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Billigautos : Autobauer sehen wenig Marktchancen

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Ganz und gar ein Volkswagen: Der Fox aus Brasilien Bild:

Renault startet im Billigsegment des Automobils. Das 1999 übernommene Dacia-Werk im rumänischen Pisteste produziert seit kurzem das Modell Logan, der zwischen 5000 und 8000 Euro kosten soll. Doch die Idee eines Autos für alle ist nicht neu.

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          Renault startet im Billigsegment des Automobils. Das 1999 übernommene Dacia-Werk im rumänischen Pisteste produziert seit kurzem das Modell Logan, ein Wagen, der auf der um 15 Zentimeter verlängerten B-Plattform von Renault basiert (Modus, Clio) und für die östlichen Märkte bestimmt ist (siehe auch nebenstehenden Artikel).

          5000 Euro soll er im Osten kosten, in anderen Ländern wird er mit einer besseren Sicherheitsausstattung für etwa 8000 Euro zu haben sein. Der günstige Preis rührt unter anderem von der Gleichteilestrategie her, Motoren, Lenkung und Bremsanlage stammen vom aktuellen Renault Clio. Der Logan soll ein "Weltauto" werden, das nicht nur in Rumänien, sondern auch in China, Rußland, Marokko, Kolumbien und im Iran gefertigt wird.

          Die Idee eines Autos für alle ist aber nicht neu. Fiat hat mit dem Palio höchst wechselhafte Erfahrungen gemacht, und die meisten Hersteller betrachten den Markt für Billigautos eher skeptisch: "Die Kunst des Autobauens liegt in der Kleinwagenentwicklung", sagt GM-Europe-Vize Carl-Peter Forster. 50000 bis 80000 Einheiten stellen nach seinen Überlegungen das minimale Absatzvolumen für eine solche Entwicklung dar. Opel habe keinerlei Pläne für ein "abgespecktes" Modell aus der Corsa- oder Astra-Serie. Ford lehnt den Einstieg ins Niedrigpreissegment ebenso ab.

          Bei VW weht der Wind aus anderer Richtung, aus südwestlicher, um genau zu sein. In Brasilien produziert der Konzern den Kompaktwagen Fox, ein Derivat des Polo-Vorgängers. Er kostet dort umgerechnet 7500 Euro, nach Europa kommt der Kleinwagen nächstes Jahr, er wird weniger als 10000 Euro kosten. Der Fox sei aber keineswegs eine Reaktion auf den Logan, heißt es in Wolfsburg. Es soll für Volkswagen (wohlgemerkt, der Logan ist ein Dacia) das günstige Einsteigermodell mit der gesamten Kernkompetenz des Autobauers sein.

          Die Volkswagen-Tochtermarke Skoda, in deren Portfolio am ehesten ein Billigangebot Platz fände, sieht keinen Spielraum für eine Ausweitung des Angebots nach unten. Die Tschechen sind ohnehin eher bemüht, nicht mit dieser Klasse in Verbindung gebracht zu werden: Skoda baue qualitativ hochwertige, preiswürdige und solide Autos. Ein Billigauto sei im Augenblick selbst im Heimatland Tschechien kein adäquater Fortschritt für die Entwicklung der Marke, verlautet es aus der deutschen Zentrale in Weiterstadt bei Darmstadt.

          Die Premium-Anbieter Audi, BMW und Mercedes-Benz sehen es gar als gefährlich an, sich unter Aufgabe des selbstdefinierten Premium-Anspruchs ins Unterhaus der Preise zu begeben. Die deutschen Hersteller haben sich mit hoher Kontinuität und erheblichem Entwicklungsaufwand einen hervorragenden Ruf in der Welt erarbeitet, der könne nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden, um einem Versuch des Wettbewerbs über Angebote mit Einfachstautos neue Märkte zu erschließen, sagt man mehr oder weniger einmütig.

          Selbst Fiat, traditionell die europäische Marke mit dem besten Gefühl für preissensible Märkte und deren dennoch vorhandenen Anspruch auf Mobilität, zeigt wenig Begeisterung, dem Weg von Renault zu folgen. Fiat-Chef Herbert Demel verweist auf das günstige Angebot Seicento, für Weiteres sei kein Platz. Die Zweifel am Erfolg eines 5000-Euro-Autos macht Demel vor allem an den gesetzlichen Vorgaben fest, die in den nächsten Jahren für eine weitere Steigerung des Entwicklungsaufwandes sorgen werden. Diesen sei auch die vor wenigen Jahren mit großen Hoffnungen vorgestellte Studie "Ecobasic" zum Opfer gefallen. Der Kleinwagen mit einem kunststoffbeplankten Aufbau sollte in modularer Bauweise entstehen und höchstens 5000 Euro kosten.

          Allein das Erfüllen von Euro 4 oder gar Euro 5 ist ein riesiger Kostenfaktor. Es sei denn, die teure Abgastechnik von technisch aktuellen Fahrzeugen wird den Einfachwagen gleichermaßen unter die Haube gepflanzt. Den Preis hierfür können die Hersteller jedoch nicht weitergeben, wenn sie sich auf unterstem finanziellen Niveau bewegen wollen. Was wiederum hieße, daß die Kunden im Westen den vollen Preis einschließlich der Entwicklungskosten tragen müßten und sie somit die Produkte für die Käufer im Osten subventionierten. Das wird sich nicht durchsetzen lassen.

          Bei den japanischen Marken gibt es zwar Überlegungen, im Billigsegment ein Angebot zu schaffen, Europa bleibt bei diesen Gedanken jedoch sorgsam ausgespart. Hiroyuki Ikedo, Europa-Chef bei Subaru, sieht zur Zeit in der Alten Welt keinerlei Bedarf für Billigautos, und Jens Becker, Deutschland-Geschäftsführer der Marke, ergänzt, daß auch preisorientierte Kunden einen gewissen Komfort schätzen. "Wer will heute schon noch eine Fensterkurbel bedienen?" fragt er.

          Und Toyota will nichts davon hören, daß man in Tschechien in Kooperation mit Peugeot-Citroen vom nächsten Jahr an ein Billigprodukt produziere. Der Kleinwagen knapp unterhalb der Golf-Klasse werde den Sicherheitsstandard und das Abgasverhalten aller anderen Toyotas erfüllen, sagt Toyota-Sprecher Dietrich Hartmann. Vermutlich wird der Wagen dennoch für nur knapp 10000 Euro zu haben sein.

          Auch die koreanischen Marken haben keine aktuellen Pläne. Momentan haben sie mit kompakten Kleinwagen vom Schlage eines Getz (Hyundai), Piccanto (Kia) oder Matiz (Daewoo) mit die preiswertesten Neuwagen auf dem deutschen Markt. Den billigsten hat aber immer noch Fiat: 6950 Euro kostet der Seicento, da kann selbst Lada nicht mithalten. Bei Daewoo stammen die Autos für Westeuropa ausschließlich aus Korea. Osteuropa wird aus der Fertigung in der Ukraine und Rumänien bedient, es sind zumeist Vorgängermodelle heutiger Serien. Der noch auf dem Opel Kadett basierende Nexia etwa soll die Menschen im Osten mobil machen, auch der Lanos wird als günstiges Angebot dort vermarktet. Aber, so betont Daewoo-Sprecher Hans-Peter Rieser, die auf den wichtigen Volumenmärkten angebotenen Modelle werden in keiner ausstattungserleichterten Version in die östlichen Entwicklungsmärkte exportiert. Daewoo baue vollausgestattete Automobile, biete sie eben nur zu besonders günstigen Preisen an.

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