https://www.faz.net/-gy9-6lake

Autolacke : Welten zwischen Grau und Grün

  • -Aktualisiert am

Farbenwahl: Anhand dieser Miniaturen sollen Autokäufer den Lack ihres Wagens bestimmen Bild: dpa

Die Farbe eines Autos ist nicht nur ein wichtiges optisches Merkmal. Sie entscheidet auch mit über die Chancen beim Wiederverkauf. Und verrät zudem eine Menge über den Autoliebhaber, der sie gekauft hat.

          4 Min.

          Das Klischee ist uralt: Die Frau bestimmt über die Farbe des neuen Autos, der Mann über alles andere. Und sie denkt dabei nur an die Kleider, zu denen der Wagen passen muss. Alles Unsinn. Jeder vierte Neuwagen wird heute von einer Frau zugelassen, und niemand wird ernsthaft glauben, dass diese Damen alles außer der Farbwahl einem Partner oder gar dem cleveren Autoverkäufer überlassen. Tatsache ist, dass längst eher die Kinder ein entscheidendes Wörtchen mitreden, wenn es um die Lackierung des neuen Wagens geht. Und obwohl die favorisierten Farben beim Auto nicht ganz so schnell wechseln wie etwa in der Kleidermode – es gibt auch hier Trends und sogar Überraschungen.

          Eine davon ist das Comeback der Farbe Weiß. Sie ist eigentlich gar keine Farbe und wurde lange links liegengelassen. 1991 hatten noch 14 Prozent der neu zugelassenen Personenwagen die Farbe des Schnees, 1993 nur noch knapp elf Prozent. Dann wurden weiße Autos zum Albtraum jedes Gebrauchtwagenverkäufers: Sie standen wie Blei und wurden am liebsten gar nicht erst in Zahlung genommen. Heute – 2010 bis einschließlich September – ist Weiß wieder bei 11,3 Prozent angelangt, mit steigender Tendenz.

          Dafür gibt es wohl mehrere Gründe. Zum einen den üblichen Zyklus, der alles einmal wiederkehren lässt, auch wenn es längst verschwunden schien. Zum anderen den Wunsch so mancher Fahrer großer SUVs und Geländewagen, ihrem Fahrzeug mit der Farbe der Unschuld im wahrsten Wortsinn einen sympathischen Anstrich zu geben: Weiß lässt Autos nicht nur leichter und kleiner erscheinen, es suggeriert auch ökologisches Wohlverhalten. Kein Wunder, dass die (Un-)Farbe etwa bei Audi, BMW und Porsche leicht überrepräsentiert ist, nicht zuletzt den Käufern von Q7, X6 und Cayenne sei Dank. Liebhabern dieser Farbe – Frauen sind dabei mit 30 Prozent überdurchschnittlich vertreten – attestieren die Farbpsychologen Sensibilität und Zurückhaltung, doch das mag man zumindest bei der Geländewagen-Fraktion nicht so recht glauben. Ein dritter Grund, Weiß zu kaufen, trifft eher bei kleineren Autos zu: Man erspart sich damit den Aufpreis für Metallic-Lack, der schon in diesem Segment mindestens 400 Euro beträgt. Ein objektiver Vorzug von Weiß ist die optimale Wahrnehmbarkeit (außer bei Schnee), ein Nachteil die gut sichtbare Verschmutzung vor allem im Winter.

          Weiß ist bei uns aber noch lange nicht, wie etwa in den Vereinigten Staaten, der Favorit unter den Lackfarben. An der Spitze stehen, auch weltweit, die gesammelten Grau- und Silbertöne. Sie werden von allen Käufern bevorzugt, die im Hinblick auf den späteren Wiederverkauf nichts falsch machen wollen. Unspektakuläre Farben wie diese gehen immer – aber auch sie sind einem Trend unterworfen, und der zeigt zurzeit nach unten. 2004 lag diese Farbgruppe in Deutschland bei mehr als 46 Prozent, sechs Jahre später kommt sie auf 32,7, immerhin noch genug für den Spitzenplatz. Wer aus ihr wählt, gilt als korrekt und sicherheitsbewusst – obwohl es mit der Wahrnehmbarkeit solcher Farben nicht zum Besten steht –, die Fans von Silbertönen werden zudem als stilsicher und eitel beschrieben.

          Schwarzer Lack hat nur Nachteile

          Seit Beginn der neunziger Jahre hierzulande unter den ersten Fünf und seit 2003 „ewiger“ Zweiter ist Schwarz: auch das eigentlich keine Farbe, obwohl sie inzwischen mit Metallic-Varianten an Charme gewinnt. Schwarz gehört zum klassischen Outfit von großen Dienstwagen – es wirkt distinguiert und lässt Autos schwerer aussehen –, hat aber längst auch die Mittelklasse und die Privatkäufer erreicht; nur so lässt sich seine Quote von mehr als 30 Prozent erklären. Kleinwagen wirken eher lächerlich damit, und so dominiert sie bei Marken wie Audi, BMW und Porsche (also dort, wo auch Weiß stark ist) und steht bei Mercedes-Benz, VW und Ford an zweiter Stelle. Strenggenommen hat schwarzer Lack nur Nachteile: im Dunkeln fast unsichtbar, Schmutz geradezu magnetisch anziehend, in der Sonne den Wagen stark aufheizend. Seine Freunde machen sich nichts daraus, zu ihrem Psychogramm gehören Ehrgeiz, Selbstbewusstsein bis hin zum Überlegenheitsgefühl und nicht eben brave Vorschriften-Erfüllung im Straßenverkehr.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Isabel Schnabel ist eine profilierte Kennerin der Finanzmärkte und der Geldpolitik.

          Isabel Schnabel rückt auf : Eine Bereicherung für die EZB

          Isabel Schnabel ist Expertin für Banken und Finanzmärkte. Dennoch wird ihre Berufung in die EZB-Führung als Nachfolgerin von Sabine Lautenschläger nicht jedem gefallen. Sie hat sich schon deutlich positioniert.

          Brexit-Deal im Parlament : Ein Ping-Pong-Spiel mit ungewissem Ausgang

          Selbst wenn Boris Johnson bei der Abstimmung über seinen Brexit-Deal siegen würde, bedeutet das noch keinen Durchbruch. Auch das Oberhaus hat nahezu grenzenlose Möglichkeiten, die Beratungen in die Länge zu ziehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.