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Automesse Detroit 2010 : Die Autoindustrie schöpft wieder Hoffnung

Auf der Automesse in Detroit gab es wieder viel Glänzendes zu sehen Bild: AP

Das Jahr 2009 ist vorbei, Gott sei Dank. Die Autohersteller machen einen großen Haken dran und zeigen im kalten Michigan ihre neuesten Modelle. Dabei scheinen die deutschen Hersteller und Ford bestens gerüstet für das Jahr eins nach der Krise.

          Der amerikanische Automobilmarkt hat das schlimmste Jahr seit vielen Jahrzehnten hinter sich: Der Absatz ist 2009 im Vergleich zu 2008 um mehr als ein Fünftel auf 10,4 Millionen Fahrzeuge eingebrochen, noch 2007 wurden mehr als 16,1 Millionen Autos verkauft. 2010 soll es wieder aufwärtsgehen, und in Detroit kann man sich noch bis zum kommenden Sonntag einen Überblick über das Angebot verschaffen, wobei einige wichtige Hersteller ihre Politik fortführen, nicht mehr alle großen Messen zu besetzen. Es fehlen Nissan samt Infiniti, Mitsubishi und Suzuki, aber auch Porsche und Nischenhersteller wie Aston Martin, Bugatti, Lamborghini und Rolls-Royce. Saab fehlt ebenfalls. Vielleicht war der Auftritt in Los Angeles vor einem Monat der Abgesang auf die insolvente GM-Marke.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Dagegen zeigt Fiat erstmals in Detroit Flagge. Die Marke ist jetzt mit Chrysler verbandelt und will noch in diesem Jahr den amerikanischen Markt mit dem putzigen Fiat 500 beglücken, hat zwei davon dabei und auch einen Ferrari sowie einen Maserati, aber keinen Alfa. Dass der Lancia Delta plötzlich als Chrysler (ohne weiteren Namen) präsentiert wird, soll ein Versuchsballon sein, wir würden ihn sofort platzen lassen. Sonst gibt es keine neuen Modelle bei Chrysler, Dodge oder Jeep, dort scheint immer noch eine gewisse Schockstarre zu herrschen, und von Fiats Gebaren in den Chrysler-Hauptquartieren hört man nichts Gutes. So wurden angeblich komplette Abteilungen neu mit Europäern besetzt und der Werbeagentur gekündigt. Allein das habe fast 500 Arbeitsplätze gekostet.

          Schon wird auf Flugzetteln, verteilt in dem Hotel, in dem fast alle deutschen Journalisten abgestiegen waren, Stimmung gegen Fiat gemacht. Es wäre gewiss besser gewesen, Fiat/Chrysler hätten eine offensivere Kommunikationsstrategie gefahren und nicht nur die Autos für sich sprechen lassen. Es gab keine Pressekonferenz, aber Sergio Marchionne hielt am ersten Tag Hof – noch nachlässiger gekleidet als sonst. Er verbreitete Optimismus und versprach für 2011 gleich elf neue Chrysler-Modelle plus fünf große Überarbeitungen. Als Hoffnungsträger gilt unter anderem die Multi-Air-Technik von Fiat, die Chrysler-Motoren zu wahren Sparwundern machen soll.

          Fiat ist jetzt mit Chrysler verbandelt und will noch in diesem Jahr den amerikanischen Markt mit dem putzigen Fiat 500 beglücken

          4000 Bestellungen für Fiesta liegen schon vor

          Dort, wo Ford schon ist, will Chrysler noch hin. In Dearborn hat man die Krise ohne staatliche Hilfe überstanden, und in Zukunft setzt Ford bewusst offensiv auf das kleine Auto und greift auf das Knowhow der europäischen Tochter zurück. Daher wird der kleine Fiesta zum ersten Mal seit dem Bestehen der bald 33 Jahre alten Modellreihe jetzt in den Staaten angeboten. 4000 Bestellungen liegen schon vor. Star der Messe war freilich der brandneue Ford Focus, der im Frühjahr 2011 gleichzeitig in Amerika und Europa auf den Markt kommen wird und zum Weltauto werden soll. Bisher waren der amerikanische Focus und sein europäischer Namensvetter zwei verschiedene Modelle. In Detroit debütierten eine Stufenhecklimousine und ein viertüriges Schrägheckmodell, insgesamt soll es zehn Variationen der dritten Focus-Generation geben, eine davon wird einen elektrischen Antrieb haben und soll Ende 2011 zu kaufen sein. Für dieses und weitere Modelle investiert Ford in Michigan 450 Millionen Dollar in ein neues Batteriewerk und schafft 1000 Arbeitsplätze.

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