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Autos der Zukunft : Der Traum vom Fliegen und andere Verrücktheiten

Tuner Mansory liebt schrille Lackierungen. Bild: Schmidt

Das Zeitalter des Elektroautos ist ausgerufen. Deshalb setzen exotische Kleinserienhersteller auch auf diese Technik. Besonders extravagant wird es, wenn das Auto noch fliegen kann.

          Noch bis zum kommenden Sonntag dauert der Genfer Automobilsalon, und noch nie war die Vielzahl an exotischen Kleinserienherstellern und Autoveredlern größer als 2019. Mehr als 40 treten an, und neben alten Kämpen, die quasi schon zum Inventar gehören wie Rinspeed oder Sbarro, finden sich viele neue Protagonisten, deren Namen kaum geläufig sind. Letzteres gilt nicht für Veredler wie Alpina, Ruf, Startech oder Mansory und auch nicht für Design-Ateliers wie Pininfarina, und hinter GFG-Style steckt das Haus Giugiaro. Auch die Hypersportwagen von Koenigsegg oder Pagani kennt man.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Aber Aiways und Arcfox? Das sind chinesische Hersteller, die ähnlich wie einst Qoros oder Borgward mit vollmundigen Versprechungen starten und erst noch beweisen müssen, ob sie zu nachhaltigem Erfolg fähig sind. Qoros war es nicht, Borgward ist es wahrscheinlich auch nicht. Die Modelle, die in Genf stehen, sehen zumindest ansprechend aus. Mit SUV und Sportwagen und elektrischem Antrieb trifft man immer den Publikumsgeschmack. Bei Aiways mischt zudem Roland Gumpert mit, ein ehemaliger Audi-Mann, der unter seinem Namen ebenfalls Sportwagen in Kleinserie baut.

          Aurus dagegen kommt aus Russland und kopiert relativ schamlos Rolls-Royce. Das kürzere der beiden gezeigten Modelle ist 5,63 Meter lang. Die Vergangenheit mit der Gegenwart verbindet Devinci. Das französische Unternehmen will Roadster im Stil der zwanziger Jahre bauen und motorisiert diese mit Elektromaschinen. Ob die zugegeben schicken Retrowagen, die es schon ab 50.000 Euro plus Steuer geben soll, mit 150 Kilometer Reichweite den Kunden überzeugen können, scheint fraglich. Devinci will 2019 rund 200 Einheiten verkaufen. Alle Modelle entstehen in Handarbeit in Frankreich.

          Kann auch fliegen: Pal-V aus Holland Bilderstrecke

          Viel Hand angelegt wird offenbar an die Mercedes-Benz-V-Klasse. Gleich mehrere Umbauer wie Okcu oder Dizaynvip machen aus dem großen Minivan ein rollendes Hightech-Büro oder ein Shuttlefahrzeug für Superreiche. Bald dürfen sie sich ja auch mit einer rein elektrischen V-Klasse beschäftigen. Daimler stellt in Genf ein Konzept vor, in Frankfurt auf der IAA im September steht dann das Serienmodell. Ein anderes Objekt der Begierde für die Schönmacher ist der Land Rover Defender. Er soll ja nach mehr als drei Jahren Pause auf der IAA in völlig neuer Form wiederauferstehen. Bis dahin könnte man sich mit Nachbauten von Twisted oder Chelsea Tractor trösten.

          Letztere setzen sogar den Kühlergrill zurück wie bei einem alten Serie-II-Land-Rover. Der wurde von 1958 bis 1971 gebaut. Noch mehr Tradition hat Hispano Suiza. Die spanische Marke ist in vierter Generation in Familienbesitz und versucht jetzt mit einem elektrischen Sportwagen abermals ein Comeback. Ein Auto mit diesem Namen gab es bisher von 1904 bis 1946. Der reichlich im Retrostil gehaltene Wagen soll 1,5 Millionen Euro kosten. Er trägt den schönen Namen Carmen und fährt elektrisch.

          Die Batterien sitzen nicht im Unterboden

          Von seinem Namen profitiert gewiss auch Anton Piëch. Der Sohn des ehemaligen VW-Patriarchen Ferdinand Piëch will mit seinem Partner Rea Stark dem Urgroßvater Ferdinand Porsche nacheifern und Autos mit seinem Namen bauen. Das Debüt des Piëch Mark Zero fand große Beachtung, dem Namen sei Dank. Dass der Piëch-Sportwagen rein elektrisch fährt, ist heute selbstverständlich. Die Technik ist aber so angelegt, dass der Mark Zero auch mit einem Verbrennungsmotor bestückt werden könnte. Die Batterien sitzen nicht im Unterboden, wie bei Elektroautos inzwischen die Regel, sondern hinten, was für verschiedene Motorkonzepte mehr Raum lasse.

          Immer hübsch anzusehen sind auch die Kreationen von David Brown. Zwei Speedback GT und drei Mini Remastered stehen auf dem Stand. Während der Mini – 25 sollen produziert werden – kaum vom historischen Original zu unterscheiden ist, treten die Speedback eigenständiger auf, erinnern aber stark an Aston Martin aus den sechziger Jahren.

          Viele, viele schöne und extravagante Autos stehen in Genf, doch nur eines kann auch fliegen: Der Pal-V feierte auf der Messe Premiere, und er soll noch in diesem Jahr abheben, mit allen nötigen Lizenzen. In einer ersten Serie will das holländische Unternehmen 90 Einheiten für jeweils 499.000 Euro bauen. Pal-V steht für Personal Air und Land Vehicle. Wenn es fliegt, ist es technisch gesehen ein Gyrocopter, eine Mischung aus Flugzeug und Hubschrauber. Das Fliegen könne man in drei Wochen Intensivkurs lernen, es sei viel einfacher, als einen Hubschrauber zu pilotieren. Wer einen Gyrocopter-Schein hat, brauche drei Tage.

          Zwei Vierzylinder-Rotax-Motoren mit je 200 PS treiben das Fluggerät an, maximal geht es 3500 Meter hoch, und 180 km/h horizontal. Ein 100-Liter-Tank ist gut für eine Reichweite von 400 Kilometern. Im Autoeinsatz wird nur ein Motor benutzt, die Flugtechnik wird zusammengefaltet (Bild). Als Dreirad gelten weniger strenge Regeln, es müssen keine Crashtests absolviert werden, ein ABS ist nicht nötig und auch kein Nummernschild vorn.

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