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Bentley-Chef im Interview : Wohin steuert die Luxusmarke?

Grün ist die Hoffnung: Adrian Hallmark mit Dienstwagen Bild: Bentley

Bentley hat miserable Zahlen abgeliefert. Das soll sich ändern. Ein Gespräch über Takte, Chauffeure und Elektriker mit Adrian Hallmark, der die britische Luxusmarke seit gut einem Jahr leitet.

          Bentley hat miserable Zahlen abgeliefert. Die Muttergesellschaft Volkswagen fordert eine rasche Reaktion. In Crewe wird alles daran gesetzt, das Ruder herumzureißen. Ein Gespräch über Takte, Chauffeure und Elektriker mit Adrian Hallmark, der die britische Luxusmarke seit gut einem Jahr leitet.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          2018 war offenbar ein rabenschwarzes Jahr für Bentley. Was läuft schief?

          Das vergangene Jahr kam wie ein Sturm über uns. Wir waren schlecht auf die neuen WLTP-Regeln vorbereitet, die Umstellung der Produktion auf schlankere Prozesse und die Entwicklung der neuen Modelle Continental GT und auch Flying Spur nahmen viel Zeit in Anspruch. Mit beiden Autos konnten wir den Zeitplan nicht halten, wir hatten neun Monate Verspätung mit unserem Modell Continental. Beim Flying Spur, der im Frühjahr 2020 auf den Markt kommt und in wenigen Tagen, am 11. Juni, der Öffentlichkeit vorgestellt wird, war es ein ganzes Jahr. Kurz: 2018 war furchtbar.

          Also auch finanziell. Wie furchtbar?

          Leider hat sich bis zum Jahresende ein Minus von 288 Millionen Euro angehäuft, was aber auch daran liegt, das Entwicklungskosten für uns bei den relativ kleinen Stückzahlen in solchen Jahren viel mehr ins Gewicht fallen. Seit Bentley von Rolls-Royce getrennt ist, haben wir in 15 Jahren nur dreimal ein Minus gemacht, das muss auch mal gesagt werden.

          Stimmte wenigstens der Absatz an Fahrzeugen?

          Der war sogar erstaunlich gut, obwohl wir wegen WLTP (den neuen Regeln zur Verbrauchsmessung, die Redaktion) zum Teil gar nicht liefern konnten. Unsere wichtigsten Märkte, die Vereinigten Staaten und China, sind beinahe komplett ausgefallen.

          Haben Sie die genauen Absatzzahlen?

          Es waren 10.494 Fahrzeuge in 2018, an sich ein guter Wert. Wir liegen das sechste Jahr in Folge über 10.000 Einheiten. Die teilen sich auf in 4323 Bentayga, 3336 Continental, 2316 Flying Spur und 519 Mulsanne.

          Wie läuft das SUV Bentayga?

          Die Zahlen sprechen für sich, oder? Den Diesel haben wir übrigens aus dem Programm genommen, nicht nur wegen WLTP, sondern auch, weil der Kunde ihn aufgrund der allgemeinen Verunsicherung kaum noch bestellt hat. Dabei ist das ein toller Motor, dieser einzigartige Diesel-Bentley wird einmal ein gesuchtes Sammlerauto werden.

          Wie kommen sie aus dem Tal heraus, was erwarten Sie 2019?

          Zunächst einmal eine finanzielle Konsolidierung. Wir haben die Produktionsprozesse komplett neu organisiert und viel effizienter gestaltet, die Taktzeiten wurden von 12 Minuten auf gut 9 Minuten verkürzt, die Produktivität ist um gut ein Viertel gestiegen und das bei halb so vielen Fehlern. Dafür sorgt unser neuer Vorstand für Produktion, Peter Bosch, der vorher die Produktion des VW Tiguan geleitet hat und das Fachwissen aus der Großserie, dort, wo es möglich ist, gewinnbringend umsetzt. Erste Erfolge zeigen sich schon. Wir haben im ersten Quartal 2019 einen Gewinn von 49 Millionen Euro verzeichnet.

          Und was ist mit dem Absatz?

          Zunächst einmal noch ein paar Worte zu 2019. Das ist nicht irgendein Jahr, sondern das Jahr, in dem Bentley 100 Jahre alt wird. Das gilt es gebührend zu feiern. Am 10. Juli werden wir ein Fest ausrichten und gleichzeitig unsere Vision für Bentleys Zukunft vorstellen. Später im Sommer wird es bei Blenheim Palace das größte Bentley-Treffen aller Zeiten geben. Wir erwarten weit mehr als 1000 Fahrzeuge. Auch in Pebble Beach in Kalifornien im August haben wir einen großen Auftritt. Und zu ihrer Frage: Verkaufen werden wir 2019 hoffentlich 11.500 oder vielleicht sogar 12.000 Fahrzeuge. Das mittelfristige Ziel sind 15.000 Bentley jährlich.

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