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Autos der Karibik : Kuba kommt

Grünstich: Weil die Häuser staatlich sind, kümmert sich niemand um die Fassaden. Die Autos indes sind oft privat, Erbe der Väter und Großväter. Bild: Audi

Chanel, Audi - die Industrie streckt ihre Fühler nach Kuba aus. Präsident Raúl Castro fährt schon einen A 8. Aber wer rettet den Chevy?

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          Kuba ist das derzeit vielleicht interessanteste Reiseziel auf der Welt. Der morbide Charme der von der Außenwelt über Jahrzehnte weitgehend abgeschnittenen Karibikinsel hat schon lange die Sehnsucht geweckt, mit faszinierend schönen Bildern und einem einzigartigen historischen Autopark. Mit der sachte begonnenen politischen Enteisung nimmt die Industrie Tuchfühlung auf. Zuletzt machte das französische Modehaus Chanel die Promenade Paseo del Prado in Havanna zum Laufsteg, die Models trugen Panama-Hüte, auf den Balkonen der abbruchreifen Nachbarhäuser standen so viele Neugierige, dass man Angst um die Statik haben musste.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Das mutet natürlich zunächst als geschäftlicher Irrsinn an, weil in dem kommunistischen Karibikstaat noch kein Luxusmarkt existiert. Die Menschen sind schon froh, wenn sie regelmäßig Essen und fließendes Wasser haben. Internet gibt es nahezu nirgends, wo sich in der Fußgängerzone der betörenden Altstadt die ersten Internetcafés niederlassen, bilden sich Trauben an jungen Menschen mit Handys. Und doch ist der Auftritt von Chanel ein Geniestreich, denn der Markenname verbreitet sich nun auch in Lateinamerika, dem nächsten Kontinent, der von den Luxushäusern erobert wird.

          Auf dem Land die Eselskarren, in Havanna der Chevy

          Unter den großen Autoherstellern hat sich Audi als Erster vorgewagt, die Ingolstädter haben jetzt einer kleinen Gruppe ihren neuen Geländewagen Q2 auf Kuba vorgestellt, wo natürlich keinerlei Absatzmarkt besteht, einmal abgesehen davon, dass Präsident Raúl Castro einen A 8 fährt. Aber die Bilder strahlen in die Welt hinaus. Auf dem Land freilich dominieren Eselskarren den Alltag, in Havanna die Chevrolet Bel Air aus den Zeiten vor der Revolution und dem Handelsembargo, die Baujahre 1950 bis 1959 prägen das Straßenbild.

          Kaum einer ist im Originalzustand, die durstigen V8-Benziner kann sich niemand leisten, unter der Haube versehen uralte Fünfzylinderdiesel von Mercedes oder aus dem Toyota Land Cruiser ihren Dienst. 20 000 bis 50 000 Euro ist solch ein Oldtimer wert, bei einem durchschnittlichen Monatseinkommen von 25 Euro. Nimmt die Öffnung Fahrt auf, man sieht es schon zaghaft in den Straßen, werden chinesische Modelle zuerst das Rennen machen. Das ist ein Jammer. Die Chevys gehören unter Denkmalschutz gestellt.

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