https://www.faz.net/-gy9-nltl

Automobil-Geschichte : Der Concours d'Elegance soll auch dem Neuwagen-Geschäft dienen

  • -Aktualisiert am

Selbst ein alter Rolls-Royce ist heute ein bißchen BMW.... Bild:

Tradition ist eine der Stärken der deutschen Automobilhersteller. Sie bekommt zunehmend mehr Bedeutung, Mercedes-Benz und Co tun einiges dafür.

          "Wer Künftiges gestalten will, muß in der Vergangenheit blättern." Diesen Gedanken von Andre Malraux hat sich BMW zu eigen gemacht, als die bayerischen Autobauer 1997 noch im Verborgenen mit der Absicht spielten, sich Rolls-Royce als Spitzenmarke anzulachen. Zwei Emissäre schwärmten dazu nach Oberitalien aus: Wolfgang Ziebart, damals bei BMW Chef der 3er-Baureihe, und Marketingchef Karl-Heinz Kalbfell mieteten sich im Grand Hotel Villa d'Este in Cernobbio ein, "um den Menschen nahe zu sein, die die ganz großen Marken der Autos lieben", wie Martine Rapp von der "Mobilen Tradition" bei BMW berichtet.

          Kaum ein Ort wäre dazu besser geeignet gewesen als die Villa d'Este, die seit 1929 gleichsam als Mekka der feinsten Automobile in Europa gilt. Anfangs waren es neue, ausgefallene Karosseriekreationen, die dort jeweils im September einem erlauchten Kreis vorgestellt wurden; seit 1986 versammeln sich Ende April die Liebhaber erlesener Oldtimer am Comer See, um in einem "Concours d'Elegance" auf der Hotelterrasse möglichst den "Coppa d'Oro Villa d'Este" zu gewinnen.

          Rolls-Royce als Premium-Plattform für BMW und Mini

          Vor allem auf die Rolls-Royce-Enthusiasten hatten es die beiden BMW-Granden vor sechs Jahren abgesehen, um zu lernen, worauf die englische Nobelmarke künftig besonders achten sollte: beispielsweise die Designsprache der zwanziger und dreißiger Jahre wiederzubeleben. Das waren die Zeiten, als man beim Hersteller normalerweise nur das Chassis bestellte und sich von einem renommierten Karossier ein elegantes und vor allem extravagantes Blechkleid schneidern ließ. Weil seit Anfang des Jahres BMW die Markenrechte an Rolls-Royce nutzen darf, stand kürzlich erstmals der neue Phantom im Mosaikgarten und genoß die Bewunderung des feinen Publikums. Das im Inneren moderne Auto sieht eigentlich ziemlich alt aus, ist ungewöhnlich hoch geworden, hat steile Flanken und trägt eine majestätische Kühlermaske. Und seine Tabernakeltüren - der Zustieg zum Fonds öffnet sich nach vorn - erinnern an die längst vergangenen Zeiten prächtiger Limousinen.

          BMW fand am Comer See nicht nur das Vorbild für seinen Rolls-Royce, sondern auch eine ideale Plattform für die Premiummarken BMW und Mini. Seit 1999 hält der bayerische Autobauer das Patronat über diesen Event, spendet einige Trophäen und Preise, kann seine Fahrzeuge an bestimmten Plätzen ausstellen und - vor allem - zahlt die nicht unerheblichen Kosten. Das scheint sich offenbar auszuzahlen, denn das Image der Marke BMW hat vor allem im Ausland in den vergangenen Jahren deutlich zugelegt.

          Wie man mit Geschichte seinen Ruf pflegt, haben die Münchner von ihren schwäbischen Wettbewerbern abgeschaut. Bereits seit den achtziger Jahren unterstützt Daimler-Benz (heute Daimler-Chrysler) die Mille Miglia, setzt Prominente wie Boris Becker in einen 300 SL mit Flügeltüren und feiert alljährlich auf den tausend Meilen von Brescia nach Rom und zurück ein riesiges Autofest unterm Mercedes-Stern. Auch bei dem Schönheitswettbewerb der automobilen Kostbarkeiten im kalifornischen Pebble Beach ist Mercedes-Benz of North America schon seit über zwei Jahrzehnten dabei. Obwohl sich die Amerikaner nicht so gern von einer Automarke vereinnahmen lassen, ist es dem Unternehmen 2001 erstmals als Hauptsponsor gelungen, dort das Jubiläum "100 Jahre Mercedes-Benz" zu feiern und im Jahr darauf die kürzlich wiederbelebte Marke Maybach im exklusiven Rahmen des feinen Golfclubs am Pazifik vorzustellen. Für 2004 ist geplant, auf dem dichten Grün ein halbes Jahrhundert des legendären Sportwagens 300 SL zu begehen, der einst im Nachkriegsdeutschland speziell für die verwöhnten Happy-few des amerikanischen Establishments entstanden war.

          Weitere Themen

          Israels Botschafter sorgt sich wegen Antisemitismus Video-Seite öffnen

          Jeremy Issacharoff : Israels Botschafter sorgt sich wegen Antisemitismus

          Israels Botschafter in Deutschland, Jeremy Issacharoff, hat sich in einem Interview besorgt über einen zunehmenden Antisemitismus in Europa geäußert. Er unterstütze den Vorschlag von CDU-Chefin AKK für mehr Besuche von Schülern in Holocaust-Gedenkstätten, halte aber Besuche von Deutschen in Israel für genauso wichtig.

          B happy

          100 Jahre Bentley : B happy

          Seit 100 Jahren tüftelt Bentley an noblen Automobilen. Die Ehe mit Rolls-Royce ist längst Geschichte. Wohin steuert die Marke jetzt?

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.