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Bentley-Chef im Interview : Wohin steuert die Luxusmarke?

Blicken wir in die nahe Zukunft. Womit überrascht uns Bentley in den nächsten fünf bis sechs Jahren?

Dass wir noch dieses Jahr den Bentayga elektrifizieren, ist kein Geheimnis mehr. Als Plug-in-Hybrid mit einem V6-Motor, der mit einem Elektromotor kombiniert ist, wird er eine rein elektrische Reichweite von genormten 52 Kilometern haben. Wir lassen zurzeit Kunden, die wir vertraglich zu Testfahrern gemacht haben, Prototypen in ihrem Alltag benutzen, und wir lernen, dass erstaunliche zwei Drittel der gefahrenen Zeit und 49 Prozent der gefahrenen Strecke elektrisch erledigt werden.

Und die anderen Bentley?

Bis 2023 wollen wir jedes unserer Fahrzeuge als Plug-in-Hybrid anbieten. Besonders beim Continental GT Convertible ist das eine große Herausforderung, weil das Verdeck im Kofferraum Platz einnimmt. Wir glauben, dass dann in Zukunft rund 15 Prozent unserer verkauften Einheiten Plug-in-Hybride sein werden.

Kommt auch ein reines Elektroauto?

Auch daran arbeiten wir selbstverständlich. Aber es dauert wohl noch fünf Jahre. Wenn wir es machen, muss es in allen Belangen ein Bentley sein: Fahrverhalten, Komfort, Platzangebot, Reichweite. Gut, die Batterien werden sich weiterentwickeln, das wird uns helfen. Um es klar zu sagen: Wir werden spätestens 2025 ein Elektroauto haben, aber wohl kaum früher.

Denken Sie auch über andere Autokonzepte nach?

Wir denken ständig nach. Oft werde ich auch nach einem kleineren Bentley gefragt. Den sehe ich aber nicht. Da müssen wir uns auch im Konzern einordnen. Wir werden auch keinen reinen Sportwagen machen. Wir bauen Grand-Tourer.

Wohin tendiert der Markt für Luxusautos generell? Sehen Sie keine Schwierigkeiten kommen angesichts der Umweltdiskussionen?

Ich glaube, den Markt für Luxusautos wird es immer geben, wenn er sich auch verändern wird, das hat er jetzt schon. Früher haben wir 1200 Bentley Arnage im Jahr verkauft, heute verkaufen wir von unserem größten Modell, dem Mulsanne, nur noch gut 500. Und natürlich liegen uns Umweltfragen und Nachhaltigkeit am Herzen.

Ja, die Zeiten ändern sich. Wann also ist ein Chauffeur nicht mehr nötig, weil der Bentley autonom fährt?

Auch hier sind wir am Ball, aber ich denke, dass das autonome Fahren bei weitem nicht so schnell kommt, wie viele uns glauben machen wollen. Unterstützende System ja, die einem so viel wie möglich abnehmen, aber der Fahrer muss letztendlich die Gewalt über das Auto behalten. Im Übrigen sind wir schon lange keine Chauffeurs-Marke mehr. Selbst in China nicht, dort ist die Chauffeurs-Quote allenfalls bei 20 Prozent. Einen Bentley fährt man selbst, und das gilt nicht nur für das Continental GT Coupé und das Cabrio.

Schauen wir ein wenig weiter voraus. Welche Aufgaben sind die wichtigsten bis, sagen wir, 2025?

Erstens die Restrukturierung der Produktionsprozesse, das Drücken der Kosten, ohne die von uns zu erwartende Qualität zu vernachlässigen. Zweitens den Absatz steigern, um im Konzern wieder ordentliche Gewinne beisteuern zu können. Drittens EU 7. Darüber wird heute kaum gesprochen. Aber das wird 2023 härter als WLTP im vergangenen Jahr. Die einzuhaltenden Abgasgrenzwerte werden nochmal strenger. Das ist keine einfache Aufgabe. Viertens, wie schon erwähnt, die Hybridisierung aller unserer Modelle. Und schließlich, dass wir 2025 tatsächlich einen voll elektrischen Bentley im Markt haben.

Bentleys Steuermann

Adrian Hallmark, 56, steht seit Februar 2018 an der Spitze von Bentley. Hallmark studierte in Wolverhampton Maschinenbau und Management, er kam von Jaguar-Land-Rover, dort hatte er die globale Strategie verantwortet. Andere Führungspositionen in seinem Arbeitsleben hatte er bei Porsche, Volkswagen und Saab inne. Für Bentley verantwortete er 2003 als Vorstand für Verkauf, Marketing und PR die Einführung des neuen Bentley Continental GT. Dieses Coupé brachte die Briten wieder nach vorn. Die Verkaufszahlen stiegen steil nach oben auf bis fast 10 000 im Jahr 2007, dann kam erst mal die Wirtschaftskrise. Seit 2013 liegt der Absatz wieder jährlich bei mehr als 10 000 Fahrzeugen. Bentley wurde 1919 als Hersteller gegründet und 1931 von Rolls-Royce übernommen. VW hatte das Unternehmen und das Werk in Crewe bei Manchester dann 1998 gekauft, nicht aber die Namensrechte an Rolls-Royce. Die sicherte sich BMW und siedelte die Marke nach Goodwood um. fbs.

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