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Autojahr 1961 : Die Heckflosse als Peilkante

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Auf den Straßen und den Automobilsalons des Jahres 1961 zeigen sich gleichermaßen Ökonomie, Hochleistung und Luxus. Eine der interessantesten Neuheiten war der Antrieb der obenliegenden Nockenwelle im 42-PS-Motor des Glas S 1004.

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          Über die Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit des Autofahrers im Verkehr durch Kohlenoxyd berichtet am 10. Januar die F.A.Z. Am 20. Januar leistet der 43 Jahre alte John F. Kennedy seinen Amtseid als 35. Präsident der Vereinigten Staaten. Unbestrittener Star des Genfer Autosalons ist der neue Jaguar E-Type, der die XK-Reihe nach 30 500 Einheiten seit 1949 ablöst. Abgesehen von seinem 3,8-Liter-Motor mit drei Vergasern ist der E-Type eine völlige Neukonstruktion. Die Vorderradaufhängung entspricht weitgehend der des Le-Mans-Siegers D-Type mit oberen und unteren Dreiecksquerlenkern sowie Torsionsstabfedern. Die einzeln aufgehängten Hinterräder führen Dreieckslenker, doppelte Schraubenfedern und zu einem Teil die Doppelgelenk-Antriebswellen. Die innenliegenden Scheibenbremsen und das automatische Sperrdifferential sind elastisch an der Karosserie aufgehängt.

          Am 13. April berichtet „Die Welt“, dass die „VW-Aktien auf 720 Prozent gefallen“ sind und der „Münchener Stadtrat über Auto-Zulassungen besorgt“ sei: Der Münchner Kraftfahrtspezialist und Stadtrat Döllker habe anlässlich der Zulassung des 200 000. Kraftfahrzeugs in der bayerischen Landeshauptstadt gefordert, die Neuzulassungen künftig einzuschränken. München liege in der Verkehrsdichte an zweiter Stelle hinter Frankfurt. Auf fünfeinhalb Münchner Einwohner komme derzeit ein Auto.

          Bundesschatzminister Wilhelmi und der niedersächsische Finanzminister Ahrens unterzeichnen am 19. Mai die Urkunde über die „Stiftung Volkswagenwerk“. VW stellt mit 1 006 782 Einheiten erstmals mehr als eine Million Autos her, davon gut die Hälfte für den Export. Die Produktpalette wird um den VW 1500 mit Vierzylinder-Niederflur-Boxermotor (45 PS) erweitert - das wohl seitenwindempfindlichste Auto, das wir jemals gefahren haben. Der Motor des VW 1200 indes leistet nun 34 PS und erfreut mit einem erstmals vollsynchronisierten Getriebe. Davon profitiert auch Adenauers Cheffahrer Peter Seibert, als er wegen der äußerst engen Sträßchen im italienischen Loveno den urlaubenden Kanzler statt im Mercedes im Käfer kutschiert. „Dat is aber auche ne jute Wagen“, habe Konrad Adenauer anschließend vermerkt. Ein VW 1200 Standard, notorisch grau lackiert, kostet 3810, ein 1300 Export 4740 Mark.

          „Sie denken, sie fahren ein Auto

          Die Motorleistung des Trabant von 18 PS wird 1961 auf 20 PS gesteigert. DDR-Witz: „Wer sind die größten Denker? Die Trabant-Fahrer. Sie denken, sie fahren ein Auto.“ Sachsenring-Verlautbarung nach Einstellung der Trabi-Produktion: „Wer neue Werte will, muss auch vergessen können.“ „Dps.“ kommentiert in dieser Zeitung am 14. August die Sperrung der Zonengrenze: „Am Sonntagmorgen ist das Gefängnis Sowjetzone aus einer offenen in eine geschlossene Anstalt umgewandelt worden.“ Der Mauerbau am 13. August lässt Lücken für den Straßenverkehr nach Berlin einstweilen nur für die Alliierten.

          H.C. Graf von Seherr-Thoss notiert in seinem Standardwerk „Die deutsche Automobilindustrie“ das Ende eines Nachkriegs-Nischenprodukts: „Tempo und Goliath-Werk bauen die letzten Dreirad-Kleintransporter in Deutschland.“ Seit 1945, in 16 Jahren also, hätten Tempo 53 368 und Goliath 39 997 Fahrzeuge dieser Zweitakt-Kategorie erzeugt.

          Eine der interessantesten Neuheiten im Herbst 1961 ist der Antrieb der obenliegenden Nockenwelle im 42-PS-Motor des Glas S 1004. Statt der üblichen Kette treibt ein Kunststoff-Zahnriemen die Nockenwelle an. Die Probefahrten mit den ersten produktionsreifen Fahrzeugen, berichtet Hanns-Peter Baron von Thyssen Bornemisza in seinem Werk „Glas-Automobile“, fanden am Großglockner und in Südtirol statt. „Da hatte die Truppe Ärger“, berichtet von Thyssen, „als der Versuchsfahrer Gerhard Bodmer bei Meran ausgerechnet dort einen Polizeiwagen überholte, wo ein weißer Strich die Straße teilte. Die Italiener wollten Bodmer auf der Stelle verhaften, den Wagen beschlagnahmen. Es bedurfte langer Überredungskunst, ehe sich die Hüter der Ordnung mit einer Geldstrafe begnügten.“

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