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Autodesign-Rückblick 2010 : Von Glaswarzen, Trockenrasierern und Kampfwagen

  • -Aktualisiert am

Das war 2010: Die wichtigsten Neuerscheinungen auf einen Blick Bild: von Mende

Die Kunst des Automobil-Designs ist, der je eigenen Markenidentität zu einem zeitgemäßen Gewand zu verhelfen. Doch nicht immer erreicht gewollte Originalität das Beabsichtigte. Wir haben uns die Autos des letzten Jahres genauer angeschaut.

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          Auch wer vom Fach ist, kann sich irren. Mitte der zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts wollte die „Allgemeine Automobil Zeitung“ Folgendes wissen: „Die Zeit sensationeller Neuerfindungen ist vorbei.“ Das stimmte nicht so ganz. Heute hingegen erkennen fast alle Autohersteller ihren Nachholbedarf für die Zeit nach dem Kauf, sprich: in Sachen Servicequalität. Zugleich wird das Automobil-Design ein immer wichtigerer Kaufgrund. Grundlegend neue Technik wie der moderne Elektroantrieb mag vorderhand exotisch bleiben, aber wie gestaltet das Design den Fortschritt? Zum einen durch Pflege all dessen, was hilfreich ist zur Wahrung der jeweiligen Markenidentität. Zum andern durch die Suche nach neuen Motiven, die dauerhaft zu sein versprechen. Neben diesem, ihrem Dienst an der Marke aber träumen die kreativen Köpfe: von aufregenden Details, von kühnen Formen, die so attraktiv zu sein scheinen, dass sie Wirklichkeit werden müssen.

          Bestes Beispiel dieser den vordergründigen Effekt suchenden Gestaltung dürfte Mercedes-Benz sein. Schon die Forschungsfahrzeuge des Hauses, so dröge wie korrekt mit F und einer Ziffer benannt, zeigen den übertriebenen Hang zu kraftvollster Formgebung von Blech- und Glasflächen. Bei der Serie scheint es inzwischen auch kein Zögern mehr zu geben: Die aktuelle C-Klasse hatte noch Zurückhaltung zu bieten, und der CL gibt sich standesgemäß unaufgeregt.

          Die E-Klasse aber bemüht sich mit scharfkantigen Linien und Pausbacken über den Hinterrädern um eine Originalität, wie sie noch heftiger den neuen CLS prägt. Kleidete ehedem eine seidig glatte Hülle das viertürige Coupé, kommt jetzt ein Gesicht mit modischen Attitüden daher, das formal nichts mit dem weich geformten Heck gemein haben will. Und die Backen - als falsch verstandenes Mercedes-Merkmal - rauben den letzten Rest von dauerhafter Eleganz.

          Am Audi A7 mit seinem sauberen Gesamtprofil, der Ausgewogenheit von Volumen und Glasflächen, lässt sich lernen, dass verhaltenere Motivgestaltung langlebiger ist
          Am Audi A7 mit seinem sauberen Gesamtprofil, der Ausgewogenheit von Volumen und Glasflächen, lässt sich lernen, dass verhaltenere Motivgestaltung langlebiger ist : Bild: Hersteller

          Am Audi A7 mit seinem sauberen Gesamtprofil, der Ausgewogenheit von Volumen und Glasflächen, lässt sich lernen, dass verhaltenere Motivgestaltung langlebiger ist. Da darf das Heck auch an das wunderschöne Audi 100 Coupé von 1970 erinnern. Trotz der geringen Höhe von 1,41 Meter hat der A7 einen Innenraum passablen Zuschnitts. Wer mehr will in einem viertürigen Coupé, bekommt mit dem BMW 5er GT zwar 15 Zentimeter mehr Höhe, aber kein elegantes Auto.

          Ohne die Typenerkennung zu verwässern

          Nachdenken müssen die Designer bei Audi darüber, wie sie das Gesicht des sogenannten Singleframe variieren wollen, ohne die Typenerkennung zu verwässern. Dies zeigt sich beim strammen Audi A1. Wer ihn im Rückspiegel kommen sieht, will ihn kaum unterhalb eines A8 einordnen, so stark wirkt der Auftritt. In Seitenansicht betont das knapp geschnittene Schrägheck den Coupécharakter.

          Der A7 - die rollende Eleganz, der A1 - ein strammer Jungspund, der A8 - so seriös wie ein dunkler Maßanzug. Sein Singleframe-Gesicht gönnt sich kräftige horizontale Chromstreben, die aber nicht auf gleicher Höhe mit den Linien in den seitlichen Lüftungsöffnungen liegen. Schade, dass das Heck beim A4 Anleihen macht, da zeigte der Vorgänger mehr eigenständige Eleganz. Im Innenraum herrscht Üppigkeit von Holz und Leder wie in der Oberklasse generell üblich, die Bescheidenheit ökologischer Ansätze ist hier nun mal kein Thema.

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