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Bavaria Cruiser 56 : Da bist du platt

Flaggschiffklasse: Mit mächtigen 16-Meter-Tourern liefern sich die Großserienwerften gerade eine heiße Schlacht. Bavaria ist mit der Cruiser 56 dabei Bild: BYS/Peter Meyer

Mit der Cruiser 56 reizt Bavaria die Möglichkeiten seiner Produktionsanlagen voll aus. Ein stürmischer Probeschlag mit einer Yacht voller neuer Ideen.

          6 Min.

          Was macht ein Bavaria-Manager in der Nacht? Er grübelt. Nicht jede Nacht, das wäre auf Dauer ungesund, aber manchmal. So kam die Sache mit dem Plattnasen-Beiboot zustande.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          “Eines Nachts“ ging dem Produktmanager Daniel Kohl diese Beiboot-Lösung durch den Kopf, die ein Merkmal der neuen Bavaria Cruiser 56 ist, sie leistet einen erheblichen Beitrag dazu, dass die knapp 17 Meter lange Segelyacht sich grundlegend vom Vorgängermodell unterscheidet, sich merklich von der Konkurrenz abhebt und Aufmerksamkeit erregt. Das ist kein Nachteil in einer Zeit, in der sich viele Märkte, besonders die südeuropäischen, in einem desolaten Zustand befinden, Werften taumeln und ein Verdrängungswettbewerb tobt. Zu viele Säue um den Trog, lautet ein Spruch in der Branche.

          Die führenden Großserienwerften der Welt, zu denen Bavaria, Deutschlands Nummer eins, gehört, kämpfen mit harten Bandagen um die Kundschaft. Nie war es so wichtig wie heute, sich etwas Neues einfallen zu lassen, mit dem Argument der Innovation zu locken, Kaufanreize zu setzen. Wer verschläft, geht unter. Bavaria zählt sich selbst zu den Aufgeweckten. Für dieses Jahr wird trotz schwieriger Umstände mit einem Wachstum kalkuliert und einer Produktion von rund 1400 Segel- und Motorbooten.

          Segelnde Großküche: Die Pantry dominiert den Salon. Erhöht: Navigationsplatz und Frühstücksbar

          Die Cruiser 56 ist das neue Angebot in der Flaggschiffklasse, in der sämtliche Mitbewerber zur Zeit ebenfalls sehr aktiv sind. 56 Fuß sind eine Länge, bei der die auf Effizienz getrimmten Produktionsanlagen Bavarias im fränkischen Giebelstadt ans Limit stoßen, zum Bedauern von Daniel Kohl. Für diese große Fahrtenyacht musste schon das Tor zum Spritzroboter für die Gelcoat-Lage „etwas eingeklopft werden“. Es ist die Kategorie Yacht, in der hinsichtlich Raumangebot und Komfort solch hohe Anforderungen gestellt werden, dass eine Beibootgarage im Heck in die Planung einzubeziehen ist. Bénéteau beispielsweise schwächelt in dieser Hinsicht, verzichtete im Fall seiner neuen Oceanis 55 auf den Einbau einer Garage. Die schränke den Platz im Innern zu sehr ein, argumentieren die Franzosen. Bavaria dagegen hatte das Glück, dass ein Produktstratege nachts von einem Geistesblitz getroffen wurde.

          In der Nacht vor unserem geplanten Probeschlag blitzt und donnert es gegen drei, es ist keine Nacht für einen ruhigen Schlaf. Sturm heult um Häuserecken, rüttelt an Fensterläden, schüttelt Palmen, peitscht den Regen waagerecht. Seit Tagen schon pfeift es übel in der Gegend um die Halbinsel von Çesme am Ägäischen Meer. Dort, in der Marina Alaçati, liegt die Baunummer eins der Cruiser 56, die im Januar auf der Bootsmesse von Düsseldorf vorgestellt wurde. Der türkische Bavaria-Händler Gena Yacht hat sie erworben, um sie in den Charterdienst zu stellen. In der Türkei läuft das Geschäft noch gut, wie Gena-Chef Taner Gümüs berichtet, der wie seine Frau Gül einst in Köln lebte und studierte.

          „Big-Boat-Gefühl“

          Gegen vier Uhr plötzlich Stille, als hätte einer den Wetterschalter umgelegt. Tatsächlich war für den frühen Morgen eine kurzzeitige Wetterberuhigung angekündigt, eine Art Loch im Unwetter, das zum Auslaufen genutzt werden soll. Einmal um die Halbinsel herum, lautet das Vorhaben, auf der anderen Seite schnell in Deckung gehen, alles in allem drei, höchstens vier Stunden. Gegen Mittag soll es wieder richtig losgehen. Also kurz nach sechs raus aus den Federn, ab aufs Boot und Leinen los. Jetzt oder nie, gefrühstückt wird später.

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