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100 Jahre Bentley : B happy

Damals und heute: Ein Bentley Continental R aus den frühen 1950er Jahren und ein Bentley Continental GT von heute. Bild: Hersteller

Seit 100 Jahren tüftelt Bentley an noblen Automobilen. Die Ehe mit Rolls-Royce ist längst Geschichte. Wohin steuert die Marke jetzt?

          Wahre automobile Luxusmarken gibt es nur zwei auf dieser Welt: Rolls-Royce und Bentley. Beide haben eine gemeinsame Vergangenheit, leben heute getrennt und gehören deutschen Konzernen: Rolls-Royce fährt unter dem Dach von BMW, Bentley gehört Volkswagen. Während Rolls-Royce 115 Jahre alt ist, feierte Bentley in Crewe im Werk ein großes Fest zum 100. Geburtstag mit den 4200 Mitarbeitern und deren Familien. Kurz zuvor hatte Bentley aber schon an die Zeit gedacht, wenn die Marke 116 Jahre alt sein wird: Mit viel Tamtam wurde in einer eigens dafür umgebauten Halle die Studie Bentley Exp 100 GT enthüllt. Das sei ein Blick voraus in das Jahr 2035, sagte Bentley-Chef Adrian Hallmark und suche Antworten auf drei Fragen: Was ist die Zukunft des Luxus? Was ist die Zukunft der Luxusmobilität? Was ist die Zukunft von Bentley?

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Die Entwickler von Bentley glauben, der Kunde suche nicht mehr nur ein Produkt, sondern eine einzigartige, bereichernde Erfahrung. Aber nach wie vor gehe es auch ums außergewöhnliche Reisen, und dafür stehe diese Studie. Demnach zählt Größe wohl auch im Jahr 2035. Die Studie ist ein riesiges, zweitüriges Coupé mit fließenden Linien und nach oben öffnenden Türen. Über das Design lässt sich wie immer streiten, es hat einen ordentlichen Retro-Touch. Im Innenraum wird verschwenderisch mit Platz umgegangen, edle Hölzer dominieren, alles ist licht, natürlich organisch und nachhaltig. Kein Baum musste gefällt werden, es wurde einfach 5000 Jahre altes, verrottetes Holz aus den britischen Mooren gesammelt und mit Kupfer veredelt. Die Karosserie ist aus Aluminium.

          Angetrieben wird der Bentley-Futur von vier Elektromotoren, die eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 2,5 Sekunden und eine Spitzengeschwindigkeit von 300 km/h möglich machen sollen. Bis 2035 sei die Batterie-Technik so weit entwickelt, dass eine Reichweite von mehr als 700 Kilometer zu erzielen sei. Zudem seien die Akkus in 15 Minuten zu 80 Prozent geladen. Außerdem, sagt Adrian Hallmark, sehe Bentley durchaus die Möglichkeit, Batterien mit Brennstoffzellen zu kombinieren. Das wäre dann die Hybrid-Variante des Zukunftsmodells. Trotz der schweren Batterien soll die Studie nur 1,9 Tonnen wiegen.

          Der älteste Bentley, der noch existiert, ein Exp 2. Bilderstrecke

          Ob ein Bentley-Coupé im Jahr 2035 stattliche 5,80 Meter lang und fast 2,50 Meter breit sein muss, sei dahingestellt. Auf jeden Fall hat der Geburtstags-Bentley noch eine Art Lenkrad, und er ist auch immer noch zum Selbstfahren gedacht. Digitale Spielereien gibt es zuhauf, unter anderem die Möglichkeit, seine persönliche Konfiguration für die Ambiente-Beleuchtung oder die Soundanlage in andere Bentleys mitzunehmen. Denkt da schon jemand an Luxus-Car-Sharing?

          Gleichzeitig kann man aber darauf wetten, dass ein Bentley-Coupé im Jahr 2035 eben nicht so aussehen wird wie diese Studie. Nicht nur, weil die Scherentüren, die offen drei Meter in die Höhe ragen, ziemlich unpraktisch sind. Blicken wir 16 Jahre zurück: Ein Bentley Continental Coupé von 2003 unterscheidet sich gar nicht so stark von einem neuen aus dem Jahr 2019. Bislang ist Bentley eher behutsam durch die 100 Jahre gegangen. Das muss allerdings nicht so bleiben.

          Gegründet wurde Bentley 1919 von Walter Owen Bentley, der seine Vornamen meist mit W.O. abkürzte. Bentley wurde 1888 in London geboren, er machte eine technische Lehre bei der Eisenbahn und baute im Ersten Weltkrieg mit einigem Erfolg Sternmotoren für Flugzeuge. Dann gründete er eine eigene Firma, um Autos zu bauen. Die ersten Bentleys werden aber erst 1921 ausgeliefert. Sie kommen aus dem Werk Cricklewood im Nordwesten Londons. Vom ersten Modell, dem Bentley-3-Liter, werden 1622 Stück gebaut. Für 80 PS müssen rund 1400 Pfund bezahlt werden. Der nächste Bentley hat dann schon 6,5 Liter Hubraum und sechs statt vier Zylinder, dazu 160 PS. Schnell werden die schweren Bentleys, die Ettore Bugatti einst als die „schnellsten Lastwagen der Welt“ verspottete, als Rennwagen beliebt, als Spielzeug reicher, junger Männer, den Bentley-Boys. Als 1931 dem Unternehmen das Geld ausgeht, übernimmt Rolls-Royce die junge Marke.

          Alles wäre anders gekommen, hätte Flugzeugmotorenhersteller Napier, wie von jedem erwartet, 1931 den Zuschlag vor dem Konkursgericht bekommen. Knapp 105 000 Pfund waren schon als Kaufpreis ausgehandelt, als plötzlich ein Strohmann auftauchte und mehr Geld bot. Das war unüblich, doch nicht illegal. Die schließlich gezahlten 125 256 Pfund kamen von Rolls-Royce. Napier ging leer aus.

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