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Bentley : Britischer Luxus aus dem VW-Baukasten

  • -Aktualisiert am

Zwischen Tradition und Moderne: Bei Bentley in Crewe Bild:

Der Bentley Continental GT ist ein Markterfolg. Immerhin fahren seit Produktionsstart Anfang 2004 schon 4369 Luxus-Coupés auf den Straßen. Eine Limousine ist für das kommende Jahr geplant.

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          Nach gut 30 ziemlich harten Monaten als Chef von Bentley Motors Limited kann Ex-Audi-Chef Franz-Josef Paefgen sich jetzt erstmals einigermaßen zufrieden zurücklehnen: "Der Continental GT ist der beste Bentley, den die je gebaut haben", sagt er voller Stolz am Tisch seiner Stammkneipe "Dysart Arms", zieht genüßlich an seiner Monte Christo Nr. 2 und nebelt seine kleine Tischgesellschaft ein.

          Ohne Zweifel, das neue Auto verkauft sich gut: Seit Fertigungsstart Anfang 2004 hat Bentley 4369 Coupes ausgeliefert, eine Produktion von neun Monaten ist fest in den Büchern, und das nächste neue Modell - die Limousine Continental Saloon - ist für das Frühjahr 2005 geplant. Vor allem dank der für die Engländer neuen kleineren Modell Continental kann Paefgen nach verlustreichen Jahren noch 2004 als Ergebnis "eine schwarze Null" anvisieren, nächstes Jahr erwartet er einen zweistelligen Millionengewinn in Euro. Bentley, der englische Ableger des Volkswagen-Konzerns, der 1998 für stolze 1,4 Milliarden Mark erworben und bei dem später nochmals 500 Millionen Pfund in Produkte und Standort investiert worden sind, ist wohl die einzige Automarke der obersten Luxusklasse, die zur Zeit einen positiven Ertrag erwirtschaftet. Das schaffen weder Maybach noch Ex-Mutter Rolls-Royce, die nach dem Kauf der Namensrechte durch BMW aus dem gemeinsamen "Heim" in Crewe ausziehen mußte.

          Der GT ist ohne Konkurrenz

          Der Gewinnbringer ist ausgerechnet der kleine Continental, der rund 164000 Euro kostet und am Markt genau dort positioniert ist, wo "er auf kein anderes adäquates Angebot trifft" (Paefgen). In diesem mittleren Luxussegment zu Verkaufspreisen zwischen 150000 und 200000 Euro finden sich sonst mit Aston Martin und Ferrari nur hochsportliche Fahrzeuge. Der Bentley ist sowohl sportlich als auch luxuriös. Das Coupe kann mit seinem turbogestärkten Zwölfzylindermotor fast 320 km/h schnell sein, und mit ihm läßt es sich dennoch wie in einem Gran Turismo (GT) einfach, sicher und komfortabel reisen, schwärmt Paefgen. Was aber nach bestem altenglischen Luxus-Coupe aussieht, ist allenfalls eine Kombination aus deutscher Technik mit britischem Ambiente. Denn im Stammwerk unweit von Manchester wird der Continental nur zusammengebaut und mit ausgesuchten Materialien und historischen Designelementen wie den faustgroßen Lufteinlaßdüsen in hoher handwerklicher Perfektion verziert. Selbst die Karosse mit ihrer wohl aufregendsten Linie aller Coupes wird nicht in Crewe, sondern im VW-Preßwerk Mosel bei Zwickau geformt. Die Plattform dazu wie auch die Luftfederung stammen vom VW Phaeton, der Motor und die Allradantriebstechnik vom Audi A8. "Ohne Zugriff auf die Konzernressourcen hätten wir das Auto nicht bauen können", sagt Ulrich Eichhorn, Entwicklungchef bei Bentley. Das bedeutet aber nicht, daß nur in die VW-Kiste gegriffen werden kann, um Teile für einen Bentley zu finden. Es konnte zwar der W12-Motor übernommen werden, die Turboaufladung mußte eigens entwickelt werden, wie das ZF-Automatikgetriebe darauf angepaßt. "Wir übernehmen Konzepte, weniger die Bauteile", beschreibt Eichhorn die tatsächlichen Synergien. Nur 14 Prozent der Teile eines Continental GT kommen unverändert aus VW-Regalen.

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