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Automesse Detroit 2010 : Die Autoindustrie schöpft wieder Hoffnung

Allerdings spielt dieses Thema in Detroit allenfalls eine Nebenrolle, wenn auch eine größere. Die mit viel Spannung erwartete „Electric Avenue“ ist bestenfalls eine „Electric Corner“, in der zahlreiche in Europa völlig unbekannte Kleinstunternehmen aus Kalifornien (Saba, Greenvehicles, Alias) zeigen, dass sie winzige Autos bauen können, die einen elektrischen Antrieb haben. Kaum eines der gezeigten Fahrzeuge entspricht von der Verarbeitungsqualität her europäischen oder deutschen Ansprüchen. CT + T aus China hat gleich 20 E-Zwerge aufgefahren, doch auch diese sehen aus, als stammten sie aus einer besseren Bastelbude. Das gilt natürlich nicht für den Mitsubishi Miev und den Nissan Leaf, die als jeweils einzige Vertreter ihrer Marken im Cobo-Center zu sehen sind. E-Auto-Vorreiter Tesla tat gut daran, mit einem eigenen Stand eingerahmt von Lotus und Smart vertreten zu sein. Die kalifornischen E-Auto-Pioniere, die schon einige hundert Autos von ihrem Sportwagen auf Lotus-Basis im Markt haben, arbeiten offenbar weiter mir Nachdruck an ihrem Modell S - einem vollwertigen Fünfsitzer mit Kofferraum (aus dem noch zwei Notsitze für kleine Kinder herausgeklappt werden können) und einer Reichweite von 450 Kilometern (!).

Die japanischen Hersteller lieferten mehr oder weniger Pflichtauftritte ab

Nur 330 Kilometer (was immer noch ein großes Versprechen ist) weit kommt der BYD e6, ein Elektro-Auto im biederen Kleid (4,55 Meter lang) des chinesischen Herstellers „Build Your Dreams“. Da BYD ursprünglich Batterien herstellte, gilt BYD als ernsthafterer Mitbewerber als andere. Doch vor diesen Autos müssen die angestammten Hersteller gewiss keine Angst haben. Zu groß sind die augenfällig qualitativen Unterschiede. So sind die Chinesen nicht konkurrenzfähig, und andere waren in Detroit ohnehin nicht vertreten. Noch ist Volvo bei Ford, und viele Fans der Marke hoffen, dass der angestrebte Verkauf an Geely noch platzt. Man muss einfach die Frage stellen, ob Volvo vom Käufer noch als Marke akzeptiert wird, wenn die Besitzer Chinesen sind. Dennoch tritt Volvo in Detroit selbstbewusst auf, man hat unter anderem den elektrischen C30 dabei. Die Ex-Ford-Töchter Jaguar und Land Rover fühlen sich bei Tata (Indien) ganz wohl, haben aber nur bescheidene Stände in Detroit. An den neuen Jaguar XJ, der im Frühjahr mit etwas Verspätung in den Handel kommen soll, haben wir uns immer noch nicht gewöhnt.

Die anwesenden japanischen Hersteller lieferten mehr oder weniger Pflichtauftritte ab. Toyota (mit der Amerika-Marke Scion und Lexus) zeigte ein kleineres Hybrid-Auto mit Namen FT-Ch als Unterbau zum Prius, um jüngere Kundschaft anzusprechen, Prius soll zur eigenen Marke ausgebaut werden. Honda (mit der Edelmarke Acura) fährt den neuen CR-Z auf, ein Hybrid-Sport-Coupé mit deutlichen formalen Anklängen an den verblichenen CR-X der neunziger Jahre. Der zweisitzige CR-Z wird schon im Sommer in den Staaten zu haben sein, der Preis wird um die 20.000 Dollar liegen. Last but not least zeigen Hyundai und Kia abermals, dass die beiden koreanischen Hersteller im Weltmarkt angekommen sind. Und das hat keine 20 Jahre gedauert.

Im Prinzip war Detroit 2010 eine durchschnittliche Messe, aber nach dem trüben 2009, als viele dachten, dass seid ei letzte Automesse in Detroit, ist dies schon ein gewaltiger Fortschritt. Während das reine E-Auto noch nicht hundertprozentig akzeptiert ist, muss man inzwischen wohl feststellen, dass die Hybrid-Technik den Durchbruch endgültig geschafft hat. Fast alle Hersteller oder Marken haben oder werden bald ein oder mehrere Modelle mit dieser Technik im Programm haben.

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