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Autoschau in Detroit : Der Optimismus ist zurück

  • -Aktualisiert am

Der giftgrüne Traum: Mercedes-Benz wird den SLS im Jahr 2013 auch mit Elektro-Antrieb verkaufen Bild: Kirchberger

Die diesjährige Autoschau zeigt, es herrscht wieder Aufbruchstimmung bei den Automobilherstellern. Auf der Messe ist das elektrische Fahren nicht das übergeordnete Thema. Dafür ist das Elektro-Auto fast schon zu selbstverständlich geworden.

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          Krise? Welche Krise? Bei der North American International Motorshow in Detroit (noch bis zum 23. Januar) strahlen die Scheinwerfer wieder bis ins letzte Eck. Wo noch vor zwei Jahren amerikanische Marken in trüber Düsterkeit nur zaghaft wenige neue Modelle präsentierten, steht längst wieder gute Laune auf der Tagesordnung, während die Zukunft des Autos in facettenreicher Vielfalt beschworen wird. Die amerikanischen Hersteller sind wieder da, wenn auch mit leicht veränderten Randbedingungen.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          So hat zum Beispiel GM nach der staatlichen Übernahme mit dem erneuten Börsengang überraschend leicht frisches Geld sammeln können, und die Amerikaner glauben an ihr Flaggschiff der Automarken. Ford dagegen fährt weiterhin auf Sparkurs und deshalb wieder Gewinne ein, erlaubt sich aber, den größten Ausstellungsstand auf der Messe zu besetzen. Und Chrysler hofft mit Hilfe des Kooperationspartners Fiat wieder Fuß fassen zu können.

          Die Zukunft ist Elektrisch, dieser Meinung scheinen alle der einst großen Drei zu sein. Zu welchen Kapriolen diese Annahme führt, zeigt Ford mit der frisch gelifteten Pick-Up-Baureihe F 150, von der ein elektrisch angetriebenes Exemplar auf der Messe Probe gefahren werden kann.

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          Frühe Freude ist in Rüsselsheim dennoch nicht angesagt

          Auf konventionellen Antrieb mit strammer Leistung von mehr als 294 kW (400 PS) setzt dagegen GMC mit der Studie Sierra HD. Der Benzinpreis bewegt sich zur Zeit in moderaten Höhen, da dürfen die spritfressenden Pick-Up-Monster die hinteren Plätze der Messestände wieder verlassen und sich weiter vorne aufstellen. Moderater gehen dagegen der Buick Regal und der Verano aus gleichem Hause mit dem Treibstoff um. Ersterer ist die amerikanische Ausgabe des Opel Insignia. Der Verano dagegen basiert auf der Plattform des Opel Astra, bietet aber mehr Leder, Holz und Komfort. Frühe Freude ist in Rüsselsheim dennoch nicht angesagt, denn statt Import ist künftig Produktion in Amerika geplant. Der Regal soll schon bald in Tennessee gefertigt werden, wo sein kleinerer Bruder bereits heute von den Bändern rollt. GM zeigt den neuen Aveo bei Chevrolet, der in Amerika jetzt Sonic heißt.

          Der neue Chrysler 300 könnte bei uns unter dem Lancia-Markenzeichen antreten und ist gar nicht mal unschön geraten. Und auch der Jeep Compass hat ein wohltuende Überarbeitung erfahren. Ford verspricht, bald einen Focus mit elektrischem Antrieb nach Europa zu bringen. Der C-Max bekommt ein Hybridsystem mit Plug-In-Technik, und kann sich damit ein kurzes Stück nur durch Strom angetrieben bewegen. Fragen wirft dagegen die Präsentation der SUV-Studie Vertrek auf. Sie gilt als baldiger Nachfolger des Kuga in Europa und des Escape in Amerika. Wie der Focus, soll auch der Vertrek ein Weltauto werden. Ein durchaus beachtlicher Plan, der aber schon in der Vergangenheit mehr als nur einmal gescheitert ist.

          Der Viertürer wurde auf den Namen Passat getauft

          Die europäischen Volumenmarken setzen in Detroit auf andere Werte. So stellt VW die lange angekündigte Mittelklasse-Limousine vor, die ausschließlich für die Vereinigten Staaten vorgesehen ist. Der 4,87 Meter lange Viertürer wurde auf den Namen Passat getauft, ist zehn Zentimeter länger als sein europäische Namensvetter, kostet dafür aber umgerechnet nur etwa 15 000 Euro. Dabei könnten Qualitäts-Anmutung und Motorisierung deutsche Kunden durchaus neidisch machen. Der Passat für die neue Welt sieht gut aus. Er hat mehr Platz für Passagiere und bietet 529 Liter Kofferraumvolumen. VW folgt also der Strategie, für einzelne Märkte aus dem Konzern-Baukasten passende Autos Maß zu schneidern.

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