guten Reste der Limousinen-Eigenschaften in hohem Maße zur Geltung.

          Herrenzimmer-Akzente

          Für den BMW-Freund balanciert das Design erfolgreich am Rand der Verträglichkeit. Denn der Siebener ist ein zwar fettes, aber nicht verfettetes Auto. Ihm ist jene Harmonie zu eigen, die auch für einen strafferen Braumeister gilt. Format kommt eben nicht im Kleinkarierten. Oberklasse als Botschaft muss sichtbar sein. Ein guter Muskel ist schöner als eine dünne Wade. Diese Art der geplanten Üppigkeit setzt sich im Innenraum fort, etwas Überdruss kann dort aufkommen, niemand ernährt sich nur von Foie gras. Schmeichelndes Stepp-Leder, dunkler Edel-Kunststoff und etliche Metallapplikationen setzen Herrenzimmer-Akzente, aber mit fein konturierten Instrumenten und Schriften, einfach, ja doch, sehr lecker alles.

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