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Auto China 2016 : Der Kunde ist ein größerer König

5,06 Meter lang: Die E-Klasse schwingt sich für China zur neuer Größe auf. Das Interesse der Presse war riesig. Bild: FAZ

In China werden gut 20 Millionen Neuwagen im Jahr verkauft. Auf dem größten und wichtigsten Markt der Welt geben sich alle Hersteller besondere Mühe. Sind die Autos zu klein, werden sie eben verlängert.

          China ist ein Land, das einem Angst machen kann. Weit mehr als eine Milliarde Bewohner, Städte, die überquellen vor Menschen und Verkehr, Bilder vom smoggeplagten Peking, die jeder kennt. Dennoch ist ein eigenes Auto für fast jeden Chinesen eines seiner ersten Ziele. In Deutschland und Europa war das nach dem Krieg nicht anders. Der Neuwagenmarkt des Riesenreichs ist erst seit 15, 20 Jahren so richtig ins Rollen gekommen, mit gut 20 Millionen Neuwagen im Jahr 2015 wurde abermals ein Rekord aufgestellt. Noch legt der Markt jedes Jahr zu. Für 2016 wird ein Wachstum von sechs Prozent erwartet, was dann 21,3 Millionen Neuwagen bedeuten würde.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Trotz dieser Zahl und aller verstopften Städte – die Autodichte je Haushalt ist in China noch immer niedrig. In Deutschland liegt sie bei 105 Autos je 100 Haushalten, in China bei 31. Noch krasser ist das Verhältnis, wenn man das Auto in Relation zur Einwohnerzahl setzt. Auf 1000 Deutsche kommen 560 Autos, auf 1000 Chinesen nur 70. Das verbleibende Potential zwingt praktisch alle Hersteller zu besonderen Anstrengungen. Diesen Markt kann und will man einfach nicht links liegenlassen.

          4,56 Meter: Der lange BMW X1 bleibt da eher bescheiden.

          Noch bis Mittwoch dauert die „Auto China 2016“ in Peking, eine Messe, die doppelt so groß wie der Genfer Automobilsalon ist, aber immer noch überschaubar. Aus deutscher Sicht hat man nach einem Messetag so ein wenig das Gefühl, für den Kunden in China werde noch mehr getan als für den zu Hause oder im Rest der Welt. Der Chinese mag nämlich große oder besser lange Autos.

          Es muss viel Platz sein, auch im Fond. Zum einen, weil vor allem große Limousinen immer noch (auch) Chauffeur-Autos sind, zum anderen, weil sich die Familie im Fond (Kinder, aber auch Großeltern) einfach wohl fühlen soll. Daher werden auch kompakte Limousinen in China einfach gestreckt. Zum Beispiel die Mercedes-Benz-C-Klasse. Sie hat eigens für China acht Zentimeter mehr Radstand und ist insgesamt sieben Zentimeter länger.

          Nur Jointventures möglich

          In Peking feiert Mercedes-Benz mit viel Brimborium die Premiere der neuen E-Klasse in der Langversion. Es werden gleich 14 Zentimeter draufgelegt, und der Fond wird auch noch besonders üppig ausgestattet. 5,06 Meter ist jetzt das neue Maß. Schon bisher verkaufte Mercedes-Benz in China ausschließlich Langversionen der E- und C-Klasse (Ausnahme sind die AMG-Modelle), was natürlich auch für die S-Klasse gilt. Die ist als L 5,25 Meter lang. Insbesondere die Maybach-S-Klasse hat einen großen Kundenkreis. 500 Einheiten gehen im Monat weg, also 6000 im Jahr.

          5,11 Meter: Auch Jaguar lässt sich nicht lumpen und liftet den XF.

          Wie für die meisten Hersteller ist auch für Mercedes-Benz China inzwischen der größte Markt. 2015 wurden 30 Prozent mehr Neuwagen verkauft als 2014, insgesamt waren es 363.000, darunter rund 60.000 E-Klassen (in Deutschland kam die E-Klasse 2015 auf gut 36.000 Einheiten). Dieses Jahr will Mercedes-Benz auf mehr als 400.000 Autos kommen, wenngleich Daimler-Chef Dieter Zetsche es traditionell vermied, in Peking ein konkretes Absatzziel zu nennen. Aber man hat im März zum 37. Mal in Folge mehr verkauft als im Vormonat. Wie bedeutsam der Markt ist, zeigt auch die Eröffnung eines „Mercedes-Me“ Stores in Peking am Wochenende vor Messebeginn. Es ist der sechste Me-Store in der Welt, selbstverständlich der größte, und es soll wie in Hamburg, Mailand oder Tokio um das Erleben und Kennenlernen der Marken Mercedes-Benz, Smart, AMG gehen. Autos stehen mehr im Hintergrund. Die Flächen für das hippe Restaurant, das Café und die Bar sind deutlich größer als die Stellflächen für Autos. Für Probefahrten stehen 15 Wagen im Keller.

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