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Baustoff für Boote und Schiffe : Und Beton schwimmt doch

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Betonkanu-Regatten haben ihre besonderen Herausforderungen - technisch, handwerklich und sportlich Bild: BetonMarketing Nord / René Oesterheld

Boote und Schiffe aus Beton sind so alt wie der Baustoff selbst. Beton ist preiswert und gut zu beschaffen - weshalb die Bauweise immer aktuell wurde, wenn Eisen knapp war. Bei modernen Exemplaren ist die Rumpfschale nur noch wenige Millimeter dick.

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          Viele Menschen können es kaum glauben - so exotisch mutet ihnen der Bau von Booten und Schiffen aus Beton an. Der Werkstoff hat offensichtlich ein so schweres Image, dass ihm das Schwimmen nicht zugetraut wird. Dabei ist ein Klumpen Eisen etwa dreimal so schwer wie ein gleich großer Klumpen Beton. Allerdings muss eine Wand aus Beton ohne Einlagen deutlich dicker als eine Eisenwand sein, um eine vergleichbare Stabilität zu erreichen. Dies schränkt die Verwendung beim Schiffbau ein. Ingenieure und Tüftler aber fühlen sich herausgefordert. Entscheidend ist, dass der Auftrieb höher ist als das Eigengewicht.

          Als erstes Fahrzeug aus Beton gilt ein Boot von Joseph-Louis Lambot von 1848. Das klobige Gefährt steht heute im südfranzösischen Brignoles im Museum. Lambot verstärkte den Beton schon damals mit Eisendraht - fast 20 Jahre bevor der Landsmann Joseph Monier das Verfahren zum Patent anmeldete. Mit derartigen Einlagen wird die schlechte Zugfestigkeit des Betons ausgeglichen. Sie nehmen in dem Verbundbaustoff die Zugkräfte auf, während der Beton drum herum vor allem für die Druckkräfte zuständig ist. Die dennoch relativ dicken Betonwände sorgen für ein größeres Eigengewicht der Schiffe. Damit ist deren Tragfähigkeit geringer, die Betriebskosten sind höher.

          Doch Schiffe aus Beton haben auch Vorteile: Das Material ist sehr widerstandsfähig - es gibt weder Korrosion noch Schäden durch Holzschädlinge. Auch setzen sich an Betonrümpfen kaum Meerestiere fest. Deshalb ist der Aufwand für Pflege und Reparatur gering, die Rümpfe sind langlebig. Außerdem lassen sich Schiffe aus Eisenbeton schneller fertigen als Eisenschiffe. Schließlich ist Beton preiswert und gut zu beschaffen - weshalb die Bauweise immer aktuell wurde, wenn Eisen knapp war.

          Die „Cementesse”, hier in Hooksiel aufgenommen, wurde von 1975 bis 1982 im nordhessischen Arolsen gebaut

          Herstellung war arbeits- und materialintensiv

          Im Ersten Weltkrieg waren erste kleinere Schiffe aus Beton in den Niederlanden, Italien und den Vereinigten Staaten gebaut worden. Sie orientierten sich noch sehr an der konventionellen Spantenbauweise des Schiffbaus. Ihre Herstellung war deshalb arbeitsintensiv und verbrauchte viel Material. Das erste seegängige deutsche Betonschiff baute die Berliner Zementbaugesellschaft Johannes Müller, Marx & Co. 1920 mit einer Werft in Wewelsfleth an der Stör: Das Motorschiff "Götaälf" hatte eine Tragfähigkeit von 600 Tonnen. Im folgenden Jahr lief in der Geestemünder Zweigstelle des Bremer Bauunternehmens Paul Kossel & Co. ein Motorschlepper aus Beton vom Stapel. Er liegt heute im Deutschen Schifffahrtsmuseum Bremerhaven. Doch diese Schiffe blieben Einzelstücke.

          Einen Durchbruch brachte die Schalenbauweise. Sie war nach dem System Zeiss-Dywidag zunächst für weitgespannte Dächer eingeführt worden. Diese selbsttragenden Dächer kamen in der Mitte ohne Stützen aus und wurden für Veranstaltungsräume und Markthallen gebaut. Mit diesem Prinzip konnten auch Aussteifungen im Schiffsrumpf - die Spanten - weitgehend vermieden werden. Dies sparte Material. Dank eines neuartigen Leichtbetons konnte das Gewicht zusätzlich gedrückt werden.

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