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Autodesign 2006 : Die neue Formenvielfalt verliert sich im Alltag

  • -Aktualisiert am

Es lebe die Nische: Varianten und Variationen Bild: Hans-Ullrich von Mende

Das Design westlicher Autos tritt auf der Stelle, ihre Schöpfer kopieren sich gegenseitig. Ein Rückblick auf die Neustarts 2006 zeigt es: Fernöstliche Hersteller holen auf.

          7 Min.

          Weit weg, im ganz fernen Osten, macht sich eine Nation fertig zum Sprung in die Zeit der Motorisierung. China wird bald mehr Autos bauen als Deutschland. Vor einem Jahr schrammten zwar die ersten Exemplare am Erfolg vorbei und scheiterten an Crash-Prüfungen. Doch das wird nicht mehr lange so bleiben, sogar das fernöstliche Design holt auf. Und dann setzt es zum Überholen an.

          Die Ursachen dafür liegen bei den etablierten Marken. Denn die westlichen Designtrends treten auf der Stelle, ihre Schöpfer kopieren sich gegenseitig: Jeder Kühlergrill wird mit wabenförmigem Gitter verbaut; jeder Scheinwerfer mutiert zum gläsernen Kotflügel; ihre Umrisse orientieren sich an allem, nur nicht an der klaren Geometrie. Bei Mercedes-Benz heißt die seitliche Sicke in der Karosserie „Charakterlinie“, jetzt haben fast alle die Furche oder die Fuge, die, nach hinten ansteigend, die Flanke teilt. Kein Geländewagen ohne markant geprägtes Blech als Unterfahrschutz, kein Van ohne dynamisch-schräge Heckfenster und kein Limousinenbug ohne die aus der Haube fallenden Linien.

          Niemand ist perfekt

          Künftige Objekte der Begierde sind die neuen Audi TT und der R8. Sie beweisen, dass man die Linie einer Marke bis in den Extremsport hinein durchhalten kann. Der TT setzt das klare Konzept aus Kreis und Geraden seines Vorgängers um in dynamisierte Linien und gönnt dem Dach etwas mehr Volumen, zugunsten eines Seitenfensters, das diesen Namen auch verdient. Fast sanft schmiegen sich die Linien des R8 über die Gesetze der hohen Leistung, das Audi-Gesicht bleibt auch mit grimmigen Leuchten und den aggressiv wirkenden Öffnungen zur Belüftung der Bremsen erhalten. Bei BMW hat das 3er-Coupé wieder jene Vernunft der Eleganz angenommen, die der Kunde in diesem Segment erwarten darf. Die Linien fließen, Oberflächen sind sauber modelliert, das Blech wird nirgendwo zu Verwerfungen genötigt, die Zugehörigkeit zur 3er-Reihe in schönster Form demonstriert.

          Es lebe die Nische: Varianten und Variationen Bilderstrecke

          Auch der Alfa Romeo Brera trägt den Stil seiner Familie. Wo sein enger Verwandter, der Alfa GT, die Eleganz in etwas dröger Dachlinie und mit kraftlosen Rückleuchten verliert, da kommt es beim Brera dank der Hilfe von Giugiaro an Bug und Heck zu fein durchkomponierten Motiven der Schärfe bei hoher Eleganz. Die Kontur der Seitenfenster erscheint allerdings glanzlos, das stört die italienische Schönheit, aber: Niemand ist perfekt.

          Zwischen Skurrilität und Eleganz

          Auch das neue Flaggschiff von Citroën nicht. Den neuen C6 machte man uns schon auf dem Genfer Salon 1999 als Studie Lignage schmackhaft. Bei unverändertem Karosserievolumen zeigte sie aber noch zarte Linien. Das hat sich beim Serienmodell geändert: Der Weg zwischen Skurrilität und Eleganz schlägt manchen Umweg ein, häufig stimmt in Details nicht mehr die Quersumme aus den Einzelelementen. Zum Beispiel das Zusammenwirken von Nashornvogel-Rückleuchten und der nach innen gewölbten Heckscheibe.

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