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Biobenzin E10 : Widersinnig, teuer und unvernünftig!

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Was passiert, wenn ein E-10-ungeeignetes Fahrzeug damit betankt wird? „Durch den höheren Bioethanolanteil können alle Kraftstoff führenden Teile des Fahrzeugs beeinträchtigt werden“, erläutert Hans-Ulrich Sander, Sachverständiger beim TÜV Rheinland. „Besonders Bauteile aus Aluminium können bereits nach einmaligem Tanken in Mitleidenschaft gezogen werden, wobei die Schäden fortschreitend sind.“ Der ZDK warnt: „Wegen der korrosiven Wirkung von Bioethanol muss an Ventilen und Ventilsitzringen mit erhöhtem Verschleiß gerechnet werden. Reines Bioethanol kann aus Gummi und Kunststoffen, zum Beispiel PVC, die Weichmacher herauslösen, wodurch die betreffenden Bauteile undicht und spröde werden. Wer versehentlich E 10 getankt hat, sollte auf keinen Fall losfahren, sondern umgehend den Tank auspumpen lassen.“

Welche Personenwagenmodelle vertragen E 10? Die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) hat eine Positiv- und Negativliste von Typen ins Internet gestellt. Die Bandbreite ist groß: Während beispielsweise Volvo alle Modelle seit Baujahr 1976 (außer S 40/V 40 mit Direkteinspritzmotoren) für den E-10-Betrieb freigibt, tut Alfa Romeo dies erst von Baujahr 2008 an. Für etliche Marken, wie Citroën, Fiat, Lancia, Peugeot oder Nissan, markiert das Jahr 2000 die Verträglichkeitsgrenze, während diese für die meisten japanischen Hersteller zwischen 1990 (Suzuki) und 1998 (Toyota) liegt. BMW gibt keinerlei Baujahrbegrenzung an. Ford und Opel auch nicht, sie klammern jedoch einige jüngere Modelle mit Direkteinspritzern der ersten Generation aus. Diese fallen auch bei Audi und Mercedes-Benz durch das Tauglichkeitsnetz, ebenso wie die zwischen 2001 und 2006 produzierten FSI-Modelle von Volkswagen.

Theoretisch müsste E 10 billiger verkauft werden

Was wird der neue Biokraftstoff kosten? Theoretisch müsste E 10 billiger verkauft werden als die bisherigen Sorten, weil die Autofahrer ja zum Umsteigen auf den politisch korrekten Kraftstoff animiert werden sollen. Wegen der hohen Umrüstungskosten in Raffinerien und Tankstellen erscheint diese Annahme allerdings realitätsfremd. Vermutlich werden das klassische Superbenzin (es könnte künftig E 5 heißen) und das neue E 10 eine Zeitlang zum gleichen Preis angeboten, bis sich die Abnahmemengen von E 5 deutlich reduziert haben. Das könnte dann in einigen Jahren möglicherweise nur noch als Super Plus zu entsprechend hohem Preis verkauft werden.

Wie lange gibt es noch die bisherige Sorte E 5? Laut EU-Richtlinie nur noch bis 2013, was Markus Ferber, Verkehrsexperte und Vorsitzender der CSU-Gruppe im Europäischen Parlament, heftig kritisiert: „Wenn Millionen von Personenwagen in Deutschland den neuen Sprit nicht vertragen, beweist das die Realitätsferne der Entscheider. Die Verfügbarkeit der bisherigen Kraftstoffsorten muss deshalb über 2013 hinaus ausgedehnt werden.“ Bundesumweltminister Norbert Röttgen hat inzwischen laut ADAC versichert, dass es E 5 in Deutschland unbefristet weiter geben werde.

Wie wird sich der Markt für E-10-untaugliche Gebrauchtwagen entwickeln? Die Frage stellten wir den zwei führenden Marktbeobachtern. Die DAT antwortete gar nicht, Eurotax Schwacke nichtssagend: „Wir können hierzu momentan keine Aussage treffen.“ Dabei hätte ein Blick auf den Wertverlust jener Dieselmodelle genügt, die wegen roter oder gelber Feinstaubplakette aus den Umweltzonen verbannt werden. Ähnlich dürften auch die Restwerte der nicht E-10-konformen Modelle fallen, falls tatsächlich 2013 kein E 5 mehr aus den Zapfpistolen fließt. Legt man einen durchschnittlichen Wertverlust von 1000 Euro je Fahrzeug zugrunde, summiert sich allein dadurch der volkswirtschaftliche Schaden auf mehr als drei Milliarden Euro. Die Rechnung für den technisch, ökonomisch und ökologisch fragwürdigen Biosprit bezahlt der Autofahrer somit gleich zweimal: erst an der Tankstelle, und dann beim Verkauf seines Wagens.

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