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„Axius“ : Das dressierte Boot

Drehmomente: Die Bavaria 33 Sport wendet mit Axius auch in engstem Becken Bild: Wille

Wenn das Bootfahren zum Computerspiel wird: Einparken per Joystick. Das System „Axius“ soll das Anlegen nun vereinfachen und aus dem Boot ein Dressurpferd machen. Dazu soll es günstiger sein als Vergleichbares.

          Ein Auto vertreibt beim Einparken nicht durch Seitenwind. Es wird nicht durch Strömungen in unerwünschte Richtungen versetzt. Auf einen Tritt aufs Bremspedal bleibt es stehen, und es verharrt an Ort und Stelle, ohne dass vorn und hinten Leinen zum Bürgersteig ausgebracht werden müssten. Auf einem Boot ist das alles ein wenig anders. Schwieriger. Wenn es beim Hafenmanöver nicht so läuft wie beim Autoparken, dann ist das keine Schande. Oft aber wird es als solche empfunden. Der Anblick von Zuschauern auf dem Steg führt deshalb bei manchem Freizeitskipper, der auf einen Liegeplatz zuhält, automatisch zu einem Gefühl des Unbehagens. Bloß nicht blamieren!

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Dabei ist es gar nicht so ungewöhnlich, dass der Versuch des Anlegens unter ungünstigen Umständen nicht auf Anhieb klappt, ein zweiter, ein dritter Anlauf genommen werden müssen. Viele Bootfahrer fahren fast täglich Auto, aber nur an wenigen Tagen im Jahr mit dem Boot. Immer dann, wenn sich gerade so etwas wie Routine einstellen will, ist der Urlaub schon wieder zu Ende. Händler können endlos Geschichten erzählen von Kunden mit mangelnder Erfahrung, die Schwierigkeiten haben, eine Yacht auf engem Raum präzise zu handhaben. Das kann zu Hemmungen führen und sogar so weit, dass ein Skipper sich nicht traut, eine bestimmte Tankstelle anzufahren - und stattdessen lieber mühsam mit Kanistern nachfüllt.

          Bewegung der Yacht, ganz ohne Lenkrad

          Schon lange bekannte und verbreitete Hilfsmittel für das An- und Ablegen mit Motor- wie auch Segelyachten sind Bug- und Heckstrahlruder: quer zur Fahrtrichtung in einem runden Rumpfdurchlass eingebaute oder aus dem Rumpf ausfahrbare Propeller mit Elektromotor, die im Betrieb ein Höllenspektakel machen. Immerhin kann mit kurzen Schüben jederzeit das vordere beziehungsweise hintere Ende des Fahrzeugs herumgedrückt werden, ein recht beruhigendes Gefühl. Für schnelle, größere Gleitmotorboote gibt es seit kurzem eine elegantere, aufwendigere und teurere Lösung in Gestalt von Volvo Pentas IPS-System. IPS (wir haben darüber mehrfach berichtet) besteht aus einer Kombination von jeweils zwei Innenbordmotoren sowie drehbaren Antriebseinheiten unter dem Bootsboden mit nach vorn gerichteten Zug- anstelle der üblichen Schubpropeller. Gegenüber konventionellen Wellenanlagen soll IPS einen besseren Wirkungsgrad haben, sparsamer und leiser laufen.

          Smart: Das Display zeit die Stellung der Antriebe, vorgegeben per Joystick

          Besonders interessant wird es mit der Joystick-Steuerung, einer Manövrierhilfe, die die schwedischen Motorenbauer als Option anbieten: Der Skipper drückt den Knubbel am Steuerstand in die Richtung, in die er will, die Elektronik stellt die einzeln regulierbaren Antriebe entsprechend ein und berechnet die erforderlichen Drehzahlen der Motoren. Die Yacht bewegt sich vorwärts, rückwärts, seitwärts und sogar diagonal. Ohne Benutzung des Lenkrads, ohne das übliche Vor und Zurück mit der Zweihebelschaltung für die Doppelmotorenanlage.

          Die Amerikaner haben die Nase vorn

          Mit dem jüngst vorgestellten System „Zeus“ hat Volvos Konkurrent Mercury Mercruiser aus dem Brunswick-Konzern nachgezogen. Im Unterschied zu Volvo setzen die Amerikaner auf Schubpropeller, die Antriebseinheiten unter den Rümpfen arbeiten in Tunneln, und der Joystick zählt zur Standardausrüstung. Parallel zu „Zeus“ ist in Stillwater, Oklahoma, das System „Axius“ entwickelt worden, das die Vorteile der Joystick-Steuerung auch Booten mit den verbreiteten Z-Antrieben (Motoren innenbords vor dem Heckspiegel, Antriebe außen an der Spiegelplatte montiert) zugänglich machen soll.

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