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Automobil : Die Tschechen vorn

  • -Aktualisiert am

Zeigt die Richtung: die Großraumlimousine Roomster Bild: Skoda

Er mag Autos mit Kotflügeln und hat sein Fahrrad im Büro stehen. Außerdem gibt er den Autos der tschechischen Marke Skoda ein unverwechselbares Gesicht. Thomas Ingenlath ist Design-Chef der VW-Tochtergesellschaft.

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          Skoda gehört zu den Unternehmen der Automobilbranche mit einer weit zurückreichenden Geschichte. Lange vor dem Aufkommen großer Marken wie BMW, Volkswagen oder DKW begannen sich die Unernehmensgründer Laurin und Clement mit der Mobilität des Menschen zu befassen: 1895 bauten sie Fahrräder, bald motorisierte Zweiräder und, das war die logische Folge dieser Entwicklung, nach der Jahrhundertwende auch Automobile. Als Ausnahme unter den osteuropäischen Autobauern hat Skoda die entbehrungsreichen Jahre unter sozialistischen Regimen überstanden.

          Heute steht Skoda als erfolgreichste Tochtergesellschaft des VW-Konzern unter erheblichem Erfolgsdruck, die steil nach oben gerichtete Kurve wachsender Produktions- und Verkaufszahlen nicht abknicken zu lassen. Daß dies mit nur zwei Modellreihen, dem Octavia und dem Forman-Nachfolger Fabia nicht allein gelingen kann, war schnell deutlich geworden. Die große und preisgünstige Limousine Superb hat den Erfolg gestützt, und die Studien einer emotional gezeichneten Großraumlimousine wie dem Roomster auf der IAA 2003 oder eines funktionalen Personentransporters wie dem Ahoi (tschechisch für „Hallo“) 2001 zeigen die Richtung, in die weitere Modellreihen zielen könnten.

          Thomas Ingenlath, seit 2000 für das Design der Marke verantwortlich, sieht freilich die Formensprache der Autos aus Tschechien als eines der wichtigsten Entwicklungsziele. Eine bisweilen skurrile Eigenständigkeit sieht er als erfolgversprechende Elemente der Gestaltung. „Wir wollen nicht intellektuell wirken sondern individuell und mit einem Gefühl, das im Bauch entsteht, nicht im Kopf“.

          In jeder Variation zu haben: Der Roomster hier als Transporter für tschechische Lebensmittel

          Octavia: Kleine Details und großer Stauraum

          Clevere Lösungen finden sich dennoch in vielen Details der aktuellen Skoda-Fahrzeuge. So etwa die Kleiderhaken im neuen Octavia. Sie sind an der B-Säule befestigt und ermöglichen das Aufhängen der Garderobe ohne den Fondpassagieren die Sicht zu nehmen. Oder die Schlaufe an der Heckklappe: Der Surfer Ingenlath weiß, wie praktisch sie ist und daß man daran triefende Neoprenanzüge nach dem Sport aufhängen kann. Im neuen Octavia gibt es zum Schließen der Heckklappe einen Knauf und dazu eine kleine Bohrung, die gerade groß genug ist für den Haken eines Kleiderbügels.

          Solche Details erfreuen, der formale große Wurf ist jedoch mit dem Karosseriekonzept des Octavia gelungen. Während die Seitenlinie die Eleganz und Stilsicherheit einer Stufenhecklimousine vermittelt, bietet die Gestaltung des Kofferraums und seines Deckels die Funktionalität eines Schrägheckwagens. Das große Transportabteil ist ungehindert zugänglich.

          Sperrige Dinge zu verstauen, gelingt auf einfache Weise. „Neue Autos sollten Skier und sogar Fahrräder ohne Dachgepäckträger und Mühen beim Umbau des Kofferraums transportieren können“, sagt der Skoda-Designer: ein klares und schlüssiges Konzept also. Als wir ihn fragen, warum die Kofferraumöffnung beim Superb so knapp ausfallen mußte, stehen plötzlich Falten auf Ingenlaths Stirn, und er wird wortkarg. Wir gehen davon aus, daß der für 2008 zu erwartende Nachfolger des großen Skoda ebenfalls die Vorzüge einer Heckklappe bieten wird.

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