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Autonamen : Von Trotteln, Feiglingen, Corona und der Pest

Der arme Kerl kann ja nichts dafür: Der Toyota Corona war dem Virus voraus und ist auch schon wieder vom Markt verschwunden. Bild: Helge Jepsen

Ein Autoname ist ein langwieriger Kreativprozess. Dann steht er endlich fest – und erweist sich überraschend als kompletter Missgriff. Konnte der Toyota Corona denn mehr Pech haben? Audi und Hyundai haben auch so ihre Sorgen.

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          Dass der zusammen mit Volkswagen größte Autohersteller der Welt mal mit globalem Stillstand in Verbindung gebracht werden würde, das konnte Toyota nicht wissen. Gut gemeint war die Bezeichnung Corona für das stattliche japanische Auto, und wäre nicht das Virus im Jahr 2020 ausgebrochen, hätte der Wagen weiterhin sanft ruhen dürfen. Doch so holte unser Illustrator Helge Jepsen seinen Zeichenstift heraus und schickte den Corona an die Redaktion, verbunden mit der Frage, ob das nicht eine denkwürdige Reminiszenz sei. Und wie sie das ist. Freilich ist das mit Namen so eine Sache. Wir lasen dieser Tage, dass ein Paar seine neugeborenen Zwillinge Covid und Corona genannt hat, weil die Umstände der Geburt so außergewöhnlich waren. Ob die beiden später damit glücklich werden? In der Welt des Automobils gibt es jedenfalls immer mal wieder missglückte Bezeichnungen, manche sind sogar richtig peinlich. Und das, obwohl der Findungsprozess eine wahre Wissenschaft ist.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Toyota hat, wenn man so will, ein bisschen Glück, sonst erginge es ihnen womöglich wie der unter Absatzeinbruch leidenden Biersorte. Doch der Corona ist nicht mehr auf dem Markt. In den fünfziger Jahren lagen die Japaner mit dem spanisch für Krone stehenden Namen gewiss goldrichtig. Der von 1957 bis 1996 gebaute Corona war bis in die siebziger Jahre eines der wichtigsten Autos in Japan, wurde später in die gesamte Welt exportiert, oft unter dem Namen Carina. Gäbe es den Corona noch, müsste sich Toyota freilich Gedanken machen, sagt Manfred Gotta, der deutsche Altmeister der Namensfindung und Schöpfer von Vectra, Smart, Actros oder auch Evonik. Man sehe das schon an der Biermarke Corona, dass der jetzt negative Bezug des Begriffs einen starken Einfluss auf den Absatz habe. Dass die Brauerei in Mexiko geschlossen wurde, hat unterdessen nichts mit dem Namen zu tun. Der Staat hat verfügt, wegen der Pandemie alles, was nicht lebensnotwendig ist, zu schließen. Bier gehört offenbar nicht dazu – was man anders sehen kann.

          Wäre der Toyota Corona noch auf dem Markt, würde Gotta im Zweifel den Namen ändern, obwohl man mit Wechseln stets vorsichtig sein müsse. Es sei immer ein Risiko, Eingeführtes aus welchen Gründen auch immer aufzugeben. Oft solle ein Aufbruch signalisiert werden, doch der Schuss könne nach hinten losgehen. Nicht umsonst trägt der Toyota Auris inzwischen wieder seinen früheren Namen Corolla.

          Schimpfwort für einen Mann

          Das wohl bekannteste Beispiel für einen misslungenen Autonamen ist der Mitsubishi Pajero. 1982 kam der Geländewagen auf den Markt, und bei der Namenswahl, die sich an einer südamerikanischen Raubkatze orientierte, hatte die Marketingabteilung offenbar nur die halbe Arbeit gemacht. Ausgerechnet in der Weltsprache Spanisch ist Pajero ein Schimpfwort für einen Mann, der selbst an sich Hand angelegt. Schnell wurden zwei weitere Bezeichnungen kreiert, Montero und Shogun. Letztlich wurde der Geländewagen dennoch ein Erfolg, mehr als drei Millionen Einheiten wurden von 1982 bis 2018 gebaut.

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