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Automobil-Studien : Die neue Sachlichkeit des feinen Designs

  • -Aktualisiert am

Pininfarina kommt mit seiner Studie eines Alfa Romeo Spiders dem unverbrauchten Kern der Marke schon sehr nahe Bild: Hersteller

Pininfarina, Bertone, Giugiaro: Diese drei Kreativschmieden sind seit Jahrzehnten der Inbegriff feinen italienischen Designs. Neue Studien des Automobils von morgen wenden sich ab vom Comic-Mobil und überzeugen mit Realitätsnähe und Bodenhaftung.

          Pininfarina, Bertone, Giugiaro und der neue Realismus: Was Armani, Prada und Versace in der Mode, sind die obengenannten drei Kreativschmieden beim Automobil: seit Jahrzehnten Inbegriff feinen italienischen Designs. Auch in den vergangenen Jahren verschönerten sie maßgeblich unser Straßenbild. Doch die auf den Messen der Welt präsentierten Studien gerieten häufig so futuristisch, so unwirklich, dass es einem als Betrachter kaum mehr gelang, sich ein solches Gefährt in die reale Welt hineinzuträumen.

          Nicht so auf dem Genfer Autosalon 2010. Insbesondere die Alfa-Spider-Studie 2uettottanta von Pininfarina wartet augenscheinlich nur darauf, draußen in freier Wildbahn ihre Reize zur Schau zu stellen. Die Studie von Bertone - ebenfalls ein Alfa Romeo - mit dem Namen Pandion ist in gezeigter Form zwar noch nicht reif für den Außeneinsatz. Dennoch kann man sich dieses Automobil sehr gut in der automobilen Welt vorstellen.

          Und Giugiaro? Dessen Emas ist zwar noch Zukunftsmusik, aber eine sehr reale. Denn Emas ist dem Vernehmen nach ein antriebstechnisch überaus intelligenter Kompaktwagen, der in Zusammenarbeit mit Proton - dem malaysischen Automobilunternehmen - auf den Markt gebracht werden soll. Aber nicht nur in funktionaler Hinsicht ist dieses Gefährt attraktiv, sondern auch in formaler. Während Minivans im allgemeinen noch immer eher statisch im Kastenformat daherkommen, kaschiert der Emas seine stattliche Breite mit einem sehr gefälligen, dynamischen Äußeren.

          Von Proton könnte der bei Guigiaro gezeichnete Emas umgesetzt werden

          Eine oder andere optische Entgleisung

          Betrachtet man die Studien der anderen Marken und vernachlässigt die eine oder andere optische Entgleisung von Tunern und Kleinstserienherstellern, sieht man die Tendenz zur neuen Sachlichkeit bestätigt. Ob nun die wirtschaftlichen Turbulenzen auch das Design wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen oder die ökologische Neuorientierung des Automobils? Jedenfalls heißt die Richtung: weg vom effekthascherischen Styling, hin zu realistischen oder zumindest realitätsnäheren Präsentationsmodellen. Was einerseits sein Gutes hat, da man sich zuletzt an weltfremden Studien, die an Comic-Mobile erinnern, sattgesehen hatte. Andererseits läuft man mit dieser Entwicklung Gefahr, dass die Innovationskraft leidet.

          Und dieses visionäre Moment braucht es gerade in schwierigen Zeiten. Denn mit zu wenig Neuem und zu viel Althergebrachtem wird man den Absatz - zumindest außerhalb der asiatischen Boomregionen - nicht ankurbeln können. Das gilt nicht nur für die Technik, sondern auch für die formale Ausgestaltung eines Automobils. Aber Vorsicht, im Hinblick auf das Markterfolgspotential des Designs ist eine innovative, zukunftsweisende Formensprache noch nicht einmal die halbe Miete. Hierfür müssen zudem die formalen Attraktivitätskriterien erfüllt werden. Ohne eine die Kunden ansprechende Physiognomie ist heute kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Das mussten gerade die französischen Autobauer bei ihren Modellen der gehobenen Klasse - wie Peugeot 607, Renault Vel Satis, Citroën C6 - schmerzlich erfahren.

          Doch es gibt Hoffnung: Insbesondere Peugeot scheint unter neuer Designleitung eine Kehrtwende einzuleiten. Die Sportwagenstudie SR1 ist eine Augenweide mit besten Markterfolgsaussichten, und das Konzeptmodell einer Limousine geht in die richtige Richtung. Aber nicht nur die Italiener und Franzosen geben auf dem Autosalon optisch Gas, auch in Deutschland wird an zukunftsfähigem Design gearbeitet. Das zeigt allen voran der Mercedes F800. Als Forschungsfahrzeug deklariert, ist er nichts weniger als ein gewaltiger Sprung im Bereich Mercedes-Design. Ebenfalls an dieser Stelle erwähnt werden muss Hyundai. Auch wenn das Showcar HED i-flow optisch überzeichnet ist, erkennt man dahinter eine Form mit reizvollen Ansätzen.

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