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Flugboote : Schwimmflügel für den Jetset

Wer wird denn gleich in die Luft gehen: An Bord des Foilers aus Dubai wird Gelassenheit demonstriert. Bild: Hersteller

Wasserflugzeuge gibt es schon lange. Doch auch das „Foilen“ reizt: Flugboote heben aus dem Wasser ab und düsen über die Oberfläche.

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          Das Fliegen kommt in Mode. Futuristische Segelboote, speziell im America’s Cup, aber auch in einigen weiteren Regattaserien, haben vorgemacht, was immer mehr Wassersportler reizt: das „Foilen“. Das bedeutet Abheben aus dem Wasser bei schnellerer Fahrt, der Kitzel zusätzlicher Beschleunigung durch nachlassenden Widerstand, Dahindüsen über die Oberfläche ohne das Schlagen des Rumpfs in der Welle.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Das erreicht nun allmählich auch den Serienbau. Noch ist das Foilen eine kleine Nische, aber sie wächst. Und den Seglern folgen die Motorbootfahrer. Der französische Beneteau-Konzern, Branchenriese mit zwölf Marken unter einem Dach, hat jetzt den Prototypen eines 9,70 Meter langen Motorboots fertiggestellt, der sich mit Hilfe von vier ausfahrbaren, schwenkbaren Tragflächen fortbewegt. Je zwei sind mittschiffs sowie am Heck angebracht. Angetrieben wird er von zwei jeweils 200 PS starken Suzuki-Außenbordern.

          Beneteau hatte kürzlich mit dem Modell Figaro 3 das Tragflächen-Konzept in den Serienbau von Einrumpf-Segelyachten eingeführt. Nun will das Unternehmen die Zukunft von foilenden Motoryachten erkunden, wie es heißt, zunächst solchen, die mit Außenbordmotoren bestückt werden. Entwicklung und Bau des Prototypen erfolgten einer Mitteilung zufolge innerhalb von nur neun Monaten in Zusammenarbeit mit Spezialfirmen für Design, Flugsysteme und Elektronik, alle aus Frankreich. Die Testfahrten und -flüge begannen Anfang Februar vor Saint-Gilles-Croix-de-Vie an der Küste der Vendée.

          Tollkühne Männer in ihrer fliegenden Kiste: Beneteau testet einen Prototypen.

          Der Kunststoffrumpf wurde laut Beneteau zur Gewichtseinsparung im Infusionsverfahren gebaut. Verminderung des Treibstoffverbrauchs, bessere Fahrleistungen und hoher Komfort für die Passagiere werden als Vorteile des Foilens genannt. Der Prototyp sei sowohl mit als auch ohne Tragflächen fahrbar, benötige im Hafen nicht mehr Platz als konventionelle Boote. Wie ein Sportboot oder eine Yacht sieht er allerdings noch nicht aus, sondern eher wie das Einsatzfahrzeug eines Spezialkommandos in eiliger Mission. Besatzung und Passagiere sind in gefederten Schalensitzen mit Anschnallgurt untergebracht und tragen Helm, wie erste Fotos zeigen.

          In dieser Hinsicht macht die „Foiler Flying Yacht“ aus Dubai schon einen wesentlich fortgeschritteneren Eindruck. Hinter dem Projekt steht die Unternehmensgruppe Enata Industries, die auf den Feldern Marine, Luft- und Raumfahrt und Architektur aktiv ist. Der Motor-Foiler aus den Emiraten wurde vor einem Jahr erstmals vorgestellt (F.A.Z. vom 13. März 2018). Nach einer Überarbeitung und mehr als 1000 Stunden Testfahrten auf See soll er auf der Dubai International Boat Show gezeigt werden, die an diesem Dienstag beginnt und bis zum Samstag, dem 2. März dauert.

          Dem Hersteller zufolge wurden der Rumpf, die Hydrofoils und der dieselelektrische Antrieb mit einer auf 740 PS gesteigerten Leistung modifiziert mit dem Ergebnis eines um 20 Prozent verringerten Kraftstoffverbrauchs. Der soll nun 40 bis 50 Prozent niedriger sein als bei einem vergleichbaren herkömmlichen Powerboot. Zudem ist das Boot aus Dubai jetzt modular aufgebaut, so dass verschiedene Varianten angeboten werden können mit ganz unterschiedlicher Anordnung von Sitzmöbeln, Stauräumen und Steuerstand.

          Enata nennt seinen knapp zehn Meter messenden Foiler „erste fliegende Motoryacht der Welt“. Er verlässt das Nass mit Hilfe seitlich aus dem Kohlefaserrumpf ausfahrbarer Karbon-Tragflächen sowie zweier ebenfalls mit Foils bestückter, ausfahrbarer Antriebseinheiten am Heck. Das Foilen geht laut Hersteller bei etwa 12 Knoten (22 km/h) Fahrt los, von 18 Knoten (33 km/h) an liegt die stabile Fluglage anderthalb Meter über der Wasseroberfläche an. Höchstgeschwindigkeiten von mehr als 75 km/h sollen erreichbar sein. Wer das ausprobieren will, dem bietet Enata die Möglichkeit einer Proberunde an. Wer es eilig hat, muss dafür nach Dubai jetten. Im Juni dann soll der Foiler – Kostenpunkt eine runde Million Euro plus Mehrwertsteuer – zur Begutachtung in Europa einfliegen.

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